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Eintracht-Fans – Beeindruckende Visitenkarte der Bundesliga

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Harald Lange stimmt in seiner Kolumne ein Loblied auf die Fans von Eintracht Frankfurt an.
Harald Lange stimmt in seiner Kolumne ein Loblied auf die Fans von Eintracht Frankfurt an. © Privat

Sport bringt immer wieder Helden und Vorbilder hervor. Bis zum 14. April dachten wir in diesem Zusammenhang zuallererst an Spielerinnen und Spieler. Seit dem Auftritt der Eintracht-Fans in Barcelona ist das anders.

Die Fankultur eines Vereins ist der Star und dafür gibt es viele Gründe: In ihrer Zahl und Stimme waren die Frankfurter im Camp Nou gewaltig. Ihre Leidenschaft und Emotionalität waren bereits auf dem Weg dorthin gigantisch. Und die Wirkung ihres leidenschaftlich-feiernden Auftritts war und ist großartig: Ein wunderbares Beispiel, das die Einheit des Fußballs und die Kraft der Basis unterstreicht!

Eintracht-Fans nahmen Umwege nach Barcelona in Kauf

Bei dem legendären Halbfinaleinzug nach dem 3:2-Sieg in Barcelona waren mindestens 25.000 Frankfurter Fans unter den 79.468 Zuschauern dabei. Die meisten von ihnen hatten sich die Tickets über Umwege besorgen müssen, denn die UEFA erlaubte nur 5000 Gästekarten. Wohlwissend, dass das Interesse der Einheimischen überschaubar sein würde, denn viele der 80.000 Dauerkarteninhaber verzichteten vorab auf den Stadionbesuch, weshalb so viele Tickets in den freien Verkauf gegeben wurden.

Während bei den Katalanen kein überstiegenes Interesse am Spiel gegen den Neunten der Bundesliga aufkommen mochte, reisten die Frankfurter in Bussen, Bahnen, PKWs und Flügen an. Sie nahmen teilweise sogar Umwege über Tschechien oder Marokko in Kauf, um am „Tag X“ dabei sein zu können.

UEFA- und Barcelona-Offizielle folgten einer simplen Strategie: Der Heimvorteil sollte quasi am Grünen Tisch gesichert werden. Deshalb wurden die Eintrittskarten nicht an Interessierte verkauft, die dies online mit einer deutschen Kreditkarte oder IP-Adresse erledigen wollten. Folglich sprangen Freunde, Verwandte und andere Kontakte in Spanien ein und besorgten den Frankfurtern die begehrten Tickets. Außerdem sprach sich in Frankfurt rasch herum, wie man solche Geschäfte auch mit ausländischen Kreditkarten oder unterdrückter IP-Adresse abwickeln kann.

Barca-Spiele fühlten sich beim Aufwärmen fremd

Fakt ist: Der organisatorische Aufwand hat sich gelohnt. Die Frankfurter Fans hatten das Stadion und die Atmosphäre fest in der Hand. Sie zelebrierten Support, der auch für 100.000 Fans gereicht hätte und die zurückhaltenden Barcelona Fans hatten nicht die Spur einer Chance, die Stimmung in ihre Richtung zu lenken. Die Barca-Spieler fühlten sich bereits während des Aufwärmens ausgepfiffen und fremd. Demgegenüber bereiteten die Frankfurter Fans ihren Spielern die Atmosphäre eines Heimspiels. Kevin Trapp berichtete unmittelbar nach dem Spiel: „Ich dachte, ich wäre in Frankfurt“. Im Nachgang sprachen Spieler, Funktionäre und Analysten tatsächlich auch vom 12., zuweilen sogar vom 13. Mann auf Seite der Frankfurter Eintracht. 

Dieser Eindruck passt auch vortrefflich zum Spielstand, der bis zum Ende der regulären Spielzeit bei 3:0 lag. Das Ereignis in Barcelona markiert eine der größten internationalen Auswärtsreisen in der Fußballgeschichte und wird uns aus vielerlei Hinsicht im Gedächtnis bleiben. Es ist den Fans zu verdanken, dass die Eintracht abermals über sich hinauswachsen konnte und im Viertelfinale tatsächlich den übermächtigen FC Barcelona bezwang.

Die Fans haben gezeigt, wo die wirkliche Kraft und Leidenschaft des Fußballs zu suchen ist.

Prof. Dr. Harald Lange

Wir haben es hier keineswegs nur mit einem der bekannten „David gegen Goliath Spiele“ zu tun. Die Bedeutung dieses Ereignisses geht viel weiter und betrifft die Grundwerte unserer Fußballkultur. Mit Blick auf die Geld- und Tabellensituationen in den Top-Ligen Europas muss man zu dem Schluss gelangen, dass solche Ereignisse im internationalen Kommerzfußball eigentlich nicht mehr vorgesehen waren. Die Kluft zwischen den großen und kleinen Mannschaften ist inzwischen so groß geworden, dass Ergebnisse und Titelchancen bereits vorab feststehen.

Den Fans der Eintracht gebührt die Ehre, genau an dieser Stelle eine Gegenbewegung eingeleitet und ein sichtbares Ausrufezeichen gesetzt zu haben. In einer Zeit, in der wir gegen die Dominanz des Kommerzprinzips im Fußball protestiert und die Langeweile im Titelrennen um die nationalen Meisterschaften beinahe akzeptiert haben, mausert sich Eintracht Frankfurt durch seine Fans zu einer beeindruckenden Visitenkarte der Fußball-Bundesliga. Die Fans, die vor Ostern nach Barcelona gereist sind, haben uns allen zeigen können, wo die wirkliche Kraft und Leidenschaft des Fußballs zu suchen ist!

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