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Zum Tod des Werder-Fans Adrian Maleika: Was können wir 40 Jahre später daraus lernen?

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Gedenktafel an Adrian Maleika
Am Montag jährte sich der Todestag von Werder-Fan Adrian Maleika zum 40. Mal. Er war das erste Todesopfer von Fangewalt. © Carmen Jaspersen/dpa

Gestern jährt sich der gewaltsam herbeigeführte Tod des Bremer Fans Adrian Maleika zum 40. Mal. Als damals 16-Jähriger wurde er unmittelbar vor dem Anpfiff des Nordderbys zwischen dem HSV und Werder Bremen, direkt vor dem Hamburger Volksparkstadion, von einem Stein am Kopf getroffen und zusammengetreten. Einen Tag später erlag er im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Adrian Maleika war das erste Todesopfer von Fangewalt in der Bundesliga. Der tragische Vorfall schockierte bereits damals die fußballinteressierte Öffentlichkeit und trug ganz wesentlich dazu bei, dass Fußballvereine sich ihrer Verantwortung gegenüber Fans bewusst wurden.

Als unmittelbare Reaktion wurde in Hamburg auf Initiative der Hamburger Sportjugend eines der ersten Fanprojekte Deutschlands gegründet. Die sozialpädagogische Arbeit konnte ganz wesentlich dazu beitragen, das Gewaltthema und den aufkommenden, oftmals rechtsradikal unterwanderten, Hooliganismus in der Hansestadt einzudämmen. Aber auch andernorts erkannten die Verantwortlichen der Bundesligaclubs die Notwendigkeit systematischer Fanarbeit. Überall im Land entstanden in der Folgezeit Fanprojekte und Initiativen, in denen man nach Wegen der Gewaltprävention suchte.

Adrian Maleika war vor 40 Jahren das erste Todesopfer von Fangewalt

Da man damals Racheakte Bremer Fans befürchtete, kam es auf Initiative des Bremer Managers Willi Lemke im Januar 1983 zu einem Treffen zwischen Werder- und HSV-Fans. Man begegnete sich auf halber Strecke in der Kleinstadt Scheeßel und schloss den sogenannten Frieden von Scheeßel, in dem beide Fanlager Gewaltverzicht vereinbarten. Veteranen der damaligen Fangeneration sind nach wie vor von diesem Todesfall betroffen und hoffen darauf, dass die Lehren auch heute noch gezogen werden und wirken.

Genau deshalb ist die Erinnerung an Adrian Maleika für den Fußball in Deutschland enorm wichtig. Sein Tod markiert einen negativen Höhepunkt sinnloser Fangewalt und mahnt uns alle daran zu denken und daran zu arbeiten, Emotionen achtsam auszuleben. Bei aller Leidenschaft und Rivalität müssen wir uns der Grenzen versichern, die auch während aufgeheizter Situationen niemals überschritten werden dürfen. Deshalb wurde vor 10 Jahren eine Gedenktafel für Adrian Maleika an der Osttribüne des Bremer Weserstadion eingeweiht, die seither von vielen Fans besucht wurde. Gleiches geschieht heute in Hamburg unmittelbar vor dem Stadion.

Harald Lange
Harald Lange über den 40. Todestag von Werder-Fan Adrian Maleika. © privat

Mehrere Gewaltvorfälle im Fußball in den letzten Wochen

Da wir in den letzten Wochen erneut viel zu viele Gewaltvorfälle im Fußball mit erleben mussten, ist es allerhöchste Zeit, die nachwachsende Fangeneration zu erinnern. Bei Auswärtsspiel der Kölner in Nizza stürzte ein Fan von einer Tribüne und beim Spiel der Frankfurter Eintracht wurde ein Frankfurter Fan durch einen Treffer mit Pyrotechnik lebensgefährlich verletzt. Vor beiden Partien kam es zu unerträglichen Gewaltszenen, die uns die Notwendigkeit gewaltpräventiver Arbeit deutlich vor Augen führen.

Wie damals in Scheeßel ist es aus meiner Sicht enorm wichtig, dass die Beteiligten miteinander ins Gespräch kommen und dass Fußballfans für ihr Handeln selbst Verantwortung übernehmen. Niemand möchte ein Fußballstadion als Verletzter verlassen und alle haben Freude daran, wenn das Stadionerlebnis intensiv, eindrücklich und leidenschaftlich verläuft. Der schmale Grat zwischen hochkochender Fußballleidenschaft und dem Überschreiten von Grenzen ist ein wichtiges Lern- und Bildungsthema für jede Fangeneration. Der tragische Tod von Adrian Maleika muss für uns alle eine eindringliche Mahnung sein.

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