Trainer und Funktionäre äußern sich

Wie soll es weitergehen?

07. November 2020, 09:30 Uhr

Unter anderem (v.l.) Frank Happ, Romeo Andrijasevic, Rolf Gollin und Meik Voll haben sich Gedanken über die Zukunft des Fußballs gemacht. Fotos: Charlie Rolff, Kevin Kremer

Aufgrund der Corona-Pandemie ruht der Ball – schon wieder. Doch wie soll es eigentlich weitergehen mit der Saison 2020/21, wenn irgendwann weitergespielt werden darf? Wir haben bei Trainern und Funktionären nachgefragt.

Fliedens Frank Happ: „Spiele ohne Zuschauer völlig ausgeschlossen“

„Realistisch gesehen kann es keine komplette Runde mehr geben, wenn mindestens 17 Mannschaften in einer Liga spielen“, sagt der Stellvertretende Vorsitzende des Hessenligisten. „In unserer Klasse spielen 20 Teams. Wie sollen wir noch 26 Spieltage über die Bühne bekommen?“ Überlegung des 50-Jährigen ist es, nur die Hinrunde zu spielen und die Liga dann in eine Auf- und Abstiegsrunde einzuteilen. „Aber ob das fair ist, sei mal in Frage gestellt. Die finanzstarken Clubs unten würden dann sicherlich die Möglichkeit nutzen, im Winter noch einmal nachzurüsten.“ Im Sommer hätte Happ das bayerische Modell bevorzugt, doch eine Streckung der Saison über 2021 hinaus hält der Fliedener nicht für realistisch. „Von den Sponsoren kriegst du ja trotzdem nur einmal Geld. Ein Betrieb ohne Zuschauer ist für mich übrigens völlig ausgeschlossen. Es gibt Vereine wie wir, die auf Zuschauer- und Gastronomieeinnahmen angewiesen sind.“

Thalaus Meik Voll: „Ein Abbruch zum jetzigen Zeitpunkt steht in keinem Verhältnis“

Für Meik Voll, Trainer beim Verbandsligisten FSV Thalau, ist klar, dass allerhöchstens die Hinrunde noch beendet werden kann. „So hätten wir noch sieben Spiele. Alles andere geht an die Substanz. Die Gesundheit der Spieler ist nicht mehr gewährleistet, außerdem hat es Auswirkungen auf den Beruf, da nicht jeder unter der Woche sich diese Freizeit schaufeln kann. Ein früherer Start ist ausgeschlossen, bei der Witterung kann bei uns kein Verein im Februar schon spielen. Der Super-Gau wäre für mich, die Runde jetzt nach zehn Spielen abzubrechen. Ein Auf- oder Abstieg steht in keinem Verhältnis“, so der 45-Jährige, der eine Reform hin zum Spieljahr im Kalenderjahr einbringt sowie Spiele ohne Zuschauer mit Blick auf die Finanzen ausschließt.

FT Fuldas Romeo Andrijasevic: "Teilung der Liga und bei null starten"

„Die Runde im aktuell angesetzten Zeitrahmen fertig zu spielen ist unglaublich weit weg von der Realität“, stellt der Gruppenligatrainer fest. Die logischste Variante für den 45-Jährigen wäre daher die Teilung der Liga, indem die erste Hälfte den Meister ausspielt und die zweite Hälfte über Klassenerhalt und Abstieg entscheidet. Jede Mannschaft würde nach Andrijasevics Idee einmal gegeneinander spielen. Punkte bis zur Teilung der Staffel würden nicht berücksichtigt, weshalb alle Teams in der neuen Staffel bei null Punkten starten würden. „Somit würde man sich die Hälfte der Spiele sparen und der Faktor Zeit spielt nur noch eine kleine Rolle“, stellt er klar. Eine Wertung nach Quotientenregel wäre für den 45-Jährigen nur fair, wenn mindestens 60 bis 70 Prozent der Saison gespielt wurde.

Pilgerzells Rolf Gollin: „Höhere Verletztenrate war scheinbar egal“

Keineswegs überrascht über die neuerliche Pause zeigt sich der Trainer des Mitte-Kreisoberligisten. „Ich war vor einem halben Jahr für den bayerischen Weg mit der Verlängerung der Saison. Es war ja klar, dass eine zweite Welle kommen würde – wenn auch nicht wann und in welcher Stärke. Aber deshalb habe ich mir schon vor Monaten die Frage gestellt, wie es dann noch mit den größeren Ligen und dem späteren Start werden soll. Stattdessen haben wir in kurzer Zeit zahlreiche Spiele durchgedrückt, weshalb die Verletztenrate deutlich nach oben gegangen ist. Das war aber scheinbar egal“, ärgert sich der 51-Jährige. Umso mehr hofft Gollin, dass die Verantwortlichen des Verbands einen Plan B in der Hinterhand haben. „Mir wäre es nur wichtig, dass rechtzeitig gesagt wird, wo der Weg lang gehen wird. Man könnte es sicherlich so machen, dass letztlich nur eine Halbserie gespielt wird.“

Ufhausens Matthias Riedl: „Vielleicht muss jede Liga eigene Lösung finden“

„Es gibt zwar verschiedene Szenarien, aber jedes Szenario ist an bestimmte Fristen gebunden“, schildert Matthias Riedl, Trainer des A-Ligisten TSV Ufhausen. Ihm wäre allerdings lieber, es gebe eine klarere Linie. „Mehr Alternativen bedeutet mehr Diskussionsraum. Es sollte von oben her deutlich formuliert werden, wie und wann etwas passieren soll. Eine Lösung für alle Ligen ist für mich jedoch ausgeschlossen. An der Hessenliga hängt die Regionalliga dran, so dass dort die Saison schon einmal nicht verlängert werden kann. In den unteren Ligen hingegen kann ich mir das vorstellen. Ich finde, jede Liga muss ein Stück weit eine eigene Lösung finden“, sagt Riedl, der sich ein wenig im Hamsterrad gefangen fühlt.

Dalherdas Frank Haschlar: „Bloß keine Entscheidung am grünen Tisch“

„Fakt ist, dass es bei jedem Beschluss Gewinner und Verlierer geben wird“, verdeutlicht der Sportliche Leiter des B-Ligisten. Für eine sportlich faire Lösung müsse auf jeden Fall jeder einmal gegeneinander gespielt haben. „Daher bin ich ganz klar dafür, dass die Saison spielerisch und nicht am grünen Tisch zu Ende gebracht wird.“ Zur Not würde der Sportliche Leiter auch Doppelspieltage in Kauf nehmen, bei denen er unter der Woche auf einige berufstätige Akteure verzichten müsste. Der viel diskutierten Variante, nur die Hinrunde zu spielen, steht Haschler indes kritisches gegenüber. „In den oberen Ligen kann ich das verstehen. Wir aber haben in der Hinrunde nur noch drei Spiele zu absolvieren. Fünf Wochen Vorbereitung für drei Wochen Spielbetrieb – das wäre etwas absurd.“ Daher präferiert er, ligaabhängig zu entscheiden.

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