Marie Voth spielt bei der SG Barockstadt sowie der MSG Gläserzell/Pilgerzell. Foto: Steffen Kollmann
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Marie Voth spielt bei der SG Barockstadt sowie der MSG Gläserzell/Pilgerzell.

Ziel erreicht? Von wegen!

Bereits zum vierten Mal wurde Marie Voth aus Fulda-Galerie in den Herbstferien für einen Lehrgang der deutschen U-15-Nationalmannschaft nominiert. Für die 14-Jährige, die bei der SG Barockstadt sowie der MSG Gläserzell/Pilgerzell spielt, soll das erst der Anfang sein.

Mit 14 wissen die meisten Teenager noch nicht, welchen Weg sie in der Zukunft einschlagen wollen. Doch Marie Voth hat genaue Vorstellungen. Als sie vor der Saison bei der U14 der Barockstadt auf einem Steckbrief ihr Ziel angeben soll, schreibt sie: "Nationalspielerin werden." Nach der erneuten Einladung des Deutschen Fußball-Bundes könnte man meinen, dass Voth ihr Vorhaben erreicht hat. Doch weit gefehlt: Für ihr großes Ziel, das Trikot der Frauen-Nationalelf zu tragen, steht noch ein weiter Weg bevor.

Und das weiß sie. Die Schülerin der Freiherr-vom-Stein-Schule ist erstaunlich reif für ihr Alter, gibt sich im Gespräch reflektiert, selbstkritisch und zugleich entschlossen. Kein Wunder, dass SGB-Trainer Pascal Röhnke nicht mit Lob spart: "Marie hat einen extremen Ehrgeiz und eine hohe Teamfähigkeit. Nicht umsonst sitzt sie bei den Jungs im Spielerrat." Yasin Kocatepe, der Voth regelmäßig zum Individualtraining bittet, ergänzt: "Wenn wir reden, habe ich das Gefühl, dass eine erwachsene Frau vor mir sitzt. Sie weiß genau, was sie will."

Zum Beispiel ist der 14-Jährigen bewusst, dass sie ihre Ziele nur mit harter Arbeit erreichen kann. Da die Mittelfeldspielerin bei Barockstadt und Gläserzell/Pilgerzell spielt sowie am DFB-Stützpunkt- sowie Hessenauswahl-Training teilnimmt, bleibt ihr häufig – wenn überhaupt – nur ein fußballfreier Tag in der Woche. Hinzu kommen die Einheiten mit Individualcoach Kocatepe, beide arbeiteten sogar in der Corona-Pause miteinander. Um ihren beiden Mannschaften gerecht zu werden und niemanden zu enttäuschen, trainierte sie in der Vergangenheit sogar zweimal am Tag. Kein Wunder, dass ihr Whats-App-Status die Worte „Auf dem Sportplatz“ beinhaltet.

Erfolgreiche Probetrainings in Frankfurt und Jena

Der Sport nahm in Voths Leben schon immer eine große Rolle ein. Allerdings spielte der Fußball nicht immer die erste Geige. Im Schwimmen ist sie ebenfalls talentiert, qualifizierte sich sogar für die Deutschen Meisterschaften. Seit gut anderthalb Jahren bestreitet sie keine Wettkämpfe im Schwimmbecken mehr. Da Fußball als Teamsport mehr Spaß mache, konzentriert sie sich auf das runde Leder. Mit Erfolg: Die frühere Spielerin von Sickels und Margretenhaun ist nur eine von drei Hessinnen, die zuletzt im 26-köpfigen Kader für den DFB-Lehrgang in Kaiserau standen.

"Ich bin richtig stolz auf mich, dass ich dort dabei sein darf", sagt Marie Voth, für die zweimal täglich Training, allerdings trotz Ferien auch Schul- und Sportpsychologiestunden anstanden. Ihre Trainerin ist Welt- und Europameisterin Bettina Wiegmann, Ehrenspielführerin der deutschen Nationalmannschaft. Für ein Fotoshooting durften die Spielerinnen schon das DFB-Trikot überstreifen, in einem Länderspiel bis dato nicht. Im Dezember, dann hoffentlich mit Voth, soll das erste U15-Testspiel seit zwei Jahren steigen.

Ihre Mitspielerinnen laufen teilweise bei großen Vereinen wie TSG Hoffenheim, Werder Bremen oder 1. FC Köln auf. Voth überzeugte bereits in Probetrainings bei Eintracht Frankfurt und Carl-Zeiss Jena. "Vielleicht kann ich nächste Saison mit Zweitspielrecht in Frankfurt und weiter bei den Jungs spielen. Meine Eltern und ich sind aber auch schon auf die Idee gekommen, dass ich auf ein Internat gehen könnte", hat Voth klare Vorstellungen. Alles für das große Ziel – nicht nur bei der U15, sondern bei den Frauen – Nationalspielerin zu werden.

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