1. torgranate
  2. Granatenstark
  3. Meinung

„Der Rücktritt von Oliver Bierhoff war alternativlos“

Erstellt:

Von: Johannes Götze

Torgranate-Redakteur Johannes Götze
Torgranate-Redakteur Johannes Götze © Max Dellemann / Heldenzeit

An dieser Stelle wirft Torgranate-Redakteur Johannes Götze täglich seinen ganz persönlichen Blick auf die WM in seiner Kolumne „Mach ihn! Er macht ihn!“.

Manchmal muss diese Kolumne sogar ein wenig provokativ sein, weswegen ich mich heute erstmals für das Jubelbild im DFB-Trikot entschieden habe. Einerseits: Weil ich es recht gelungen finde. Anderseits: Weil es vor der WM zum Zwecke deutscher Erfolge aufgenommen wurde und ich es wegen des blamablen Ausscheidens gar nicht verwenden konnte. Bis jetzt.

Johannes Götze: Bierhoff-Rücktritt war alternativlos

Denn gerade als der Nikolaus landauf, landab die Stiefel füllte, sorgte am späten Montagabend eine Meldung des DFB für einen inneren Jubellauf. Oliver Bierhoff hat seine persönlichen Konsequenzen aus den Misserfolgen der vergangenen Jahre gezogen. Sogleich schrieb mir einer aus meiner ständig wachsenden Fangemeinde, „dass das frühe deutsche Aus jetzt wenigstens etwas Gutes hat“. Schnell schaute ich mich in den sozialen Medien um und stellte fest: So denkt fast jeder. Bierhoff hat seinen Zenit längst überschritten.

Natürlich hat er ab 2004 Erfolge gefeiert, hat den DFB ein wenig entrümpelt, hat zunächst wirkungsvolle Entscheidungen getroffen. Doch Ruhm ist vergänglich. Vor allem, weil er rund um „Die Mannschaft“ eine fast schon skrupellose Kommerzialisierungsmaschinerie angeworfen hat. Was bei Bundesliga-Vereinen noch funktionieren mag, hat bei den Fans der Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren zur Entfremdung geführt. Vielen Menschen ist die Nationalelf „immer egaler“ geworden. Mir auch. Daran sind PR-Maßnahmen und falsche Entscheidungen ursächlich.

Oliver Bierhoff
Oliver Bierhoff ist nicht mehr DFB-Direktor. © Federico Gambarini/dpa

Letztlich sorgte Bierhoff erst für eine Revolution des eingestaubten DFB, später aber ging es ihm mehr um sich selbst und eine immer größere Machtfülle als DFB-Lobbyist. Er hielt an den Seinen fest, als er sich nach dem Vorrunden-Aus 2018 bedingungslos hinter Löw stellte.

Ganz schlimm waren aber seine Auftritte während der aktuellen WM: So gerne wollte er sich als Mahner für die ganze Welt aufspielen – und knickte beim Bindenstreit ein. Letztlich lud der Verband eine zu hohe Last auf die Schultern der Spieler ab. Und wie längst durchgesickert ist, sorgte das für eine Spaltung innerhalb des Teams. Manche wollten Zeichen setzen, manche Fußball spielen. Sein Rücktritt war alternativlos.

Der Autor

Johannes Götze ist verliebt. In den Fußball. Schon immer. Seit 2014 trägt er seinen Nachnamen mit noch mehr Stolz. Er schaut Spiele am liebsten allein und scheut Public Viewing. Wäre diesmal auch kälter als sonst. Seit 2014 ist er Redakteur bei torgranate.de und kümmert sich sonst vornehmlich um Amateurfußball, den er mehr liebt als den Kommerz ein paar Ligen weiter oben. Die FIFA mag er nicht. Einen Wettbewerb mit den besten Fußballern der Welt schon. Habt ihr Gedanken, die ihr mit dem Autor teilen wollt, schreibt ihm doch. Bei Facebook. Bei Instagram. Oder per Mail. johannes.goetze@torgranate.de.

Auch interessant