10.01.2019

Sturmduo Selishta und Bari in Bestform

torgranate-Analyse: FC Bayern Alzenau

Salvatore Bari hatte in dieser Spielzeit wieder reichlich Grund zum Jubeln. Foto: Patrick Scheiber

Nach dem Abschluss des Jahres 2018 nimmt der FC Bayern Alzenau den zweiten Platz in der Hessenliga ein. Das hatten die meisten Experten den Unterfranken nicht zugetraut, denn nach dem krachenden Scheitern der "kleinen Bayern" in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Südwest musste Trainer Angelo Barletta mit seinen Mitstreitern binnen weniger Wochen die Mannschaft neu formieren. In unserem nächsten Kapitel der torgranate-Analyse zeichnen wir den Saisonverlauf der Mainfranken nach.

So lief die bisherige Runde:

Am 3. Juni endete der Alzenauer Aufstiegstraum in der badisch-württembergischen Doppelstadt Villingen-Schwenningen auf grausame Weise abrupt. Nach dem 0:0 im Heimspiel gegen den letztlich aus der Dreierrunde als Regionalliga-Aufsteiger hervorgegangenen FK Pirmasens gingen die Alzenauer beim FC Villingen nach einer desolaten Leistung mit 1:8 baden. Nach der herben Enttäuschung fielen Teile der Mannschaft auseinander. Dass mit Can Cemil Özer, Keanu Hagley (beide SC Hessen Dreieich), Aret Demir (Wormatia Worms) und Alieu Sawaneh (Eintracht Stadtallendorf) gleich vier Spieler in die 4. Liga wechselten, belegt den Ruf des seit Jahrzehnten wegen der räumlichen Nähe in Hessen mitspielenden Klubs als klassischen Ausbildungsverein. Barletta beschäftigte sich nicht lange mit dem Scheitern, sondern ließ seine Kontakte und sein Netzwerk sprechen. Es gelang dem italienischen Coach auch diesmal, die Abgänge mit hoher Qualität zu kompensieren. Kreso Ljubicic (FC Winterthur/Schweiz) spielte einst in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt und wurde mit einer Jobofferte an den Prischoß gelotst.

Markus Auer konnte von Regionalligist Eintracht Stadtallendorf zurück nach Alzenau geholt werden. Und Stürmer Hedon Selishta, hierzulande völlig unbekannt, schlug mit 21 Toren ein wie eine Bombe. Dazu kam noch während der Runde der spielstarke Manuel Konate-Lueken. Ergänzend dazu wurden Talente aus umliegenden Nachwuchsleistungszentren unter Vertrag genommen. Der Start verlief für Alzenau fantastisch: Sieben Siege, 22:7 Tore und 21 Punkte bildeten das Fundament für die starke Runde. Der FCB positionierte sich vor dem scheinbar übermächtigen FC Gießen an der Tabellenspitze und distanzierte die hinter den eigenen Erwartungen gebliebenen Mitfavoriten KSV Hessen Kassel uns Barockstadt Fulda-Lehnerz frühzeitig. Auch die erste Niederlage in Waldgirmes (1:3) und das Remis gegen Kassel (1:1) warf die Barletta-Buben nicht um. Sie starteten einfach eine neue Serie mit weiteren sechs Siegen in Folge, bevor am 3. November das Topspiel gegen Gießen mit 1:2 verloren wurde. Danach knickte Alzenau etwas ein: Nur noch fünf Punkte aus den letzten vier Spielen ließen Gießen davonziehen und Kassel bis auf zwei Zähler herankommen.

So haben die Neuzugänge eingeschlagen:

Selishta kam aus Erndtebrück von einem Absteiger aus der Regionalliga West. Der Deutsch-Kosovare wollte Alzenau bis Ende August eigentlich als Sprungbrett nutzen und machte schon im ersten Spiel gegen Hadamar beim 5:2 mit drei Toren auf sich aufmerksam. Zum Ende der Wechselfrist entschied sich der starke Stürmer anders. Zum einen, weil er sich rasch an die Spitze der Torjägerliste setzte, zum anderen weil ihm das familiäre Umfeld in Alzenau zusagte. Gemeinsam mit dem nach einer langen Verletzung wieder genesenen Salvatore Bari wirbelte das Sturmduo die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander. Das Ergebnis: Selishta (21) und Bari (10) markierten mit 31 der 56 Toren über die Hälfte der Alzenauer Treffer. Ljubicic zog die Fäden im zentralen Mittelfeld und überzeugte voll. Sein Fehlen im Topspiel gegen Gießen machte sich entscheidend bemerkbar. Auer gab der Viererkette Stabilität und wirkte in allen 20 Spielen mit.

