Ickler vs Kollmann

Vergossenes Blut fürs Remis

14. September 2020, 08:00 Uhr

David Wollny (grün) ist nach seinem Tor gegen FT Fulda endgültig in Petersberg angekommen. Foto: Kevin Kremer

Im Derby trennten sich der RSV Petersberg und FT Fulda 2:2. Unsere Mitarbeiter Michel Ickler (RSV-Akteur) und Steffen Kollmann (FT) haben ihre Spielfeld-Erfahrungen zusammengefasst.

Michel Ickler - RSV Petersberg

Heldenhaft war, wie sich Sven Aschenbrücker in der zweiten Minute der Nachspielzeit in den Ball geworfen hat. Wir wollten es, wir wollten es unbedingt. Nicht schon wieder eine Derby-Niederlage gegen FT Fulda. Mit seiner letzten Kraft warf sich Aschenbrücker also in den Ball und wollte direkt aufs Tor köpfen. Auf einmal – ein Schlag. Aschenbrücker ging zu Boden, und Schiedsrichter Marc-Philipp Auerswald zeigte auf den Punkt. Elfmeter!

Was war passiert? Sebastian Kress wollte klären, traf aber den Petersberger am Kopf. Der Spieler mit der Nummer vier ging mit einer Platzwunde zu Boden. Ein Held aus Petersberger Sicht. Der unbedingte Wille, den Ball aufs Tor zu bringen, brachte uns den Elfmeter. Was danach passierte, waren Emotionen. Florian Bott zeigte – auf gut Deutsch gesagt – Eier und stellte sich der Aufgabe. David Schwarz war noch dran, konnte aber den Ausgleich nicht verhindern. Gefühlsexplosion, Jubeltraube, ein verdienter Punkt.

Zuvor hatte ich gedacht, wir fahren endlich einen Sieg gegen den Erzfeind ein. Die ersten 18 Minuten waren gut. Wir spielten mit Leidenschaft und wollten den Sieg. Der Gegentreffer zum 0:1 zog uns aber den Stecker. Emotionen, Leidenschaft und der nötige Biss: All diese Tugenden waren verflogen. Es schien, als würden wir uns wieder unserem Schicksal ergeben. So war es aber nicht, und wir kämpften uns in die Partie zurück. Natürlich konnten wir qualitativ nicht mit FT mithalten. In einem Derby zählen allerdings andere Komponenten. Wir glaubten an uns und warfen bis zum Schluss alles nach vorne. Was kam, ist bekannt: Aschenbrückers Platzwunde und Botts Eier.

Steffen Kollmann - FT Fulda

Es gibt als Fußballer kaum etwas Schlimmeres, als einen Sieg durch ein ganz spätes Gegentor noch aus der Hand zu geben. Und so überwog bei unseren Spielern nach dem Schlusspfiff in Petersberg erst einmal die Enttäuschung, es fühlte sich an wie eine Niederlage.

Wir hatten ganz sicher nicht unseren besten Tag, hatten viel zu viele einfache Fehler in unserem Spiel drin. Und trotzdem waren alle Vorzeichen gegeben, dass wir die vollen drei Auswärtspunkte die wenigen Meter mit runter in die Magdeburger Straße bringen würden. Zweimal waren wir in Führung, zweimal kassierten wir unnötige Ausgleichstreffer. Beim 1:1 zeigte Neuzugang David Wollny in seinem ersten Spiel per Freistoß seine Klasse (60.), dann verwandelte Florian Bott in der fünften Minute der Nachspielzeit einen Elfmeter. Auch unsere beiden Treffer waren nach ruhenden Bällen gefallen: Sebastian Kress traf nach einer Ecke (19.), Paul Hohmann ebenfalls vom Strafstoßpunkt (73.).

Hätten wir unsere zahlreichen Kontersituationen besser ausgespielt, wäre es nur um die Höhe des Auswärtssiegs gegangen. Nicht darum, ob es einen oder drei Punkte gibt. Aber auch wir hatten in der einen oder anderen Situation Glück, dass Petersberg nicht erfolgreich war – Wollnys Lattenschuss ist hier unter anderem das Stichwort. Die Zuschauer dürften ihr Kommen jedenfalls nicht bereut haben: Fußballerisch war es sicherlich nicht das hochklassigste Spiel, doch in Sachen Spannung und Zweikämpfe war die Partie eines Derbys allemal würdig. Kein Wunder also, dass die Stimmung nach dem ersten Bierchen wieder besser war. Schließlich sind wir auch nach Derby Nummer vier noch immer ungeschlagen gegen Petersberg!

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