Interview

Weber appelliert an ein Miteinander

Solidargemeinschaft sei gefragt

13. März 2020, 18:04 Uhr

HSV-Trainer Dominik Weber vertritt klare Meinungen zur derzeitigen Situation. Foto: Siggi Larbig

Die Generalabsage des Hessischen Fußball-Verbandes setzt den Heimatfußball außer Kraft. Über den Umgang mit der Situation haben wir mit Dominik Weber, Trainer des Verbandsliga-Spitzenreiters Hünfelder SV, gesprochen.

Zeigen Sie Verständnis für die Entscheidung?

Fußball ist eine sehr schöne Sache, aber momentan definitiv nur eine Nebensache. Wir brauchen klare Ansagen und Entscheidungen. Aufgrund der momentanen Ausnahmesituation ist die getroffene Maßnahme alternativlos.

Wie geht der Hünfelder SV mit der Situation um?

Wir haben als Verein eine Fürsorgepflicht zu erfüllen. Wir haben am Donnerstag noch ein lockeres Training mit anschließender Sitzung abgehalten. Dort wurde sich darauf verständigt, den Trainingsbetrieb bis zum 23. März auszusetzen und dann neu zu entscheiden. Fakt ist aber: böten wir dann ein Training an, geschehe dies auf freiwilliger Basis ohne jegliche Konsequenzen für Spieler, die nicht teilnehmen. Und angeschlagene Spieler sollten dann ohnehin nicht dabei sein.

Was haben Sie Ihren Spielern mit auf den Weg gegeben?

Ich habe ihnen vor Augen geführt, dass der eine oder andere früher oder später garantiert mit dem Coronavirus infiziert sein, das Ganze dann ja aber schätzungsweise einen eher milderen Verlauf nehmen wird. Allerdings ist es so, dass jeder von uns mit der Risikogruppe in Kontakt steht. Ich selbst habe zwei kleine Kinder, Eltern in einem gewissen Alter. Meiner Meinung nach sollten wir deswegen nicht zuerst an uns, sondern an unsere Mitmenschen denken. Wir sind in unserer Gesellschaft sehr verwöhnt, nun sind wir ganz anders gefragt, und sollten unseren Alltag an die aktuelle Situation anpassen, beispielsweise die sozialen Kontakte auf ein Minimum reduzieren.

Lässt sich dies mit Ihrem Beruf als Filialleiter der Eiterfelder Sparkasse gut vereinbaren und glauben Sie, dass die Sparkasse am Montag noch geöffnet hat?

Ich glaube schon, dass wir am Montag noch geöffnet haben werden, aber natürlich haben auch wir wie wahrscheinlich alle Firmen Notfallpläne in der Tasche. Fakt ist, dass auch wir ganz einfach die gängigen Hygienemaßnahmen einhalten sollten. Einen Kunden kann ich auch freundlich begrüßen, wenn ich ihm nicht die Hände schüttle. Klar ist, dass wir im Bankgewerbe auch mit Blick auf die Börse eine schwierige Situation zu bewältigen haben, aber auch da sollten wir den Kompetenzträgern vertrauen und nicht in eine überzogene Panik verfallen.

Gilt gleiches für die Politik?

Auch da sollten wir vertrauen, wenngleich ich mir schon gewünscht hätte, dass mit Blick auf Gesamtdeutschland früher klarere Entscheidungen getroffen worden wären. Ich bin der Meinung, dass wir lieber etwas zu viel als zu wenig absagen müssen. Am Ende können wir die Uhr nicht mehr zurückdrehen und sagen, hätten wir das doch mal anders gemacht. Das Wichtigste ist, dass wir mit gesundem Menschenverstand agieren, als Solidargemeinschaft handeln und beispielsweise Arbeitgeber entsprechende Maßnahmen treffen, damit bei der Schließung von Kindergärten oder Schulen die Versorgung der Kinder gewährleistet bleibt.

Ihrem Team droht im Extremfall, dass die komplette Saison für nichtig erklärt würde. Eine bis dato so hervorragende Serie wäre für die Katz.

Dann wäre das so. Ich kann nur wiederholen, dass Fußball eine Nebensache ist. Ich hätte im Extremfall Verständnis für das, was der Hessische Fußball-Verband entscheidet. Und ich habe keine Ahnung, wie diese Entscheidung aussehen könnte und welcher Weg der gerechteste wäre. Das lasse ich auf mich zukommen.

Autor: Johannes Götze

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