1. torgranate
  2. Granatenstark
  3. Frauen

Wanja Litwinow über eine unvergessliche U17-Juniorinnen-WM in Indien

Erstellt:

Von: Steffen Kollmann

Wanja Litwinow (oben, Mitte) mit dem Trainerteam.
Wanja Litwinow (oben, Mitte) mit dem Trainerteam. Unter anderem dabei: Die 123-fache Nationalspielerin Melanie Behringer (unten von links), Cheftrainerin Friederike Kromp und Sky-Expertin Julia Simic. © privat

Bei der Weltmeisterschaft bis ins Halbfinale zu kommen, wäre vermutlich ein Ergebnis, mit denen die meisten deutschen Fußballfans in Katar gut leben könnten. Den U17-Juniorinnen ist genau dies jüngst gelungen – mit einem Osthessen mittendrin.

Vom 11. bis 30. Oktober fand die Weltmeisterschaft in Indien statt, für die sich die deutsche U17-Juniorinnen-Auswahl durch den Gewinn der Europameisterschaft im Mai qualifiziert hatte. Damals wie heute mit dabei: Johannes „Wanja“ Litwinow. Der 33-Jährige, der in Petersberg-Steinau aufwuchs, arbeitet seit gut einem Jahr im Nachwuchs des DFB als Athletiktrainer. Nach der erfolgreichen EM in Bosnien und Herzegowina stand binnen weniger Monate das nächste Großereignis und Abenteuer – weit weg von zu Hause – an.

Wanja Litwinow über eine unvergessliche U17-Juniorinnen-WM in Indien

„Der Stellenwert von so einer Weltmeisterschaft ist noch mal größer. Die FIFA organisiert das Turnier und ist ganz anders aufgestellt als die UEFA. Und die Außenwirkung ist deutlich größer. Alle Kontinente blicken auf dieses Turnier“, schwärmt Litwinow. Entsprechend groß waren die kulturellen, aber auch fußballerischen Unterschiede bei der WM. Nigeria beispielsweise – sogar zweimal Gegner der DFB-Elf – spielte das in Europa schon längst abgeschaffte System mit Libera und Vorstoppern – und erreichte trotzdem einen starken dritten Platz.

„Unsere Kapitänin hat nach dem ersten Spiel im Interview gesagt, dass wir den Fußball neu lernen mussten. Manche Mädels aus anderen Kulturen haben um ihr Leben gespielt, weil sie wussten, dass sie vielleicht nie wieder Fußball spielen werden“, erklärt Litwinow. Auch für den Jahrgang der deutschen Auswahl stellte das Turnier das Ende einer fast zweijährigen Reise dar. „Viele haben gesagt, dass wir wie eine Familie zusammengewachsen sind. Ich habe tolle Spielerinnen kennengelernt.“

Das Gemeinschaftsgefühl war wichtig für den Erfolg, denn die gemeinsame Reise dauerte inklusive Vorbereitung fast vier Wochen. Gar nicht so einfach, wenn man wie Litwinow eine kleine Familie inklusive kleinem Sohn zurücklässt. Zudem liegen intensive Arbeitstage hinter dem Athletiktrainer, der meist von 8 Uhr morgens bis nach Mitternacht im Einsatz war. „Wir im Team haben ja auch die Verantwortung für 21 Jugendliche getragen“, unterstreicht der Steinauer.

Johannes Wanja Litwinow
Wanja Litwinow beim neurozentierten Training. Mit der „Brock-Schnur“ kann die Spielerin das binokulare Sehen trainieren. © privat

Trip nach Indien für Litwinow und Spielerinnen ein Kulturschock

Für die der Trip nach Indien ein recht großer Kulturschock gewesen sein dürfte. Litwinow kannte den zweitbevölkerungsreichsten Staat der Erde aufgrund seiner Universitäts-Tätigkeit schon, die meisten Spielerinnen lernten aber eine neue Welt kennen. „Wir haben in Goa in einer Bubble gelebt, in einem schönen Hotel mit gut eingerichteten Zimmern. Aber allein auf dem Weg vom Hotel Richtung Meer hat man die Extreme im Land wahrgenommen. Wir wurden von einer Polizeieskorte begleitet, haben Kühe auf der Straße und streunende Hunde überall gesehen. Noch schlimmer war es in Mumbai, wo die Armut an jeder Ecke zu sehen war. Leute mit nicht vorhandener Hygiene und kaputte Straßen gab es überall“, berichtet Litwinow von den einschneidenden Erlebnissen.

In Mumbai endete die Reise der deutschen Auswahl mit dem Spiel um Platz drei. Gegen Nigeria hatte die DFB-Elf ein 0:3 egalisiert, verlor dann aber im Elfmeterschießen. Noch bitterer war die 0:1-Niederlage im Halbfinale gegen Spanien. Den Deutschen war die Führung gelungen, die aufgrund einer hauchzarten Abseitsstellung vom VAR aberkannt wurde – nach neunminütiger Überprüfung. Später fiel der spanische Siegtreffer in der 90. Minute. Trotzdem ein toller Erfolg für die DFB-Truppe, die noch nie weiter kam und viele Hindernisse wie Corona-Fälle bei Spielerinnen oder Trainerin Friederike Kromp überwinden musste und eine „Jetzt-erst-recht-Einstellung“ an den Tag legte. Hängen bleiben tolle Erinnerungen an eine unvergesslichen Reise.

Auch interessant