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"Landesverbände machen es nicht besser als der DFB"

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Torgranate-Redakteur Steffen Kollmann (links) traf sich mit Thomas Dreifürst auf einen Glühwein.
Torgranate-Redakteur Steffen Kollmann (links) traf sich mit Thomas Dreifürst auf einen Glühwein. © Torgranate-Redakteur Steffen Kollmann (links) traf sich mit Thomas Dreifürst auf einen Glühwein.

Den Jugendförderverein (JFV) Viktoria Fulda führte Thomas Dreifürst (61) von seiner Gründung 2012 bis zum Ende vor einem halben Jahr. Was macht der Fuldaer seitdem? Um die Frage zu beantworten, haben wir uns mit ihm auf einen Glühwein getroffen.

Was bleibt Ihnen aus der Zeit beim JFV Viktoria Fulda am meisten hängen?

Es waren knapp zehn bewegende Jahre, die ich nicht missen möchte. Anfangs war es schwierig, die beiden Stammvereine SG Bronnzell und TSV Lehnerz zusammenzuführen. Irgendwann sind wir aber eine Einheit geworden. Es herrschte eine ungeheure Kontinuität, in der ganzen Zeit hatten wir keine Vorstandsveränderung. Unser Vorhaben war es, den JFV im Leistungsbereich zu etablieren. Alles, was wir gemacht haben – ohne uns selbst zu loben – war erfolgreich. Das könnte man gar nicht mehr toppen – höchstens durch ein Leistungszentrum. Aber da ist die Region in ihren Möglichkeiten und ihrem Mut beschränkt.

Gibt es die Entwicklung eines Trainers oder Spielers, auf die Sie ganz besonders stolz sind?

Da fällt mir als Trainer spontan Florian Roth ein. Ich kann mich an die ersten Gespräche erinnern, als er auf Sylt war und ich ihn fast täglich angerufen habe. Von der U16 bis hoch zur U19 und jetzt U23 hat er eine super Entwicklung hingelegt. Ich nenne ihn mal stellvertretend für alle Trainer, auch die, die jetzt wie Stanislav Szilagyi und Sascha Fiedler noch bei Barockstadt dabei sind. Mit Damir Agovic (arbeitet heute als Trainer in Katar, Anm. d. Red.) und Max Lesser (Videoanalyst beim VfB Stuttgart) hatten wir weitere qualitativ gute Trainer, die ihre Sprungbretter bei uns hatten.

Heute unterstützen Sie das Bündnis „Rettet die Amateure“. Warum ist dieses überhaupt nötig?

Es ist erforderlich, auf einige Missstände hinzuweisen, die viele gar nicht sehen. Es gibt Bedingungen, die es den Amateurvereinen nicht einfach machen, gerade in der heutigen Zeit – auch wenn es darum geht, weiter zu existieren oder die Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Sei es auf Funktionärs- sowie sportlicher Ebene oder im Ehrenamt. Es kommt viel Geld vom DFB an den HFV, aber was bekommt die Basis? Das Image des DFB ist grottenschlecht, keine Frage, die Landesverbände machen es aber nicht besser. Schauen wir zum Beispiel auf den Nichtaufstieg der Barockstadt in die Regionalliga, als der eigene Präsident dagegen gestimmt hat. Oder die Zustände im Hessenpokal. Das sind Dinge, die einfach hingenommen werden. In einem mittelständischen Unternehmen wäre bei zwei solchen Fällen mindestens eine Abmahnung erfolgt.

Leider ist die Resonanz auf das Bündnis sehr gering. Es gibt nur wenige Chancen, gehört zu werden. Unsere Region hat im Verband keine Lobby oder entscheidende Leute, um etwas zu bewegen. Wenn ich ein paar Jahre jünger wäre, hätte ich vielleicht noch Ambitionen, etwas zu ändern.

Welche Rolle könnten Sie sich denn stattdessen in Zukunft vorstellen?

Der Abstand vom Fußball tut mir gut. Allerdings würde ich niemals nie sagen und nichts ausschließen. Vielleicht würde ich mich nicht in einer verantwortlichen Funktion, sondern in einer beratenden Rolle sehen, zum Beispiel in einem neuen JFV. Bei einem Projekt, für das man brennen kann, bin ich gerne jemand, der das Feuer mit anzündet.

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