14.03.2018

"Wir dürfen nicht absteigen"

Schultheis und Horas nach drittem vorzeitigen Trainerrücktritt auf Ursachenforschung

Der FV Horas um Kapitän Adrian Rich macht schwierige Zeiten durch. Archivfoto: Charlie Rolff

Als Ausbildungsverein hat sich der FV Horas in den vergangenen Jahren über die Grenzen Osthessens einen Namen gemacht. Unstet kommt jedoch die Seniorenabteilung des FVH daher: Vorige Woche hat sich mit Steffen Schäfer bereits der dritte Trainer innerhalb von drei Jahren vorzeitig verabschiedet.

Schäfer war am vorvergangenen Samstag in der Halbzeit des Testspiels gegen die eigene A-Jugend beim Stand von 0:5 zurückgetreten, Martin Mehler hat das Traineramt interimistisch bis Sommer übernommen. Allerdings trat auch unter ihm noch kein Erfolg ein, beim Mitkonkurrenten im Abstiegskampf in Michelsrombach gab es zuletzt ein 0:1.

Ungeachtet der Niederlage erhoffen sich die Horaser, dass durch die Installation von Martin Mehler ein Ruck durch die Mannschaft geht, gerade durch die elf Spieler, die im Sommer aus der Jugend herausgekommen sind. „Martin hat diese Jungs von den Bambini bis zur A-Jugend fußballerisch großgezogen und wird sie zu packen bekommen. Letztlich müssen aber alle mal so langsam begreifen, um was es geht. Wir dürfen nicht absteigen“, betont der Sportliche Leiter Thorsten Schultheis.

Doch wie konnte es überhaupt erst so weit kommen? Da wären zum einen besagte elf Talente, die im vergangenen Sommer aus der A-Jugend zum Seniorenteam dazugestoßen sind. „Unter denen sind neun Studenten, sprich: Die meisten sind während der Woche nicht in Fulda“, erklärt Schultheis. Entsprechend gering sei die Trainingsbeteiligung ausgefallen. „Und so ist es schwierig, einen Zusammenhalt zu schaffen“, fügt Vorstand Winfried Mehler an. Gerade in der Wintervorbereitung sei es oft vorgekommen, dass nur fünf Spieler in den Einheiten waren. „Dass die Arrivierten, die noch trainiert haben, und der Coach irgendwann frustriert sind, das ist völlig klar.“

Die schwierigen Trainingsbedingungen hätten ihr Übriges getan: „Wir haben 19 Junioren- und zwei Seniorenteams, aber auf dem Papier letztlich nur einen Rasenplatz, auf dem nichts ging. Auf dem kleinen Kunstrasen an der Bonifatiusschule haben oft mehrere Teams gleichzeitig trainiert. Das schränkt unheimlich ein. Wir hoffen, dass das Projekt ,Kunstrasen in Horas’ in nicht mehr allzu langer Ferne angegangen wird“, sagt Mehler.

Schäfer Trainer Nummer drei, der vorzeitig ging

Dass die drei vorzeitigen Trennungen – neben Steffen Schäfer haben zuvor Timo Lofink und Torsten Renz ihr Traineramt in Horas niedergelegt – in unmittelbaren Zusammenhang stünden, kann Mehler derweil entkräften: „Die angeführten Probleme, die zum Abgang von Steffen geführt haben, waren zu Timos oder Torstens Zeit nicht so akut. Die Trennungen hatten jeweils andere Gründe.“

Im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung packen sich die Verantwortlichen auch an die eigene Nase. „Zu Zeiten von Rolf Gollin hat sich das Team neben dem Platz quasi von selbst organisiert. Heute musst du den Jungs einfach von Vereinsseite aus was bieten, um den Teamgeist zu stärken“, so Mehler. In der Jugend funktioniere das schon gut, „doch auch im Seniorenlager braucht es Teamabende oder eben ein Trainingslager. Wir müssen und wollen da mehr investieren“, betont Schultheis.

Immerhin: Im Sommer kämen wieder fünf Jungs aus der A-Jugend heraus, „die alle vor Ort sind, weil sie eine Ausbildung machen. Dazu kommt Jan Schultheis von seinem Freiwilligen Sozialen Jahr aus Afrika zurück“, verrät der Sportliche Leiter. Eine gute Ausgangslage für den Pädagogen Julian Wehner, derzeit noch Spieler in Petersberg, der im kommenden Sommer in Horas seine erste Trainerstation antreten wird.

Die Gefahr, dass bis dahin Youngster den Verein verlassen, sieht Vereinschef Winfried Mehler derweil nicht: „Viele Jugendspieler sind ja in der jüngeren Vergangenheit sogar zurückgekommen. Zum Einstieg in den Seniorenbereich ist Spielpraxis in der Kreisoberliga meines Erachtens sinnvoller als ein Bankplatz bei einem Verbandsligisten – selbst wenn man 100 Euro mehr im Geldbeutel hat.“ / hall

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