02.12.2019

"Wo ist dieser Transfermarkt?"

"Totty" Eberle ist einer der Abteilungsleiter bei FT Fulda

Torgranate-Redakteur Ralph Kraus traf sich mit "Totty" Eberle auf einen Glühwein.

Torsten "Totty" Eberle ist eine echte "Marke": Der 42-Jährige, der zum fünfköpfigen Abteilungsleiterteam gehört, ist bei seinem Verein FT Fulda längst Kult. Wir haben uns mit ihm auf einen (zwei) Glühwein getroffen und ihm unsere Fragen gestellt.

Du bist ein ziemlich gechillter Typ, dein Lebensmotto ist "Peace, Love and Harmony". Wie funktioniert das mit dem Geschehen am Sportplatz? Ist das immer vereinbar?

Wettkampf ist Wettkampf, aber es soll fair zugehen. Das beweisen wir ja bei FT, in dem wir seit zwei Jahren in der Fairness-Tabelle ständig auf Platz eins stehen. Wir leben das auch außerhalb des Sportplatzes, denn es ist uns sehr wichtig, dass wir respektvoll miteinander umgehen. Das ist der Trumpf, warum sich die Leute bei uns letztendlich so wohl fühlen. Dass wir einen guten Umgang miteinander pflegen, ist ein wichtiger Bestandteil der FT-Familie.

Was denkt jemand wie du, wenn dann Schiedsrichter auf den Plätzen angegriffen werden?

Eines vorweg: Es gibt niemals eine Berechtigung für Gewalt oder körperliche Attacken. Aber ich bin der Meinung, dass wir ganz einfach mittlerweile zu wenige Schiedsrichter haben und dass dann Leute pfeifen müssen, die der Sache nicht immer gewachsen sind. Dadurch kochen Dinge hoch, die nicht sein müssten. Man sollte auch vorsichtig sein: Es heißt immer, der Umgang sei heute brutaler geworden. Dem möchte ich nicht bedingungslos beipflichten. Nochmal: Ich will nichts gut heißen. Aber ich bin fest der Meinung, dass es das früher auch schon gab. Da gab es aber keine Videos, die in den Social-Media-Kanälen hochgeladen wurden und dann quasi um die ganze Welt gingen. Ich weiß nicht, ob das in den 1970-er oder 1980-er-Jahren so transparent geworden wäre. Solche Szenen gab es glaube ich schon immer - leider.

Du hasst es, wenn geschrieben wird, das FT den Spieler XY "verpflichtet" hat...

Richtig. Da ging es um einen ganz speziellen Fall und um einen Artikel von eurem früheren Kollegen Max Lesser. Der schrieb damals, dass FT wieder mal am Transfermarkt zugeschlagen hat und den Spieler XY verpflichtet hat. So eine Headline gefällt mir gar nicht. Erstens: Wo ist dieser Transfermarkt? Kann mir den mal einer zeigen? Und bei uns wird doch keiner verpflichtet - zu überhaupt nichts.
Die Tatsache war die, dass in dem vorliegenden Fall der Spieler bei uns irgendwann mal am Sportplatz stand und gefragt hat, ob er bei uns mitkicken darf. Da gibt es keinen Transfermarkt und verpflichtet hat sich der Spieler nur gegenüber seinen Mitspielern - und zwar dahingehend, dass er sich so benimmt, wie das bei uns - so wie oben schon geschildert - in der Regel üblich ist. Dem Max musste ich das damals nochmal genauer erklären.

Normalerweise gibt es bei unserer "Glühwein-Reihe" nur drei Fragen: Bei dir müssen wir aber eine Ausnahme machen, weil wir unbedingt noch wissen wollen, woher deine Liebe zum Reggae kommt und was es mit den Worten "Easy" und "Jaman" auf sich hat?

Die Liebe zum Reggae hat so ziemlich jeder in sich. Bloß: Ich habe sie für mich schon entdeckt und andere, die sie in sich tragen, haben sie einfach noch nicht bemerkt. Da geht es darum, dass man sein Herz öffnet. Man kann auf Reggae richtig Party machen, man kann sich aber auch dazu in die Ecke setzen, sich Gedanken machen und einfach nur nachdenken. In der Botschaft ist eben viel "Peace, Love and Harmony" mit drin.
Was die beiden Worte angeht: Das liegt daran, dass ich schon ein paar mal auf Jamaika war. "Jaman" ist dort allgegenwärtig und bedeutet so viel wie "Ja, klar". Das sagt dort sogar die Oma. Und "Easy" ist eine grundlegende Lebenseinstellung, weil es so viele Sachen auf der Welt gibt, bei der man die Drei ruhig mal gerade lassen sollte, weil es so wichtig nicht ist. Wir sollten viele Dinge einfach nicht so verbissen sehen.

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