Fall am Hintersteinauer Sportplatz

Verfahren nach Tritt gegen Hinterkopf eingestellt

08. Juni 2021, 10:09 Uhr

Foto: Charlie Rolff

Das Punktspiel der A-Liga Schlüchtern zwischen der SG Distelrasen und der SG Oberzell/Züntersbach II am 16. Oktober vergangenen Jahres hatte ein Nachspiel: Ein Spieler der Heimmannschaft musste ins Krankenhaus, ein Kicker der Gäste jetzt auf die Anklagebank des Amtsgerichts Gelnhausen.

Dem 30-Jährigen aus dem Sinntal wurde gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll laut Staatsanwaltschaft Hanau bei einem Zweikampf mit seinem Stollenschuh einem gegnerischen Spieler absichtlich gegen den Kopf getreten haben, so dass dieser sich eine Platzwunde sowie Schädelprellung zuzog, was ambulant versorgt werden musste.

Insgesamt waren für den Fall drei Verhandlungstage angesetzt. Gut ein Dutzend Zeugen sollten gehört werden. Doch schon nach der Einvernahme von einem Teil von ihnen gab es am ersten Tag eine Entscheidung: Richter Dr. Wolfgang Ott stellte das Strafverfahren gegen den Sinntaler ohne Auflagen ein. Er war überzeugt davon, dass ein „unfaires Verhalten“ seitens des Beschuldigten vorgelegen habe. Ob sein Verhalten über eine leichte Fahrlässigkeit hinausgehe, könne allerdings aufgrund von Zeugenaussagen allein nicht geklärt werden. Und Filmaufnahmen gebe es von dem Vorfall nicht.

Die Verletzungen des Gegenspielers seien zudem offenbar relativ gering, da eine stationäre Aufnahme in der Klinik nicht erforderlich war. Wegen geringer Schuld werde das Strafverfahren gegen den Sinntaler somit eingestellt. Der Beschuldigte selbst hatte jegliche Absicht bei dem Vorfall bestritten. Während eines Zweikampfes habe er mit seinem Schuh versehentlich den Kopf des Gegners gestreift. In der entscheidenden Spielszene sei der Heimspieler in seine Richtung gegrätscht, um an den Ball zu kommen. Um diesem Manöver zu entgehen, sei er selbst in die Luft gesprungen. Bei der anschließenden Landung habe er den jungen Spieler versehentlich getroffen.

Anschließend habe er nach dem Verletzten schauen wollen. Doch es sei sofort ein Tumult entstanden. Zuschauer seien aufs Spielfeld gerannt, hätten ihm lautstark gedroht, so dass er sich selbst zunächst in Sicherheit bringen musste. Die Szene passierte wenige Minuten vor Spielschluss. Oberzell/Züntersbach lag zu diesem Zeitpunkt 1:2 zurück. So lautete später auch das Endergebnis. Der Schiedsrichter hatte den Vorfall nicht mitbekommen. Es gab anschließend auch kein Verfahren vor dem Sportgericht. Der Geschädigte war laut Richter Ott am ersten Verhandlungstag als Zeuge verhindert.

Insgesamt vier andere Zeugen wurden zu dem Vorfall vor dem Amtsgericht gehört. Ein 45-Jähriger bestätigte den Tritt gegen den Kopf „im Vorbeilaufen“, mochte allerdings keine Absicht unterstellen. Ein 22-jähriger Ersatzspieler hingegen erinnerte sich an eine bewusste „Ausholbewegung“ des Angeklagten mit Bein und Fuß in Richtung des Opfers. Ein anderer 22-Jähriger war sich sicher, dass der Angeklagte beim Landen dem Kopf des Gegners hätte ausweichen können.

Hingegen vermochte ein 66-jähriger Zuschauer nicht zu sagen, ob der Tritt mit Absicht passierte. Das Spiel sei insgesamt sehr „zweikampfbetont“ gewesen. Sein Fazit: „Es ist halt Fußball.“ / ls

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