13.10.2017

Warschau scheint ein Exil auf Zeit

Was macht eigentlich Marius Hampl?

Den Fußball hat Marius Hampl gegen Sticks, Snare Drum und Co. eingetauscht. Foto: privat

„Piwo poprosze" gehörte zu den ersten Sätzen, die Marius Hampl in seiner Heimat auf Zeit gelernt hatte. Klar, als Student muss man wissen, wie man ein Bier in der Landessprache bestellt – mittlerweile hat der Schlitzer sein Studium abgeschlossen und ist nach Polen zurückgekehrt, um dort als Buchhalter zu arbeiten – eine Abwesenheit auf Zeit für die pfeilschnelle Offensivwaffe des Kreisoberligisten SG Schlitzerland.

„Wenn ich sonntags ins Bett gehe, da fehlt was. Da bin ich normalerweise einfach fix und fertig gewesen vom Spiel, aber das war immer ein schönes Gefühl. Es juckt extrem im Fuß“, beschreibt Hampl, wie sehr ihm das runde Leder fehlt. Seit der vergangenen Winterpause hat er die Schuhe nur noch ganz sporadisch mit italienischen Arbeitskollegen geschnürt, ein Engagement bei einem Warschauer Viertligisten scheiterte ob der zu großen Distanzen innerhalb der Stadt. Der Fußball steht beim 28-Jährigen hinten an, er geht stattdessen regelmäßig ins Fitnessstudio und Joggen. Das Treiben seiner Kumpels verfolgt er aus der Ferne: „Ich bin bestens informiert, telefoniere gerade mit David Wahl regelmäßig. Die Mannschaft macht das aktuell wirklich gut, nach dem Abstieg und den Abgängen war das nicht unbedingt zu erwarten.“

Er selbst könnte dem Team ab März wieder seinen Stempel aufdrücken, denn aktuell laufen heimatnahe Bewerbungen. „Warschau ist schön, aber irgendwas fehlt“, lässt Hampl ein wenig Heimweh durchschimmern. Den Weg nach Polen fand er erstmals im Rahmen seines BWL-Studiums, als er sich für ein Auslandssemester in Breslau entschied, weil er sich dort im Schwerpunkt Logistik bestens weiterentwickeln konnte. Über einen usbekischen Kommilitonen kam direkt nach Ende des Studiums in Fulda erneut der Kontakt nach Polen zustande, diesmal allerdings führte die Spur in die Hauptstadt Warschau. „Ich habe meine Bachelor-Thesis abgegeben und drei Tage später saß ich im Flieger. Das ging alles Knall auf Fall“, erinnert sich Hampl zurück an den März dieses Jahres.

Schlagzeug statt Fußball

Seither arbeitet er als Buchhalter in einer Firma, die einem Express-Versand zuliefert. 20 Deutschsprachler umfasse seine Abteilung, Polnischkenntnisse sind so zumindest an der Arbeit nicht notwendig, dennoch paukt er die Sprache, belegt einen Kurs und weiß, „dass das Erlernen ganz schwer ist, weil es im Polnischen beispielsweise sieben Fälle gibt“. Und trotz der Tatsache, dass Hampl mit einer baldigen Rückkehr liebäugelt, hat er Gefallen an Land und Kultur gefunden, „obwohl ich damals total blauäugig nach Breslau gereist bin, wirklich null Ahnung von irgendwas hatte“.

Vielleicht größter Vorteil in Warschau ist aber ein ganz anderer: Hampl kann seine größte Leidenschaft neben dem Fußball in Gänze ausleben: Das malträtieren seines Schlagzeugs. „Wenn ich bei mir zu Hause in Schlitz gespielt hätte, dann hätten sicherlich ganz schnell die Nachbarn geklingelt. Hier kann ich mir einen Proberaum für schmales Geld mieten und richtig loslegen“, erläutert Hampl, der auch schon Gigs mit zwei polnischen Bands spielte und sogar den Gedankengang hegte, Schlagzeug zu studieren, letztlich bekam er ein notwendiges Stipendium in einem engen Rennen für die Universität Gießen aber doch nicht. So ist zumindest dieser Traum ausgeträumt. Nicht mehr als ein Nebengeräusch für die Frohnatur, die vielleicht schon bald wieder den Verteidigern der Kreisoberliga Mitte das Fürchten lernt und ihnen die Hacken zeigt.

Autor: Johannes Götze

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