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Equal Pay im DFB: Unser Problem mit der Gleichbehandlung

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Lina Magull Nationalmannschaft DFB
Nationalspielerin Lina Magull forderte jüngst ein Mindestgehalt von 2000 oder 3000 Euro ab der zweiten Bundesliga. © dpa/Sebastian Gollnow

Die Fußball-EM der Frauen läuft und das DFB-Team ist enorm gut in das Turnier eingestiegen. Mit Siegen über Spanien und Dänemark dominiert sie bereits jetzt die Gruppenphase und liefert ein Bild ab, das dem deutschen Fußball einfach gut tut. Hiervon profitieren alle. Auch die Mannschaften und Aufgabenbereiche beim DFB, bei denen es gerade mal nicht so gut läuft. Wenn wir den DFB als Einheit und als Spitze unserer Vereinskultur begreifen wollen, dann müssen wir auch über Equal Pay auf der Ebene unserer Nationalmannschaften nachdenken.

Die Spiele und die ausgezeichnete Turnieratmosphäre bei der EM in England bieten uns jeden Tag einen alternativen, sportlich erfreulichen Zugang zum Fußball. Dabei fällt der Kontrast zu den Turnieren der Männer in diesem Jahr besonders auf. Im Schatten der umstrittenen Katar WM leuchtet das Frauen-Turnier in England geradezu wie ein Stern am Horizont. Und falls jetzt auch noch ein sportlicher Erfolg hinzukommen sollte, fragen wir zurecht, weshalb der DFB seine Frauen immer noch nicht genauso wertschätzt wie die Männer und ihnen deutlich geringere Prämien zahlt.

In Europa haben inzwischen viele Verbände das so genannte „Equal Pay“ beschlossen und in ihren Satzungen verbindlich ausgewiesen. Und wieder einmal standen die Norweger am Beginn dieses Denkens, denn sie zahlen bereits seit 2017 ihrer Frauen-Nationalmannschaft das gleiche Geld wie den Männern. Einfach so und ohne juristischen oder politischen Druck. Diese sportpolitische Entscheidung steht über den wirtschaftlichen Erwägungen, die ja nach wie vor dem Männerfußball höhere Startgelder, Sponsoren- und Werbegelder und damit auch höhere Prämien zugesteht. Möglicherweise baut auch die DFB-Argumentation auf dieses Faktum. Das ist formal korrekt, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Nationalmannschaften inzwischen aus dem allgemeinnützigem Verbands-/ Vereinskontext herausgelöst und in der "DFB GmbH" verankert sind. Also als Teile eines Unternehmens fungieren.

„Machtspiele zuweilen wichtiger als notwendige Reformen“

Die Fragen, die sich hier anstellen, sind grundlegend: Wollen wir die Ungleichbehandlung auf der Ebene unserer Nationalteams akzeptieren? Wäre es den männlichen Profis gegenüber zu rechtfertigen, alles Geld in einen Topf und dann in gleichen Anteilen unter Frauen und Männern aufzuteilen? Was sagen die Norweger dazu, die dieses Modell 2017 genau so eingeführt hatten? Würde man damit ein glaubhaftes Zeichen in Sachen Gleichberechtigung senden? Brauchen wir solche Zeichen? Oder genügt die deutliche Anhebung der Erfolgsprämie für das DFB-Frauen-Team? Schließlich bekommen sie im Falle des EM-Sieges 60.000 Euro. Das liegt zwar immer noch weit unter den Prämien, die das Männerteam bekommt (400.000 für einen EM-Sieg), aber immerhin. Nebenbei gefragt: Welches Zeichen sendet der DFB mit diesen Kompromiss an seine Spielerinnen und Spieler und die Gesellschaft?

Im Unterschied zu den Proficlubs erfüllt die Nationalmannschaft wichtige Aufgaben jenseits der kommerziellen Interessen. Hier können und müssen vorbildlich Werte und gesellschaftlich tragfähige Orientierungen gesetzt werden. Genau das haben in den zurückliegenden Monaten die Hälfte aller 16 Mannschaften der aktuell laufenden Frauen-EM getan. Denn neben Norwegen haben inzwischen auch England, Finnland, Schweden, Island, Spanien, die Niederlande und die Schweiz angekündigt, eine Form des Equal Pay umzusetzen. Dadurch wird der Fußball an sich nicht besser und die jeweiligen Mannschaften werden auch nicht erfolgreicher sein. Aber den Mädchen (und deren Eltern) in diesen Ländern wird unmissverständlich rückgemeldet, dass sie innerhalb ihres Nationalverbandes exakt die gleichen Bedingungen haben sollen wie die Jungen.

Prof. Dr. Harald Lange äußerst sich in einem Gast-Beitrag zur xxx. Foto: privat
Prof. Dr. Harald Lange äußerst sich in einem Gast-Beitrag zum Equal-Pay. © privat

Ich meine: Solche Signale brauchen wir. Vor allem in einem Landesverband wie Hessen, dessen Delegierte den Fußballerinnen und deren Eltern auf dem letzten Verbandstag genau das gegenteilige Signal gegeben haben: Der Spielbetrieb der Frauen wird nicht in die Autonomie entlassen (wie in fast allen anderen Landesverbänden), sondern steht nach wie vor unter der Aufsicht der Männer beziehungsweise des Spielausschusses. Wie so oft: Machtspiele sind zuweilen wichtiger als notwendige Reformen.

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