Hünfelder SV

Tristesse, Abstieg, bärenstarke Rückkehr

17. Januar 2021, 09:19 Uhr

Kapitän Ingo Rippert jubelt nach dem Spiel in Dörnberg über die Rückkehr in die Hessenliga. Foto: Karl-Heinz Burkhardt

Nach zwei Vizemeisterschaften 1990 und 1991 ging es beim Hünfelder SV zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte schleichend bergab. Trotz Spielern wie Top-Torjäger Marco Fladung war für den Rest der 1990er-Jahre Tristesse angesagt.

Sieben Jahre am Stück gehörte der HSV zum Verbandsliga-Mittelmaß, kam über Rang sieben nicht hinaus. Zwar schoss Marco Fladung in vier Jahren 84 Punktspieltreffer, doch den Stürmer zog es ob der besseren Perspektiven 1994 erst zum RSVPetersberg, danach zu Borussia Fulda.

Ob Wolfgang Dietrich, Eberhard Vogel, Rückkehrer Harald Borngräber oder Norbert Ruch – auch eine ganze Reihe an Trainern konnten den Niedergang nicht verhindern. Selten schaffte Hünfeld einen einstelligen Tabellenplatz. In der Saison 1994/1995 gab es einen traurigen Rekord, als der HSV gleich dreimal in einer Saison gegen Bad Soden (1:7), Germania Fulda (2:7) und den OSC Vellmar (3:7) sieben Gegentreffer kassierte. 1998 erwischte es den Verein dann: Zum zweiten Mal nach 1979 ging es runter in die Gruppenliga (damals Bezirksoberliga).

Friedhelm Bott übernahm, holte im ersten Jahr den dritten Platz, ehe in der Saison 1999/2000 nach mageren Jahren wieder die Kehrtwende zum Guten kam. Mit einer Mannschaft um Spieler wie Christian Ruck, Steffen Trausch, Ingo Rippert, Joachim Weber, Martin Müller, Stefan Waider oder die Brüder Lars und Nils Künne wurde der HSV Meister der Gruppenliga. Mit acht Siegen und 22:0 Toren war er in die Saison gestartet. Am Ende hatte Hünfeld 17 Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz. Eingetütet wurde der Titel mit einem 3:0-Heimsieg gegen den FV Horas. Mit 17 Treffern war Carsten Röth bester Torjäger, gefolgt vom zehnfachen Schützen Sascha Morgenweck.

Nun holten die Hünfelder Marco Fladung von Borussia Fulda zurück und wurden zu Hause eine Macht. Von März 1999 (1:3 gegen die TSG Lütter) bis März 2001 (1:3 gegen den TSV Sachsenhausen) blieben die Hünfelder zwei Jahre und 30 Punktspiele am Stück in der Rhönkampfbahn ungeschlagen. Unter Friedhelm Bott gelang es im ersten Jahr, die Mannschaft in der Verbandsliga Nord (damals Landesliga Nord) auf ein starkes Niveau zu bringen. Als Neuling holte sich der HSV 2000/2001 auf Anhieb Rang drei.

Hasic, Schirmer und Co.

Hünfelds Stefan Waider trifft im Heimspiel gegen den RSV Petersberg und dessen Torwart Marco Motzkus. Foto: Karl-Heinz Burkhardt

Im Sommer 2001 folgte ein Trainerwechsel. Bott hatte Hünfeld zurück in die Spur geführt, nun übernahm Jürgen Krawczyk. Dazu wurde das Team mit den Neuenbergern Andreas Schäfer und Thorsten Brehler sowie dem Steinbacher Marcel Müller verstärkt. Brehler machte auf Anhieb 20 Tore, doch es war sein Sturmpartner Lars Hohmann, der Brehlers gute erste Spielzeit in den Schatten stellte. Hohmann wurde mit 27 Treffern sogar Torschützenkönig in der Verbandsliga. Die beiden erzielten 47 der insgesamt 101 Saisontreffer, die dem HSV Rang drei einbrachten. Es war das Jahr, in dem der KSV Hessen Kassel (kam nach der Neugründung mit Schwung von unten) Meister wurde.

Mit Jürgen Krawczyk hatte Hünfeld zudem einen Trainer, der genau wusste, welche Stellschrauben noch bewegt werden mussten, um aus einer guten Saison eine perfekte zu machen. Es wurde personell nachjustiert: Mit Thomas Flügel kam ein erfahrener Defensivspieler vom RSV Petersberg, dazu holte sich Hünfeld mit Eldar Hasic einen starken Spielgestalter fürs Mittelfeld.

Die Rechnung sollte aufgehen: Verfolgt vom SVA Bad Hersfeld spielte der HSV eine tolle Saison: Von den 30 Saisonspielen wurden 20 gewonnen und es gab 9 Remis. Die einzige Niederlage setzte es beim 2:3 gegen Korbach zu Hause in der Rhönkampfbahn. Der Rest der Saison war weitgehend spektakulär: Alles in den Schatten stellte das überragende 5:0 daheim gegen den SVA. Dazu kamen Siege wie die in Lütter (7:2), in Altenlotheim (7:2), beim Nachbarn SV Steinbach (5:2) oder Heimerfolge wie das 6:1 gegen den TSV Lehnerz oder das 7:1 gegen den FSV Dörnberg. Letztlich kam Hünfeld auf 87 Treffer und hatte damit nach dem Wiederaufstieg 274 Tore in drei Jahren Verbandsliga erzielt. Nach dem 1:1 in Dörnberg war die Meisterschaft eingetütet: 35 Jahre nach dem letzten Triumph 1968 gelang Hünfeld damit wieder ein Hessenliga-Aufstieg. Bester Torschütze im Meisterjahr wurde übrigens mit 23 Treffern der junge Daniel Schirmer, damals in seiner dritten Senioren-Saison.

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