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Deswegen lieben die Deutschen nun Niclas Füllkrug

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Von: Johannes Götze

Niclas Füllkrug
Deutschlands Niclas Füllkrug jubelt nach dem Tor zum 1:1 gegen Spanien. © Robert Michael/dpa

An dieser Stelle wirft Torgranate-Redakteur Johannes Götze täglich seinen ganz persönlichen Blick auf die WM in seiner Kolumne „Mach ihn! Er macht ihn!“.

Niclas Füllkrug hat sich am Sonntag in die Herzen der Fans geschossen. Aber warum ist das so? Eine Spurensuche. Die Nationalelf hat sich in den vergangenen Jahrzehnten den Ruf als Turniermannschaft erarbeitet. Das liegt an Weltklasse-Torhütern wie Maier, Schumacher, Kahn und Neuer. An kompromisslosen Verteidigern mit Namen Vogts, Kohler und Förster. Und Ballkünstlern wie Littbarski, Netzer und Overath. An Leadern wie Beckenbauer, Ballack und Matthäus. Aber es liegt vor allem an gefürchteten Mittelstürmern: Uwe Seeler, Gerd Müller, Rudi Völler, Miroslav Klose. Echte Neuner. 

Deswegen lieben die Deutschen nun Niclas Füllkrug

Und echte Neuner zeichnen sich nicht durch spielerische Eleganz aus. Sie treffen mit dem Hinterkopf wie Seeler, sie treffen im Sitzen wie Müller, sie schinden Elfmeter wie Völler und sie nehmen dem Mitspieler den Ball ab wie Füllkrug. Sie haben keine Angst vor dem Zweikampf – und schon gar nicht vor dem Toreschießen. 

Echte Neuner passten aber jahrelang so gar nicht in diese Welt. Sie wurden in den Nachwuchsleistungszentren dieser Republik abgeschafft. Der Ansatz von „Tiki-Taka“ unter Pep Guardiola machte Schule und selbst Deutschland hatte damit Erfolg. Beim WM-Triumph vor acht Jahren war Klose nur noch Aushilfsstürmer, längst hatte die „falsche Neun“ das Rennen für sich entschieden.

Torgranate-Redaktuer Johannes Götze.
Torgranate-Redaktuer Johannes Götze. © Max Dellemann / Heldenzeit

Nun ist Füllkrug plötzlich da. Er rannte am Sonntag einfach in die spanischen Gegenspieler rein. Er nahm Musiala den Ball vor seinem Treffer weg. Er schoss aus jeder Lage. Ein Auftritt, der als Protestbrief gegen die Nachwuchsleistungszentren dieser Republik zu verstehen ist. 

Und eben das lieben Fans. Diese Gier nach Toren. Diesen unbändigen Willen. Diese Kitsch-Geschichten. Wie die von Klose, der mit 21 Jahren noch für den FC Homburg spielte. Wie die von Völler, der erst mal Torschützenkönig in der Zweiten Liga werden musste, bevor seine Weltkarriere begann. Wie die von Füllkrug, der vor einem Jahr noch gegen Sandhausen ran musste und jetzt die Last einer Nation auf sich trägt. Die trägt er gerne. Weil er keine Angst hat, sich keinen Kopf macht. Weil er einfach Tore schießen will. Für Deutschland. Heute wäre ein guter Zeitpunkt, um ein paar zu erzielen. Denn: Ein 8:0 reicht zum Weiterkommen.

Der Autor:

Johannes Götze ist verliebt. In den Fußball. Schon immer. Seit 2014 trägt er seinen Nachnamen mit noch mehr Stolz. Er schaut Spiele am liebsten allein und scheut Public Viewing. Wäre diesmal auch kälter als sonst. Seit 2014 ist er Redakteur bei torgranate.de und kümmert sich sonst vornehmlich um Amateurfußball, den er mehr liebt als den Kommerz ein paar Ligen weiter oben. Die FIFA mag er nicht. Einen Wettbewerb mit den besten Fußballern der Welt schon. Habt ihr Gedanken, die ihr mit dem Autor teilen wollt, schreibt ihm doch. Bei Facebook. Bei Instagram. Oder per Mail. johannes.goetze@torgranate.de.

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