Eintracht Frankfurt Fans in Barcelona Camp Nou
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Solche Bilder wie in Barcelona wollen die Verantwortlichen von West Ham United nicht sehen.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz (14)

Spielverderber: West Ham hat Angst vor einem wirklich großen Gegner

Die Frankfurter Eintracht hat sich allerspätestens mit dem Auftritt in Camp Nou europaweit Respekt verschafft. Schließlich haben sie den großen FC Barcelona im eigenen Stadion an die Wand gespielt. Nicht einfach so, sondern mithilfe einer beeindruckenden Kulisse.

Es waren schließlich die Frankfurter Fans, die es geschafft haben, ihrer Mannschaft in einem Auswärtsspiel eine unbeschreibliche Heimspielatmosphäre zu kreieren. Damit wurde der Fußballwelt klar gemacht: Eintracht Frankfurt ist ohne Zweifel ein wirklich großer Gegner! Die erste unmissverständliche Bestätigung dieser Einsicht liefert der nächste internationale Gegner von Eintracht Frankfurt. Denn die Verantwortlichen des traditionsreichen Premier-League-Clubs West Ham United haben Angst. So sehr, dass sie lediglich 3000 Frankfurter Fans für das Halbfinale der Europa League zulassen. Mit Blick auf die Kapazität, die im Olympiastadion von London bei 60.000 Zuschauern liegt, mutet diese Gängelung beinahe peinlich an.

West Ham United hat Angst vor Fans von Eintracht Frankfurt

Wie steht es um die Sportbegeisterung des englischen Fußballs? Gehört da nicht auch die Wertschätzung der gegnerischen Mannschaft dazu? Zumindest derart, dass man hinsichtlich des Supports und der Gästetickets etwas großzügiger sein könnte? Die besondere Atmosphäre wird doch erst durch das rivalisierende Mit- und Gegeneinander der verschiedenen Fanlager hergestellt. Wie sehen und erleben wir die Faszination des Wettkampfs? Wie steht es um die Bedeutung des Fair Play? Beanspruchen die Briten nicht sogar die Erfindung dieses sportiven Werts für sich? Pflegen sie ihn heute noch? Auch in der englischen Premier League? Und in West Ham? Gilt dieses Prinzip nur für das Geschehen auf dem Platz? Oder handelt es sich hierbei um einen grundlegenden Wert, den wir überall im Fußball einfordern und erleben möchten?

Was sagen die selbstbewussten Fans von West Ham United zur Reglementierung der Frankfurter Fans? Werden sie es schaffen, lauter zu sein, als die 3000 Frankfurter? Oder wird das Herstellen von Heimspielatmosphäre so herausfordernd, dass sie ihre Clubführung dabei unterstützen müssen, jeden Frankfurter, der sich auf anderem Weg ein zusätzliches Gästeticket ergattert, zu denunzieren?

Prof. Dr. Harald Lange schlägt vor, das Gästekontingent auf 30 Prozent des Fassungsvermögens des Stadions zu schrauben.

Fakt ist: Diese Regelung ist nicht nur ängstlich und unsportlich. Ich meine, das knappe Kontingent an Gästetickets bringt alle Zuschauer um ein weiteres gigantisches Fußballerlebnis. Genau das hätten die Eintracht Fans gemeinsam mit den Fans von West Ham United im Londoner Olympiastadion zelebriert. Das werden sie aber auch trotzdem tun, obwohl sie in der Anzahl um den Faktor 20 weniger sein werden. Notfalls von einem öffentlichen Platz vor dem Stadion. Die Spieler der Eintracht wissen das und werden sich entsprechend leidenschaftlich in dieses Spiel hineinhängen.

Der Support gehört zur Dramaturgie von Fußballspielen ganz selbstverständlich dazu. Erst dadurch unterscheidet sich ein Fußballspiel vom Kino- oder Opernbesuch. Das Publikum spielt quasi mit, beteiligt sich über die Stimmung und den Gesang am Spiel und hat natürlich auch Einfluss auf den Spielverlauf, wohlmöglich sogar für das Ergebnis.

Bei aller Angst, die in der Chefetage des Premier-League-Clubs aus London nach der Auslosung des Halbfinal-Gegners aufgekommen sein mag: Denkt immer daran: Es geht hier zuallererst um den Fußball in seiner sozialen und kulturellen Dimension und nicht nur um das „Eins zu Null“. Wer sich nur dann Hoffnungen auf den Sieg machen kann, wenn die begeisterten Fans des Gegners nicht ins Stadion dürfen, hat die wahre Bedeutung dieses Spiels nicht verstanden.

Harald Lange: 30 Prozent der Tickets für Gästefans!

Wie dem auch sei. Wir lernen daraus, dass unsere Sportpolitiker diesen Fall zum Anlass nehmen müssen, um ganz grundsätzlich höhere Gästekontingente in den Ticketverkauf zu bringen. Ich schlage mindestens 30 Prozent vor. Die sollen dann auch bei allen Spielen und in allen Stadien gelten und dazu beitragen, dass wir an den Spieltagen nicht nur sportliche Gewinner und Verlierer produzieren, sondern einzigartige Atmosphären kreieren!

Ich freue mich trotzdem riesig auf das Spiel der Eintracht am kommenden Donnerstag und bin mir sicher, dass mehr als 3000 Frankfurter den Weg ins Stadion finden und dass sie zudem erneut einen sagenhaften Support bieten werden.

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