06.02.2018

Trotz Attacke der Pfeiferei treu geblieben

Fuldas KSO Köhler äußert sich zu landesweit bekanntgewordenem Fall

Hans Dieter Köhler (Bildmitte) verurteilt den Angriff aufs Schärfste.

Die überregionalen Medien berichteten in den vergangenen Wochen vom Fall eines hessischen Schiedsrichters, der als 16-Jähriger auf dem Fußballplatz von mehreren Personen übel attackiert wurde. Trauriger Einzelfall oder ein immer häufiger auftretendes Problem? Wir haben beim Fuldaer Kreisschiedsrichterobmann Hans Dieter Köhler nachgefragt.

"Acht Fäuste, die auf ihn einschlugen", "acht Beine, die traten", "mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus". Zitate aus einem Text der "Hessenschau", die den Fall des inzwischen 17-jährigen Simon Henninger (BSC Altenhain) skizzieren. Auch "Focus" oder "Bild" berichteten. "Sowas geht natürlich überhaupt nicht", sagt Hans Dieter Köhler, der seit 1982 den Schwarzkittel trägt und sich darüber hinaus seit 20 Jahren im Schiedsrichterwesen engagiert.

Einen vergleichbaren Fall hat der Kreisschiedsrichterobmann im Fuldaer Kreis in dieser Zeit glücklicherweise noch nicht erlebt: "Eine Großstadt wie Frankfurt ist natürlich noch einmal etwas anderes als unser Kreis hier. Wir haben aber auch verschiedene Aspekte ins Leben gerufen, die einen fairen Umgang miteinander garantieren sollen. Beispielsweise mit Platzordnern. Und wenn sich ein Zuschauer doch einmal daneben benimmt, muss der gastgebende Verein eben durchgreifen, um eine angemessene Spielleitung zu garantieren." Zwischen den Schiedsrichtern und den Clubs finde generell ein regelmäßiger Austausch statt, unter anderem auf den Rundenbesprechungen.

"Leider wird in den Medien zu häufig nur über solche negative Vorfälle geschrieben", kritisiert Köhler. Auch deshalb gehe die Zahl der Schiedsrichter immer weiter zurück - 6.829 Schiedsrichter gab es laut der Hessenschau in 2008, in der Saison 2016/2017 dagegen nur noch 4.846. "Bei den jungen, interessierten Leuten entsteht häufig schon im Vorfeld ein negatives Bild im Kopf. Dabei gibt es viel, viel mehr positive Geschichten."

Als Beispiel wäre dabei wieder Schiedsrichter-Youngster Henninger zu nennen. Trotz der traurigen Vorfälle ist der 17-Jährige dem Pfeifen treu geblieben und hat sogar sein erhaltenes Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro an die Schiedsrichtervereinigung Main-Taunus gespendet. "Das zeigt ja, wie schön die Schiedsrichterei sein kann. Mir selbst würde auch etwas fehlen", so der erfahrene Referee, der am Sonntagnachmittag immerhin schon fünf neue Anmeldungen für den jüngsten Neulingslehrgang erhalten hat - nach der schwachen Anlaufszeit mit zwei Anmeldungen bis zum vergangenen Donnerstag immerhin ein kleiner Fortschritt.

Autor: Steffen Kollmann

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