Vorletzter empfängt den Letzten

Zweites freiwilliges Geisterspiel für Lautertal

29. Oktober 2020, 06:00 Uhr

Berhan Karakas (zweiter von rechts) war lange Zeit beim VfL Lauterbach. Jetzt muss er sich für die SG Lautertal gegen eben jenen VfL in die Zweikämpfe werfen. Foto: Florian Volk

In der A-Liga Fulda/Lauterbach steht die SG Lautertal mit einem Punkt auf dem vorletzten Tabellenplatz. Am Sonntag geht es gegen den punktlosen VfL Lauterbach. Aber mit einer Sache überrascht die SG Lautertal, die dieses Jahr ein Jubiläum feiert.

Für die SG Lautertal ist die Partie gegen den Letzten aus Lauterbach rein tabellarisch etwas Besonderes. So sieht es auch der Übergangstrainer und Vorstandsmitglied Daniel Peppler: "Wir haben Spieler, die von Lauterbach kommen, im Verein. Für die ist das ein besonderer Ehrgeiz." Schließlich geht es für beide Vereine darum, die Klasse zu halten. Der VfL Lauterbach befindet sich schon seit Längerem in einer Abwärtsspirale und wäre vergangene Saison sicherlich abgestiegen (16 Spiele, null Punkte). Deshalb herrscht Freude und Anspannung zugleich, da beide die Chance wittern. "Wir müssen endlich Tore schießen. Das hat uns die letzten Jahre immer ausgezeichnet. Hinten fehlt zum Schluss meist die Power, dazu kam noch die lange Pause", so Peppler.

Aber das Spiel ist nicht das einzige Thema für den Verein. Auch wenn es in der Saison noch nicht ganz rund läuft, gibt es dennoch Grund zur Freude. Die Spielgemeinschaft mit dem SV Dirlammen und der Spvgg. Hopfmannsfeld-Eichenrod feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Von 2015 bis 2018 war auch der TV Engelrod mit dabei, tat sich dann aber mit der FSG Vogelsberg zusammen. "Wir sind ein kleiner Dorfverein und möchten den einheimischen Spielern den Fußballsport anbieten. Wir haben weder utopische Ziele noch Druck durch Sponsoren. Auch wenn es bei den Herren- und der Frauenmannschaft im Moment nicht gut läuft, müssen wir das durchstehen", erklärt Peppler. Die zweite Mannschaft spielt in der C-Liga Lauterbach/Hünfeld, die Frauen in der Gruppenliga Nord-Ost. Beide sind momentan Letzter.

Peppler selbst spielte für eineinhalb Jahre bei der SG Stockhausen/Blankenau, fühlte sich aber immer mit Lautertal verbunden. Darum folgte Anfang 2017 die Rückkehr. Seit dieser Saison ist er nur noch im Vorstand aktiv und momentan als Trainer. "Mir ging es nie um finanzielle Dinge, sondern immer ums Sportliche. Ich bin hier aufgewachsen, habe ein Haus gebaut und fühle mich hier wohl", so das Vorstandsmitglied. Durch seinen fußballerischen Rücktritt wird ein Verjüngungsprozess eingeleitet, was den Jungs auch zugute komme.

Der Grund, wieso er das Team trainiert, liegt in der Corona-Krise. Der eigentliche Coach Hakan Karakaya musste aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten, darf aber jederzeit wieder zurückkommen. "Alle im Verein stehen dahinter. Es geht uns um das Menschliche, deswegen haben wir auch selbst beschlossen, Geisterspiele durchzuführen. Das wäre für die, die Dienst machen, nicht zumutbar gewesen. Wir haben alle Zuschauer rechtzeitig informiert, um Diskussionen zu vermeiden", beschreibt Peppler. Eine mögliche Absage, weil sie nicht hätten spielen wollen, hätte den Verein vor das Sportgericht bringen können. Darum wurde sich für Geisterspiele entschieden und zugleich in der Liga nachgefragt, wie die anderen Vereine handeln. Einige lassen Zuschauer wegen der Einnahmen zu, andere tragen Geisterspiele aus.

Update: Nach der Generalabsage des HFV findet dieses Spiel nicht statt.

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