19.05.2020

Zum Glück gezwungen?

Nicht jeder Verein möchte die Liga halten – oder wohl sogar aufsteigen

Auf der Rhönkampfbahn – wie hier 2018 – kann der Hünfelder SV die Verbandsliga-Meisterschaft vorerst nicht feiern. Den Aufstieg nehmen die Haunestädter an – andere vielleicht nicht. Foto: Siggi Larbig

Einstimmig stellte der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) am Samstag die Empfehlung aus, die Saison 2019/2020 abzubrechen und zu werten: mit Aufsteigern, aber keinen Absteigern. Manche Vereine werden dadurch zu ihrem Glück gezwungen.

Denn nicht jeder Club, der dem Abstieg entronnen ist, hält den abseits des Rasens eingetüteten Klassenerhalt für die bestmögliche Option. Und nicht jeder potenzielle Meister möchte wohl den Gang in die nächsthöhere Spielklasse antreten. Beim Gruppenligisten Spvgg. Hosenfeld herrschen momentan beispielsweise Diskussionen, ob ein Aufstieg in die Verbandsliga wirklich wahrgenommen werden würde. „Wir haben noch keine finale Entscheidung getroffen, wollen uns mit Trainer und Mannschaft noch in dieser Woche austauschen“, erklärt Jan Larbig aus dem Hosenfelder Vorstandsteam. „Schließlich ging es in der Liga richtig eng zu, wir hatten ja gerade einmal sieben Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.“ Sollten die Hosenfelder auf einen Aufstieg verzichten, hätte der laut Quotient Zweitplatzierte aus Thalau die Möglichkeit nachzurücken. Wenn der FSV nicht will, darf Großenlüder als Dritter überlegen, das Spiel geht bis zum Vierten Aulatal.

Unerwartet in eine höhere Spielklasse könnte auch die dritte Mannschaft des TSV Künzell gelangen, in die A-Liga nämlich. In den B-Ligen Fulda und Rhön wurde schon vor der Saison festgelegt, dass zwei Mannschaften direkt aufsteigen sollen. Dem TSV genügt damit der dritte Platz hinter Elters/Eckweisbach/Schwarzbach II und Steinau/Steinhaus II, da letztgenanntes Team nicht aufsteigen darf – die Erste spielt schon in der A-Liga. Ob ein Aufstieg für die Dritte des TSV Sinn ergibt, müssen sich nun die Verantwortlichen fragen – es scheint allerdings unwahrscheinlich.

Herolz und Hauswurz überlegen, Lauterbach nicht

Auf der anderen Seite gibt es auch Vereine, die unverhofft in der Liga bleiben dürfen, aber gar nicht wollen. Zum Beispiel der Melsunger FV, das Schlusslicht der Verbandsliga, plant nicht für den überregionalen Fußball. „Wir streben einen Neuaufbau in der Gruppenliga an“, bestätigt MFV-Präsident Nils Weigand der HNA. Auch Süd-Kreisoberligist SVHerolz könnte freiwillig eine Liga nach unten gehen, dort gibt es zurzeit ebenso Überlegungen wie beim Fuldaer A-Liga-Schlusslicht SV Hauswurz. „Wenn die Möglichkeit im Raum steht, eine Liga nach unten zu gehen, werden wir darüber diskutieren“, betont Trainer Peter Link. Der HFV hat jedenfalls den Paragraphen 44 der Spielordnung angepasst, der besagt, dass ein freiwilliger Abstieg in die nächstuntere Spielklasse eigentlich bis zum 15. Mai gemeldet werden müsse. Das konkrete Datum ist für eine unbestimmte Zeit nach hinten verschoben, so dass ein Rückzug in die nächstuntere Klasse kein Problem sein dürfte.

Es gibt aber auch Vereine, die nun einfach das Beste aus der Situation machen wollen. So zum Beispiel der VfL Lauterbach, der mit minus einem Punkt (sportlich null Punkte, Abzug aufgrund Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls) kaum Chancen gehabt hätte, die A-Liga Lauterbach/Hünfeld sportlich zu halten. „Wir wollen es in der A-Liga probieren. Wir bekommen einige Spieler aus der Jugend hinzu, deshalb sind wir zuversichtlich, eine schlagkräftige Truppe stellen zu können“, so Funktionär Gerhard Welter.

Autor: Steffen Kollmann

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