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„Support your local gilt nicht nur für den Einzelhandel“

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Von: Steffen Kollmann

Der Reisetross „Vogelsberg Express“. Die SG Freiensteinau wurde von zahlreichen Anhängern nach Hönebach begleitet.
Der Reisetross „Vogelsberg Express“. Die SG Freiensteinau wurde von zahlreichen Anhängern nach Hönebach begleitet. © privat

Die Kulissen am Wochenende konnten sich vielerorts sehen lassen. Steffen Kollmann freut sich über die tollen Zuschauerzahlen und hofft, dass das keine Eintagsfliege war.

Ich muss zugeben, dass mir die Entwicklung im Amateurfußball seit den Corona-Unterbrechungen ein wenig Sorgen bereitet hat. Gefühlt werden es weniger Mannschaften – gerade im Jugendbereich. Trainer beschweren sich vielerorts über Personalprobleme und dass die Fußballer ihre Prioritäten anders setzen als früher. Dazu das schwindende Zuschauerinteresse, das schon seit einigen Monaten überall erkennbar ist.

„Support your local gilt nicht nur für den Einzelhandel“

Umso erfreulicher, dass sich die Kulissen am vergangenen Wochenende an vielen Orten sehen lassen konnten. 500 Zuschauer in der Verbandsliga bei Ehrenberg gegen Flieden. Sogar 550 im Gruppenliga-Derby zwischen Hofbieber und Elters/Eckweisbach/Schwarzbach. Rund 130 Auswärtsfans aus Freiensteinau, die den mehr als 100 Kilometer langen Weg nach Hönebach auf sich nahmen. Und selbst in der A-Liga Hünfeld/Hersfeld waren es 360 Schaulustige, die das Spiel zwischen Soisdorf/Rasdorf und Schenklengsfeld/Rotensee/Wippershain sahen. Eine beeindruckende Zahl, mit der nicht zu rechnen war. Das Soisdorfer Vereinsheim war noch drei Stunden nach Abpfiff proppevoll und die Nachfrage nach (alkoholischen) Getränken hoch. Alle acht Aha-Flaschen waren zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgreich geleert worden.

Es sind tolle Zahlen und Geschichten, über die sich die Vereine am vielerorts letzten Spieltag des Kalenderjahres freuen durften. Und hoffentlich keine Eintagsfliege aufgrund des schönen November-Wetters. Denn der zu Beginn der Corona-Pandemie ausgerufene Leitspruch „Support your local“ gilt nicht nur für den Einzelhandel und die Gastronomie, sondern auch die Sportvereine. Denn diese leiden ebenfalls unter den Folgen der Energiekrise. Wer also in den kommenden Wochen keine Lust auf die Weltmeisterschaft in Katar hat, dem bieten sich andere spannende Alternativen. Die SG Barockstadt und der SV Steinbach begeistern beispielsweise Woche für Woche in der Regionalliga respektive Hessenliga. Beide spielen noch bis in den Dezember, ein Besuch lohnt sich auch bei kälteren Temperaturen.

Verdient haben es zudem die Mannschaften von Hosenfeld und Hohe Luft Bad Hersfeld, dass man für sie an den Sportplatz kommt. Obwohl beide am Tabellenende der Gruppenliga stehen und um den Klassenerhalt kämpfen, kam es vor einigen Wochen zu einer bemerkenswert sportlichen Geste: Hohe Luft erfüllte personell gebeutelten Hosenfeldern den Wunsch, die Partie zu verlegen. Statt die Winterpause schon genießen zu dürfen, müssen beide am Samstag also noch ein letztes Mal ran. Hoffentlich geht es auf dem Platz genauso fair zu wie bei der Verlegung im Vorfeld.

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