17.08.2019

Zwölfmal Gelb, zweimal Gelb-Rot, vier Tore

Hessenliga: Heißes Duell in Kassel

Fast wäre der Auswärtssieg in trockenen Tüchern gewesen für den TSV um Coach Dragan Sicaja. Foto: Charlie Rolff

Ganz am Ende wurde es das erwartet hitzige Spitzenspiel. Klasse hatte es nur streckenweise, aber das sollte zumindest den neutralen Beobachtern egal sein. Und wahrscheinlich war es gut so, dass kein Team als Verlierer den Platz verlassen musste. Denn verschlief der KSV Hessen Kassel Durchgang eins, war er nach der Pause stark und verdiente sich das 2:2 (0:2) im heimischen Auestadion gegen den TSV Eintracht Stadtallendorf.

"In allen Belangen überlegen", so lautete allenthalben das Halbzeitresümee auf einer mächtig unzufriedenen Haupttribüne. "Nur langer Hafer, kein Zugriff, kein Selbstvertrauen und schwach in der Zweikampfführung", hießen die Attribute, die dem KSV wenig schmeichelten. All das setzte der Gast hingegen deutlich besser um und verdiente sich die 2:0-Pausenführung. Schon da erinnerte viel an das Hinspiel, als Stadtallendorf gar 4:1 führte, es am Ende beim 4:3-Sieg aber denkbar eng wurde.

Damijan Heuser war es, der mit seinen beiden Treffern die Ausrufezeichen setzte. Beide Tore wurden ihm beinahe auf dem Silbertablett präsentiert. War beim 0:1 KSV-Kapitän Frederic Brill in der gefährlichen Zone in den Zweikampf gegangen, verlor den Ball unnötig an den flinken Amar Zildzovic und Heuser traf vom Strafraumeck ins kurze Eck, bekam der KSV beim zweiten Treffer weder auf Felix Nolte (Steckpass) noch auf Laurin Vogt (Abschluss) oder Heuser (Abstauber) Zugriff.

Die Erfahrenen schlagen zu

Dass die Kassler Fans ein immer noch feines Gespür besitzen, bewiesen nach dem Seitenwechsel. Denn zum Pausentee pfiffen nicht wenige Fans ihre Mannschaft aus, um nachher mit Szenenapplaus zu glänzen. Der KSV war fortan das bessere Team, schnürte die Eintracht streckenweise ein, doch schaffte es kaum, das gegnerische Tor intensiv zu gefährden. Zu gut stand der Abwehrriegel um Kevin Vidakovics und Matthias Pape. Am gefährlichsten wurde es nach Standards, wie Alban Mehas direktem Freistoß aus großer Distanz nach einer Stunde. Die Eintracht wirkte zahnlos und zeigte plötzlich wieder auf, was in ihr steckt: Nolte nagelte das Leder an die Latte (64.), Joker Guilherme Silva scheitere völlig frei vor KSV-Keeper Niklas Hartmann (70.).

Weil die zwei Großchancen ungenutzt blieben, blies der KSV doch noch zu einer krachenden Schlussoffenisve, die Mahir Saglik mit dem Anschlusstreffer einleiten sollte. Über rechts brach Joker Jan Iksal durch, der Ex-Paderborner musste nur noch einschieben (79.). Weil Muhamet Arifi zwei Minuten später mit Gelb-Rot runtermusste, blieb dem KSV inklusive der megalangen Nachspielzeit noch eine Viertelstunde, um auszugleichen. Doch trotz eines frenetischen Publikums blieb vieles Stückwerk. So wie Sagliks Solo ohne Abschluss (88.). Doch plötzlich schlug doch noch die Erfahrung eines Alban Mehas zu, der Lukas Iksals Hereingabe mit viel Übersicht im langen Eck verwertete (90.+3). Iksal holte sich noch Gelb-Rot ab, dann war ein hochintensiv geführtes Spitzenspiel beendet.

Die erwartete Schwerstarbeit kam auf Schiedsrichter Gahis Safi (Erlensee) zu. Nachdem das Hinspiel nicht nur vom Ergebnis her wild war, musste auch diesmal der Unparteiische kühlen Kopf bewahren. Und das gelang ihm. Nicht mal zwei Minuten dauerte es, bis die Bänke erstmals außer sich waren, auch zwei Rudelbildungen galt es zu überstehen. Ein Dutzend Gelb verteilte er, zweimal zückte er Gelb-Rot und entschied in der letzten Aktion des Spiels vollkommen zu Recht auf Weiterspielen, als Brill einen Strafstoß schinden wollte. Bester Mann am Platz: der Schiedsrichter.

Die Statistik:

KSV Hessen Kassel: Hartmann – Merle, Evljuskin (66. Dawid), Mißbach, Brandner – Schwechel (46. Meha), Brill – Zukorlic (46. Iksal), Saglik, Mogge – Schmeer.
Eintracht Stadtallendorf: Olujic – Gaudermann, Pape, Vidokovics, Jovic – Heuser (65. Silva), Zildzovic, Arifi, Vogt – Nolte (75. Basmaci), Döringer.
Schiedsrichter: Gahis Safi (FC Erlensee).
Zuschauer: 1950.
Tore: 0:1 Damijan Heuser (6.), 0:2 Damijan Heuser (23.), 1:2 Mahir Saglik (79.), 2:2 Alban Meha (90.+3).
Gelb-Rote Karten: Muhamet Arifi (81., Stadtallendorf), Lukas Iksal (90.+4, Kassel).

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