01.09.2017

Zwischen Drogerie und Profifußball

Was macht eigentlich Altin Lala?

Altin Lala, hier beim Abschiedsspiel für Marco Fladung, ist das ein oder andere Mal noch in Osthessen zu Gast. Foto: Charlie Rolff

Galionsfigur von Hannover 96, Spielerberater und teilhabender Geschäftsführer einer Drogeriemarkt-Kette: Auch fünf Jahre nach dem Ende seiner aktiven Profilaufbahn ist Altin Lala nicht langweilig. Der 41-jährige Albaner, der Anfang der 90er Jahre bei der Spvgg. Hosenfeld und Borussia Fulda in Deutschland fußballerisch und menschlich Fuß gefasst hat, punktet auch heute noch mit Demut und Disziplin.

Vor gut zwei Wochen, bei der 125-Jahr-Feier der Raiffeisenbank Großenlüder, ist Altin Lala mal wieder zu seinen Wurzeln, nämlich nach Hosenfeld, zurückgekehrt. Viele Hände galt es zu schütteln, unzählige Anekdoten wurden ausgetauscht. Vor wenigen Wochen schlug der einstige Mittelfeldstratege beim Abschiedsspiel seines ehemaligen Fuldaer Weggefährten Marco Fladung auf. „Osthessen und die Menschen hier bedeuten mir immer noch sehr viel“, sagt der heute mit seiner italienischen Frau Vittoria und den beiden Kindern Cataldo (15) und Gabriela (13) in Hannover lebende Albaner. Die Menschen in der Region seien warm und herzlich, die Stadt katholisch geprägt. „Ich kam hier immer super zurecht.“

Als 16-Jähriger war Altin Lala 1991 nach einem Länderspiel mit der albanischen Junioren-Nationalmannschaft geflüchtet – mit nichts in der Tasche. Über den Draht seines Herbergsvaters im Asylantenheim in Döngesmühle, Walter Hess, kam seinerzeit der Kontakt nach Hosenfeld zustande. Sein weiterer fußballerischer Werdegang – fünf Jahre bei Borussia Fulda, anschließend 14 Jahre bei Hannover 96 – ist bekannt. Lala gilt als Paradebeispiel für gelungene Integration, umso mehr hat er einen Blick für die Flüchtlingsproblematik: „Deutschland ist von der Menge an Flüchtlingen überrascht worden. Das Problem ist ein falsches Verständnis der Menschen in den Herkunftsländern. Die denken oft, man beantragt Asyl und fängt direkt an zu arbeiten. Das hätte deutlicher kommuniziert werden müssen. Wichtig ist für die jungen Menschen, dass sie offen sind, sich auf die Menschen und vor allem die Sprache in Deutschland einlassen.“

Offen ist Lala allemal. Kein Wunder, dass er neben dem Sport mittlerweile auch in der Wirtschaft Fuß gefasst hat. Über den damaligen und heutigen 96-Boss Martin Kind kam 2009 der Kontakt zu Dirk Roßmann zustande, dessen Drogeriemarkt-Kette Lala in seiner Heimat Albanien als teilhabender Geschäftsführer mittlerweile salonfähig gemacht hat. „Ich bin für neun Filialen und 180 Mitarbeiter zuständig. Es gab zwar Supermärkte, aber keine Drogerien in Albanien. Die Menschen legen sehr viel Wert auf deutsche Produkte, wir haben noch viel Potenzial nach oben“, ist Lala stolz.

Ganz ohne Fußball geht es jedoch nicht. Sein Herz hängt weiterhin an Hannover 96, dort schaut er so viele Spiele wie möglich und spielt für die Traditionself. „Ich hatte zwar auch schwere Verletzungen, aber mein kleiner Körper und spezifisches Training sorgen dafür, dass ich noch mithalten kann“, verrät der 1,72-Mann, der sich überdies auch als Spielerberater verdingt. Fünf albanische Youngster hat er unter seinen Fittichen, darunter den 21-jährigen Außenstürmer Milot Rashica, derzeit in Diensten des holländischen Erstligisten Vitesse Arnheim. „Ein Rohdiamant“, weiß Lala. Neapel und der Hamburger SV hätten schon angefragt.

Der Trainerjob, das hat Altin Lala in zwei Jahren als Co-Trainer der albanischen Nationalmannschaft gemerkt, war allerdings nichts für ihn. „Da bist du 24 Stunden nur mit Fußball beschäftigt und führst Menschen, die vielleicht ein anderes Verhältnis zum Fußball haben. Es war toll, mein Land auf dem Weg zur EM in Frankreich zu begleiten, aber letztlich war es nur ein Freundschaftsdienst“, erklärt Lala, der nicht groß in die Zukunft schauen will, denn: „Mir geht es gut, ich bin sehr glücklich.“ / hall

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