Konate-Lueken avancierte nach seiner Ankunft Ende September zum wichtigen Stammspieler. Aber auch die Youngster bekamen viele Einsatzzeiten: Noah Schmitt aus der U19 des FSV Frankfurt wirkte in 14 Spielen mit und machte zwei Tore. Kubilay Cetin aus der eigenen U19 machte in 16 Spielen vier Treffer. Philipp Hochstein (Sportfreunde Seligenstadt) dagegen konnte nur in fünf Partien auf sich aufmerksam machen. Und dann war da noch der junge Torhüter Armend Brao. Aus der eigenen U19 aufgerückt, überzeugte der junge Mann in der Vorbereitung und ersetzte zu Saisonbeginn den durch Urlaub und Verletzung zurückgeworfenen Routinier Ioannis Takidis. Der gebürtige Hanauer zeigte in den ersten fünf Spielen, sowie im Hessen-Pokal bei der TS Ober-Roden sehr gute Leistungen und mit dem Albaner im Tor holte der FCB nur Siege. Dennoch hütete ab Ende August wieder Takidis das Tor, aber Brao gehört mit diesem Talent sicherlich die Zukunft.

In Erinnerung bleibt:

Aufgrund der extremen Hitzewelle im Sommer wurden die ersten beiden Heimspiele erst um 18 Uhr samstags ausgetragen. Der Last-Minute-Sieg in Hadamar sowie die Partie in Flieden, als die Unterfranken einen 1:3-Rückstand in einen 4:3-Sieg umwandelten, bleiben in Erinnerung. Kantersiege gegen Neu-Isenburg (5:1), Ederbergland (6:2) und den Hünfelder SV (5:1) dokumentierten die Alzenauer Heimstärke. Fast unglaublich, aber wahr: Das 1:2 im Topspiel gegen Gießen war die erst zweite Heimniederlage der Alzenauer in einem Ligaspiel seit dem Amtsantritt von Angelo Barletta im Sommer 2016.

Unvergessen auch der Einzug in das Achtelfinale des Hessen-Pokals, in dem die Alzenauer am Tag der deutschen Einheit den Südwest-Regionalligisten Kickers Offenbach vor 2300 Zuschauern am Rande einer Niederlage hatten. Erst in der Nachspielzeit mussten sich die Barletta-Buben mit 2:3 gegen den Traditionsverein geschlagen geben. Die Zuschauerresonanz konnte die Verantwortlichen nicht ganz zufriedenstellen. Auf der anderen Seite reicht das Einzugsgebiet der "kleinen Bayern" nur von Gelnhausen bis kurz vor Aschaffenburg. 5148 Zuschauer kamen zu den elf Heimspielen. Das sind 468 Fans pro Partie. 1350 Zuschauer gegen Gießen waren der Topwert der Runde, Minusrekord wurde gegen Griesheim und Ederbergland mit jeweils 280 Fans registriert.

Ausblick:

Hessen Kassel ist den Alzenauern bis auf zwei Punkte auf die Pelle gerückt, doch da die Nordhessen das Schiedsrichter-Soll nicht erfüllt haben, verliert der KSV fünf Zähler am grünen Tisch. Gießen scheint übermächtig zu sein, am letzten Spieltag im Waldstadion dürfte es um nichts mehr gehen. Für Alzenau geht es in den restlichen zwölf Spielen darum, den zweiten Platz zu sichern und erneut an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Südwest teilzunehmen. Mögliche Gegner: SV Röchling Völklingen (Südwest/Saar) und die Stuttgarter Kickers (Baden-Württemberg).

Immerhin ist die Auslosung der Aufstiegsspiele diesmal mit dem zweiten Spiel daheim wesentlich günstiger. Allerdings müssen die Unterfranken in der letzten Hessenliga-Phase mehr reisen. Nur noch fünf Heimspielen stehen sieben Auswärtsfahrten gegenüber. Unterdessen haben die Umbauarbeiten im Stadion am Prischoß begonnen. Die Sitzplatzgerade wird hinter das Tor verlegt und zu einer neuen Stehplatztribüne umgebaut. Am 14. Januar beginnt der Neubau einer überdachten Sitzplatztribüne auf der Gegengeraden. Möglicherweise muss das erste Heimspiel gegen Baunatal am 24. Februar verlegt werden. Das kleine Schmuckkästchen soll schon Mitte März für höhere Aufgaben zur Verfügung stehen.

Autor: Pedro Acebes

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