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Beim DFB geht’s rund: Fan-Rückzug und „Äffchen“-Brandrede statt Gespräche

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DFB-Vizepräsident Ralph-Uwe Schaffert
Ralph-Uwe Schaffert, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), übte deutliche Kritik am Auftritt der deutschen Nationalmannschaft. © Werner Kaiser/dpa/Archivbild

Es bleibt unruhig beim Deutschen Fußball-Bund: Sportwissenschaftler Harald Lange äußert sich zum Fanrückzug und die Brandrede des DFB-Vize Ralph-Uwe Schaffert.

In den zurückliegenden Tagen offenbarten sich ganz besondere Herausforderungen für den DFB. Der DFB-Vize-Präsident Ralph-Uwe Schaffert polterte in einer Feiertagsrede ebenso pauschal wie scharf gegen den WM-Auftritt des Verbandes und äußerte sich abfällig gegen die Nationalmannschaft. Gleichzeitig gab das Fanbündnis ProFans seine Auflösung bekannt und zog sich mit einer deftigen Stellungnahme aus sämtlichen Gremien des DFB und der DFL zurück.

Die zeitgleich vorgetragene Kritik aus der Spitze und von der Basis zeigt unmissverständlich auf: Das Führungs- und Kommunikationsproblem des größten Sportverbandes der Welt durchzieht inzwischen alle Ebenen des Deutschen Fußballs. Wer hat eine rettende Idee zu einer zeitgemäßen Führung und Kommunikation? Und wer ist in der Lage den Weg in die Chefetage zu finden, so dass diese Idee Gehör finden kann?

DFB-Vize Schaffert übt Kritik am WM-Auftritt der Nationalelf

Vize Schaffert bilanziert, dass sich der DFB bei der WM in mehrerlei Hinsicht blamiert habe und bringt seine Missgunst populistisch auf den Punkt: „Wenn sich die deutschen Nationalspieler wie Äffchen die Münder zuhalten und sich den Friseur ins Hotel bestellen“, müsse man sich nicht wundern, wenn man gegen Japan verliere.

Schafferts Amt in der DFB-Spitze beinhaltet unter anderem die Verantwortung für den Bereich „Gesellschaftliche Verantwortung“ und seine Antwort auf die problematische Menschenrechtslage in Katar ist denkbar naiv. Er kritisierte die Europäer, die sich in Katar als „Weltverbesserer“ in Szene setzen. Er vergleicht den Sport mit der Wirtschaft, die seit Jahren Geld in Katar verdient, ohne sich mit moralischen Erwartungen von Fans und Kunden auseinandersetzen zu müssen.

So einfach macht man sich die konzeptionelle Arbeit in der DFB-Spitze. Fragen nach der Besonderheit des Fußballs, der gesellschaftlichen Verankerung, der Werte und Traditionen werden einfach ausgeblendet. Die werden derzeit außerhalb des DFB-Präsidiums eingefordert und diskutiert. In den Kurven der Fußballstadien und in den Debatten und Protestaktionen von Fanbündnissen. Mit überschaubarem Erfolg, denn nach Ansicht der Sprecher des Bündnisses „ProFans“ hat der DFB den Kontakt zur Basis verloren. Die Kommunikation zwischen Verband und Fanorganisationen seien nur „um den Selbstzweck eines angeblichen Dialogs geführt“ worden, hieß es in der Erklärung. Harte Worte.

Harald Lange
Harald Lange © privat

Ausstieg des Fanbündnisses dokumentiert Scheitern der Fanarbeit

Fakt ist: Im Fußball wird es niemals nur eine Meinung geben. Ob wir gewinnen oder verlieren: Jedes Ergebnis bringt verschiedene Analysen und Bewertungen hervor. Das Spiel und die gigantischen Verdienstmöglichkeiten im Umfeld ziehen auch Menschen mit den verschiedensten Interessen an. Zum Teil existieren einander gegenüberstehende, mitunter unversöhnliche Standpunkte. Jeder möchte seinen Senf dazugeben und jeder wünscht sich Gehör.

Gute Manager, Funktionäre und Anführer schaffen das, was wir aus der gelingenden Vereinsarbeit in solchen Fällen kennen: Sie moderieren die verschiedenen Interessen und Meinungen. Nicht irgendwie, sondern immer mit Blick auf eine Aufgabe und Vision. Genau das fehlt im DFB. Stattdessen werden immer wieder neue Aufträge an Kommunikationsagenturen vergeben oder Expertenrunden und Taskforce-Gruppen ins Leben gerufen.

Unterm Strich hat das bislang nichts gebracht. Im Gegenteil, der Ausstieg des Fanbündnisses dokumentiert das Scheitern der Fanarbeit und die Brandrede des Vizepräsidenten lässt uns mit Staunen nachfragen: Was macht ihr eigentlich in diesem DFB-Präsidium? Weshalb sitzen dort mehr als ein Dutzend Vizepräsidenten? Wer entscheidet und wie werden die Herausforderungen für die Zukunft zum Thema gemacht?

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