06.10.2017

Von der Bezirks- in die 2. Bundesliga

Harald Borngräbers ungewöhnlicher Aufstieg

Harald Borngräber (Zweiter von rechts) ist immer mal wieder Zaungast auf der Hünfelder Rhönkampfbahn. Foto: Siggi Larbig

„Hart und kompromisslos“, so bezeichnet Harald Borngräber die eigene Spielweise, die ihn einst von der Bezirksliga bis in die 2. Bundesliga führte. Nun ist er bereits über 20 Jahre in Fußballrente.

Zeit, um auf seine Karriere zurückzublicken, die in den wilden Siebzigern mit drei Saisons in Liga zwei ihren Höhepunkt gefunden hatte. „Den sportlichen Höhepunkt“, wie der mittlerweile 64-Jährige klarstellt, „schließlich war jeder meiner Stationen schön, hatte seine Highlights und es gibt keinen Verein, bei dem ich sagen würde, dass das der totale Fehlgriff gewesen ist“.

Stationen waren es gar nicht so viele: Als Spieler schnürte er sechs Jahre für Borussia Fulda, vier Jahre für den FV 04 Würzburg und fünf Jahre für die SG Bad Soden die Fußballschuhe. Was folgte, waren elf Jahre Trainertätigkeit, zunächst je zwei Jahre in Bad Soden, bei Buchonia Flieden, beim Hünfelder SV, bei Germania Fulda und abschließend drei Serien neuerlich beim HSV. Trainer war er stets in der Landesliga, wurde Anfang der Neunziger Jahre zweimal mit Hünfeld und einmal mit Germania Vizemeister.

1996 zog er jedoch einen klaren Schlussstrich, gab der Familie die „Fehlzeiten“ in Form von vielen Reisen zurück und schaut sich mittlerweile aus gebührender Entfernung das Treiben an – so wie in der vergangenen Woche, als er sowohl in Hünfeld als auch in Lehnerz Zaungast gewesen ist. „Ich bin auch öfter bei Viktoria Fulda zugegen, ich mag Jugendfußball“, sagt Borngräber und scheint froh zu sein, nicht mehr in der ersten Reihe zu stehen: „Ich bedauere die heutigen Trainer ja schon ein wenig, wenn ich beispielsweise immer lese, dass Spieler während der Saison in den Urlaub fahren. Schlimmer ist aber noch, wenn die Trainer selbst fahren.“

2500 D-Mark Monatssalär

Auf solche Sperenzchen verzichtete er in seiner Blütezeit gänzlich, anders wäre sein Weg von unten nach oben auch nicht möglich gewesen: Aus den Junioren Borussia Fuldas entsprungen, war er bei einer der schwärzesten Stunden der Historie dabei, als der Traditionsclub von der Hessenliga in zwei Jahren bis in die Bezirksliga durchgereicht wurde. Als in jener Klasse der ganz souveräne Wiederaufstieg gelang, lockte der FV 04 Würzburg – und damit die 2. Bundesliga. „Ich war immer sehr heimatverbunden, in Würzburg hatte ich die Möglichkeit, weiter in Fulda zu arbeiten und zu wohnen“, erinnert sich Borngräber, der Vollzeit bei Eika beschäftigt gewesenen war und nach Dienstschluss gen Würzburg zum Training aufbrach. 2500 D-Mark Monatssalär und 250 D-Mark Punktprämie sorgten zudem für ein mehr als nettes Taschengeld beim Würzburger Arbeiterverein, bei dem er sich schnell zurechtfand.

Fiel er die ersten drei Spiele noch verletzt aus, die der FV allesamt verlor, folgten mit ihm als Stammlibero vier Siege in Serie und Borngräber war nicht mehr wegzudenken. Sein damaliger Trainer Rudi Kröner war jedenfalls beeindruckt vom gebürtigen Kämmerzeller, sagte weiland in einem Interview mit der Fuldaer Zeitung: „Wenn er weiter an sich arbeitet, dürfte er im nächsten Jahr, wenn sein Vertrag ausläuft, vielleicht den Sprung in die Bundesliga schaffen. Er ist deckungs- und kopfballstark und gut im Tackling mit viel Übersicht.“

Mit "Emma" und gegen Jogi Löw gespielt

Borngräber (links) bekämpft mit dem HSV und "Thommy" Hohmann (auf dem oberen Bild der Mann mit dem Handy) Borussia Fulda in der Saison 89/90. Foto: Charlie Rolff

Doch Borngräber blieb noch zwei Jahre in Würzburg und als beim finanziell arg gebeutelten FV die Lichter auszugehen drohten, entschied er sich in letzter Sekunde gegen Bayreuth und damit einen Verbleib in Liga zwei und für Hessenligist Bad Soden. So konnte der studierte Betriebswirt weiterhin heimatnah wohnen. Schon in Studienzeiten hatte er Kontakte in Liga zwei, zu Göttingen 05, Hessen Kassel oder den KSV Baunatal, bei dem er auch trainierte, doch stets hielt in die Heimatverbundenheit von einem Wechsel ab.

Dass Borngräber, der 108 Zweitliga-Spiele bestritt und 1974 unter Jupp Derwall einem Lehrgang bei der Amateur-Nationalmannschaft beiwohnte, doch noch in Würzburg landete, sorgt für jede Menge Erinnerungen: Freundschaftsspiele gegen den Landesmeister-Pokal-Finalisten FC Brügge, den englischen Traditionsclub Queens Park Rangers, Bayern München oder Borussia Dortmund, dazu Spiele gegen Joachim Löw (damals FC Freiburg) oder Mitspieler wie Dortmunds Legende Lothar Emmerich.

Autor: Johannes Götze

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