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Margarete Schellenberger, die „Exotin“ im Sport

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Von: Tino Weingarten

Margarete Schellenberger ist seit 21 Jahren 1. Vorsitzende des SV Blau-Weiß Großentaft. Nicht nur das: Ihr Leben wird geprägt von ehrenamtlicher Arbeit.
Margarete Schellenberger ist seit 21 Jahren 1. Vorsitzende des SV Blau-Weiß Großentaft. Nicht nur das: Ihr Leben wird geprägt von ehrenamtlicher Arbeit. © Tino Weingarten

Wer an den SV Blau-Weiß Großentaft denkt, kommt nicht drumherum, im selben Gedankengang auf Margarete Schellenberger zu kommen. Über 50 Jahre widmete „Mecki“, wie sie liebevoll genannt wird, ihrem Verein. Doch nicht nur. Das gesamte Leben Schellenbergers steht im Zeichen des Ehrenamtes.

Dieses Gen hat sie in die Wiege gelegt bekommen. „Mein Vater hatte mehrere Ehrenämter und meine Mutter war eine äußert sozial eingestellte und christliche Frau“, sagt „Mecki“. Im Alter von zwölf Jahren trat sie dem SV Blau-Weiß Großentaft bei – in der Gymnastikabteilung. Es dauerte nicht lange, bis sie erstmals in den Vorstand gewählt wurde. Als Kassenwartin. „Die Grundliebe zum Verein habe ich von meinem Vater, der einst 2. Vorsitzender war“, führt sie aus.

Für sie folgten verschiedenste Ämter im Verein. Kassenwartin von 1981 bis 1986, 2. Vorsitzende in den Jahren 1987 und 1988, erneut Kassenprüferin 1995 und seit 2001 ist sie 1. Vorsitzende. In dieser Position stieß Schellenberger Investitionen an, legte großen Wert auf die kulturelle Seite ihres Vereins und pflegte die Beziehungen zu den Nachbarvereinen. „Wenn alle harmonieren, hat mir das immer sehr viel bedeutet , sagt die 65-Jährige. Und das Aushängeschild, der Fußball, hat ihr viel bedeutet. Von ihrem Verein bekam sie die Goldene Ehrennadel für ihr Engagement, der Hessische Fußball-Verband würdigte Schellenberger mit der bronzenen Ehrennadel und als Kreisehrenamtssiegerin. Ebenso ehrte sie der LSB. 

Margarete Schellenberger und das Ehrenamt: Der Glaube gibt ihr Kraft

Und da ist nicht allein die ehrenamtliche Arbeit für den Verein. Lange Zeit war Schellenberger berufstätig in ihrem erlernten Beruf als Rechtsanwalts- und Notarsgehilfin, engagierte sich in der Schule bei ihren Söhnen, im Ortsbeirat, im Planungsbeirat der Dorferneuerung, in der Gemeindevertretung oder anderen Vereinen in Großentaft, ist ehrenamtliche Richterin gewesen und spielt aktiv Tennis und Badminton. Zudem ist sie in der Kirche tätig. In früheren Jahren hatte sie neun Ehrenämter inne. Und wer „Mecki“ kennt, der weiß, dass nicht ein Ehrenamt mit halber Kraft geleistet wurde. „Das Vereinsleben habe ich entsprechend mitgelebt. Ich verlange mir selber viel ab, das alles kostet sehr viel Kraft.“ Mit großer Freude engagiert sie sich seit zehn Jahren als Gästeführerin auf Point Alpha. Frieden, Freiheit und Demokratie sind ihr sehr wichtig. 

