Offener Brief der OFC-Führung

„Wir können und wollen juristisch kämpfen“

02. November 2020, 15:00 Uhr

Die Offenbacher Kickers (hier Moritz Reinhard, rot) wollen auch zur Not juristisch gegen eine mögliche Aussetzung der Saison vorgehen. Foto: Oliver Müller

In einem offenen Brief an Sascha Döther, den Geschäftsführer der Fußball-Regionalliga Südwest GbR, machen die Offenbacher Kickers ihren Standpunkt deutlich und kündigen den Klageweg an, falls der Spielbetrieb dauerhaft ausgesetzt wird.

„Wenn wir einmal aufhören, bin ich mir sicher, dass wir nicht vor März weitermachen werden. Und was dann noch übrig ist von den Clubs der Regionalliga, daran will ich gar nicht denken“, sagte der Geschäftsführer der Offenbacher Kickers, Thomas Sobotzik, der „Offenbach Post“: „Es kann nicht sein, dass Vereine wie Bayern Alzenau und Co. über das Sein oder Nichtsein großer Traditionscubs befinden und der Verband sich danach richtet.“ Nachfolgend der offene Brief des OFC in nahezu vollem Umfang:

Sehr geehrter Herr Döther, mit Verwunderung haben wir am Samstag Ihre Nachricht bezüglich der Absetzung des 13. Spieltages zur Kenntnis genommen. Diese Absetzung ist unseres Erachtens völlig verfrüht und bringt mal wieder mehr Verunsicherung als Sicherheit. Sie hatten zuvor angekündigt, dass es eine grundsätzliche finale Entscheidung über die Fortsetzung des Spielbetriebes am Samstag geben soll. Unsere Erwartung ist es, dass auch an einem Samstag oder auch Sonntag die Verantwortlichen der Regionalliga Südwest alles Erdenkliche tun, um eine so wichtige Entscheidung der zuständigen Ministerien einzuholen, zumal es bereits zwei offizielle Entscheidungen pro Profisport gibt (Hessen und Saarland) und auch aus Rheinland-Pfalz Äußerungen in diese Richtung erfolgt sind.

Was uns völlig fehlt, ist eine klare Positionierung der Regionalliga Südwest, die man auch öffentlich vertritt. Aus keiner öffentlich Verlautbarung ist ersichtlich, für welche Meinung (Profi- oder Amateursport) eigentlich die Regionalliga Südwest selbst steht. Sie geben daher das Feld frei für Meinungsmache aus den Vereinen, wie bereits durch Bayern Alzenau geschehen. Sie haben aktuell wie auch schon in der Vergangenheit einen „fairen und solidarischen Umgang” eingefordert. Es ist jedoch so, dass ein einziger in Bayern beheimateter Verein weder Mehrheitsentscheidungen akzeptiert, noch sich solidarisch oder fair verhält. Wer das Fußballspielen in der Regionalliga nur als sein privates Hobby betrachtet, sollte sich vom Spielbetrieb abmelden. Wir werden eine negative Beeinflussung eines einzelnen Clubs auf die Gesamtentscheidung Profi- oder Amateursport in jedem Fall nicht akzeptieren.

Wir haben bereits in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass wir auch juristisch kämpfen können und wollen. Denn bei uns steht gerade nicht nur der Euro im Vordergrund, sonst hätten wir bereits im September auf einen Abbruch der Saison hinwirken müssen, sondern wir haben eine Verpflichtung unseren Fans, der Stadt Offenbach, dem kompletten Einzugsgebiet, den Spielern und Beschäftigten und auch der „Solidargemeinschaft“ Regionalliga Südwest gegenüber. Wir haben an Wochenenden und auch am späten Abend seit Juli stets gekämpft, um diese Verpflichtung mit Leben zu füllen, und dies mit vielen faktischen Hürden und teilweise auch notwendigen emotionalen Verwerfungen. Es gibt keinen Verein in der Regionalliga Südwest, der so stark von Zuschauereinnahmen abhängig ist wie der OFC. Wenn die Restriktionen bei Zuschauerzahlen jemanden treffen, dann uns und nicht Vereine, die über das Thema lamentieren, obwohl sie trotz Corona-Beschränkungen 80 Prozent ihrer normalen Zuschauerzahlen erreichen. Wo ist denn hier die Solidarität?

Wir fordern Sie daher auf,
1) sich klar für den Status Profisport bezüglich der Regionalliga einzusetzen (alles andere wäre eine Bankrotterklärung) und sich auch so öffentlich zu äußern.
2) alles Erdenklich zu tun, um diese Entscheidung bei den Ministerien kurzfristig einzuholen (Profisport bedeutet auch keine Schließung von Sportanlagen).
3) Vereine, die potentiell von Einschränkungen betroffen sind, aktiv gegenüber den Behörden zu unterstützen, so dass diese einen normalen Trainings- und Spielbetrieb darstellen können.
4) im Sinne der selbst eingeforderten Solidarität, sich nicht von einem einzigen Club in der Entscheidung beeinflussen zu lassen.
5) bei den zuständigen Landesregierungen für ein Corona-Unterstützungsprogramm (als echten Zuschuss) für entgangene Zuschauereinnahmen zu werben beziehungsweise sich hierfür stark zu machen. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es nunmehr ein solches Programm.

Ja, Entscheidungen fallen einem manchmal schwer und sie tun auch manchmal weh. Aber ohne Entscheidungen gibt man das Ruder des Handelns aus der Hand.

Kommentieren