Werden die Stützpunkte reduziert?

Streitthema Talentförderung

10. Februar 2021, 08:59 Uhr

So kennt man die Stützpunkte: Wie hier in Hünfeld fördern die Trainer wie Michael Jäger und der inzwischen „pensionierte“ Wolfgang Dittrich die größten Talente. Foto: Götze

Das "DFB-Projekt-Zukunft" beschäftigt den Hessischen Fußball-Verband seit Wochen. Die Verantwortlichen haben die Ideen nun erstmals den Vereinen der Junioren-Hessenligen vorgestellt. Streitpunkte sind insbesondere die Themen Wettbewerbe und Talentförderung, die nachhaltige Veränderungen mit sich bringen könnten.

Dass der Deutsche Fußball-Bund an einer Reform arbeitet, um wieder mehr Talenten den Sprung in den Profibereich zu ermöglichen, ist nichts Neues (wir berichteten). Schon im Herbst vergangenen Jahres sickerte durch, dass der Wettbewerb im Spitzenbereich des Juniorenfußballs angepasst werden solle. Es besteht die Überlegung, die Junioren-Bundesligen abzuschaffen und stattdessen Nachwuchsleistungszentren im eigenen Wettbewerb gegeneinander antreten zu lassen.

Die Idee dahinter ist klar: Zahlreiche Talente entwickeln sich auch deshalb nicht so wie gewünscht, weil für viele Vereine und Trainer nicht die sportliche Entwicklung des Spielers im Vordergrund steht, sondern Ergebnisse und die persönliche Profilierung. Beispielsweise, um einen Klassenerhalt oder eine Meisterschaft zu schaffen beziehungsweise den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu erklimmen. Gerade in Altersklassen unterhalb der U16 scheint eine Spielklassenreform ein sinnvoller Schritt – zumal so alle Spieler lange genug ohne Leistungsdruck eingesetzt werden könnten und kein Kind oder Jugendlicher mehr die komplette Spielzeit auf der Bank schmoren müsste. Nachteil wäre dagegen der fehlende Wettbewerbscharakter in den höheren Altersklassen. Einen endgültigen Konsens gibt es noch nicht.

Nur noch zwei osthessische Stützpunkte?

Während dieses Thema im Amateurbereich nur die Top-Vereine der Hessenliga, nicht aber gut 99 Prozent der Clubs so richtig betrifft, ist das Thema Talentförderung für die Region Fulda von elementarer Bedeutung. Ziel des DFB ist es, nur noch die Spitzentalente zu fördern. Bei momentan 366 Stützpunkten deutschlandweit werden zurzeit zu viele Spieler gefördert, die dem Anspruch nicht gerecht werden. Das hängt damit zusammen, dass jeder Stützpunkt annähernd die gleiche Anzahl an Talenten in seinem Einzugsgebiet aufnimmt – die Talente in Ballungsräumen aber oft in deutlich größerer Zahl vorhanden sind und somit aufgrund der höheren Konkurrenzsituation auf der Strecke bleiben könnten. Zum Beispiel hätte es ein Nachwuchsspieler aus Fulda, der aufgrund der höheren Dichte dort zu den besten 20 gehört, vermutlich leichter, in einem Stützpunkt wie Hünfeld zu den Top drei zu gehören.

Deshalb steht eine Reduzierung der Stützpunkte im Raum. In der Region Fulda gibt es mit Fulda, Hünfeld, Bad Hersfeld und Marborn momentan vier – möglich ist, dass es bald nur noch zwei oder drei geben wird. Deutschlandweit sollen die Stützpunkte erheblich reduziert werden. Auch in Hessen. Nachteil bei einer Reduzierung der Stützpunkte wären die wesentlich weiteren Fahrtstrecken: Wie talentfördernd wäre es, wenn ein Spieler aus Obersuhl nach Hünfeld fahren muss? Oder ein Kicker aus Bad Soden-Salmünster nach Fulda?

Noch sind für den Hessischen Fußball-Verband – dem die Probleme bewusst sind, der seinen Einfluss beim DFB bezüglich der tatsächlichen Umsetzung geltend machen will und der alle Interessensgruppen vereinen möchte – zahlreiche Fragen unbeantwortet. Eine grundsätzliche Entscheidung ist bisher nicht gefallen, bislang bestehen nur Gedankenspiele. Der DFB will sein "Projekt Zukunft" dennoch so schnell wie möglich an den Start bringen. Laut "Kicker" denkt er dabei an einen Start zur Saison 2022/23.

Kommentieren