Woher sie die Kraft und ihre Stärke genommen hat? „Aus meinem tiefen Glauben heraus. Wenn man weiß, woher man seine Kraft nimmt, kann man viel gestalten“, betont Schellenberger. Sie zieht ihre Kraft aus Gott, die Liebe und das Engagement zu ihrer Heimatkirche St. Joseph gehört zu den wichtigsten Bausteinen ihres Lebens. 32-mal lief Schellenberger die Fußwallfahrt von Fulda nach Walldürn, zahlreiche Wallfahrten nach Lourdes, Fatima, Padua, ins Heilige Land oder mehrfach Rom bringen ihre tiefe Verehrung zum Ausdruck, sagt sie. In ihrer Heimatkirche war sie zehn Jahre lang Küsterin, organisierte die 250-Jahr-Feier mit und ist noch heute Lektorin. Die Kraft gibt ihr aber ebenso die Familie. „Die muss hinter einem stehen, sonst kann man es gleich sein lassen“, macht „Mecki“ deutlich.

Margarete Schellenberger vor dem Tor in den Vereinsfarben von Blau-Weiß Großentaft.
„Blau-Weiß“ spielt in ihrem Leben eine große Rolle. Bei der Einfahrt in den Hof fällt gleich das Tor in Vereinsfarben ins Auge. © Tino Weingarten

Was es bedeutet, in derartiger Form ehrenamtlich tätig zu sein, wird beim gemeinsamen Gespräch deutlich. Mehrere Male klingelt das Telefon, die Leute benötigen die Hilfe von Margarete Schellenberger. „Sie wissen, auf mein Wort ist Verlass“, erklärt sie. Kein Tag vergeht, ohne für Blau-Weiß Großentaft, die Kirche oder ihre weiteren Ämter tätig zu sein. Von Reibungen innerhalb der Männer-Domäne Fußball, in der sie als Exotin Vorsitzende wurde, keine Spur: „Ich glaube, ich habe da sehr viel Anerkennung. Sie kennen meinen Fleiß und da war von Anfang an eine große Akzeptanz.“ Noch heute ist sie die einzige Frau in der Umgebung, die einen Sportverein führt.

Dieser Fleiß lässt sich gar in gedruckter Form in Händen halten. Zum 100-jährigen Bestehen des 550 Mitglieder starken Vereins im Jahre 2020 sollte es eine Festschrift geben. „Mecki“ schrieb das Heft über Monate hinweg allein. Der Stolz darüber war Schellenberger anzusehen, als sie die Festschrift hervorholte. Mit Stolz führt sie außerdem die Vereinsfreundschaft zum LTS Laband in Schlesien weiter, die der Ehrenvorsitzende Johann Patton ins Leben rief. Sie organisierte Fahrten dorthin und kümmerte sich gar um die polnischen Fußballer, die herkamen und bleiben wollten. Schellenberger besorgte Arbeit und Wohnung. „Das danken sie mir noch heute“, sagt sie.

Traditionen müssen bewahrt und weitergegeben werden. Wenn man alle Traditionen über Bord wirft, was bleibt dann noch von einem Verein übrig?

Margarete Schellenberger

Margarete Schellenberger wollte das Amt immer wieder in jüngere Hände legen. Das nahende 100-Jährige des Vereins hat jedoch dazu geführt, dass sie dabei als 1. Vorsitzende des Vereins mitwirken wollte. Nun aber langt es, eine neue Generation soll übernehmen. Aber „Mecki“ hat einen Wunsch: „Es wird sich was verändern, das muss auch sein. Aber Traditionen müssen bewahrt und weitergetragen werden. Der Verein hat über 100 Jahre Tradition erlebt. Wenn man das über Bord werfen würde, was bliebe dann vom Verein noch übrig? Das ist mir unheimlich wichtig.“ Und den Mitgliedern auch.

Ebenso wie das Ehrenamt für Staat und Gesellschaft, sagt sie. „Das Ehrenamt geht schweren Zeiten entgegen. Die Leute genügen sich selbst. Doch es tut der Gesellschaft gut und es gibt ein gutes Gefühl, für andere da zu sein.“ Gelingt die Übergabe, blickt Margarete Schellenberger nicht nur auf 21 Jahre als 1. Vorsitzende zurück, sondern auf jahrelange ehrenamtliche Arbeit mit voller Hingabe, „und dafür danke ich allen, die Seite an Seite mit mir den Verein getragen haben.“

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