West Ham United - Eintracht Frankfurt
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Um Torhüter Kevin Trapp und Eintracht Frankfurt ist eine Faszination entstanden.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz (17)

Faszination „Eintracht Frankfurt“

Wenn Eintracht Frankfurt heute Abend das Finale der Europa League bestreitet, dann können sich die Spieler auf eine nie dagewesene Unterstützung verlassen. Der zu erwartende Support wird gigantisch und mitreißend sein, sagt Harald Lange in seiner neuen Gastkolumne.

Das Spektakel macht neugierig. Für eine Mannschaft, die in der nationalen Meisterschaft den 11. Platz belegen konnte, wirkt die aktuelle Euphorie mehr als beeindruckend. Für mich ist klar: Der sportliche Erfolg der vermeintlichen Aushängeschilder der Bundesliga wird durch den Hype um die Eintracht gegenwärtig wohltuend relativiert. Es existiert also etwas, das weitaus mehr Bindung und Begeisterung auszulösen vermag als die Champions-League-Teilnahme oder der nächste Meistertitel von Bayern München.

Fußballdeutschland versammelt sich hinter Eintracht Frankfurt

Wenn wir also danach fragen, für wen und was die Frankfurter Eintracht steht, wenn sie im Endspiel der Europa League um den sportlichen Erfolg kämpft, fallen mir eine ganze Reihe romantisch verklärter Begriffe unserer Fan- und Fußballkultur ein. Um nur die wichtigsten zu nennen: Leidenschaft, Emotionalität, die Idee des offenen Wettbewerbs, die Verbindung zwischen Fans, Mannschaft und Management, die Bodenständigkeit und die historisch gewachsene Tradition dieses Fußballvereins. So viel steht demnach fest: Es geht heute um weitaus mehr als um diesen Titel im Europapokal.

Schließlich versammelt sich gerade ganz Fußballdeutschland (für mindestens ein Spiel) hinter der Eintracht und sehnt den Erfolg herbei. Über alle Fanszenen hinweg hält man der Eintracht am Mittwochabend die Daumen, weil diese Mannschaft für einen Fußball steht, nach dem sich weite Teile unserer Fankultur so sehr gesehnt haben.

Der Verein hat als Ganzes unter Beweis gestellt, dass er als Einheit agiert. Präsidium, Management, Mannschaft, Mitglieder, Fans und Zuschauer ziehen an einem Strang. Aus Sicht der Fans ist es dabei besonders bemerkenswert, dass es den Frankfurtern seit mehreren Jahren regelmäßig gelingt, auch auswärts mit einer Fanbasis anzureisen, die sich ein um das andere Mal als 12. und manchmal sogar als 13. Mann im Stadion bewährt und die Mannschaft zum Sieg treibt.

Es tut der allgemeinen Fanseele schlichtweg gut, wenn ein gewachsener Fußballverein sowohl fußballerisch wie auch hinsichtlich seiner mitreißenden Fankultur überzeugen kann.

Harald Lange

Es geht in dieser Europa League nicht um die vermeintlich absolute Spitze des Fußballs. Nicht um Mannschaften, die um die nationalen Meisterschaften mitspielen oder sich gar einen Finaleinzug in der Champions League ausrechnen. Es geht allerdings um ehrlichen, authentischen Wettbewerb. Diese Spiele gefallen uns deshalb auch vor allem dann, wenn Traditionsmannschaften aufeinandertreffen. Mannschaften, die der Eintracht hinsichtlich ihrer Werte, Geschichte und vor allem Verbindung zur jeweiligen Stadt, Region und Fanbasis gleichen.

Harald Lange geht in seiner neuen Gastkolumne der Faszination um Eintracht Frankfurt auf den Grund.

Auch deshalb schauen die fußballinteressierten Fans aus dem ganzen Land überaus respektvoll auf dieses Endspiel, denn dort stehen sich zwei Traditionsmannschaften gegenüber. Der besondere Clou: Die Glasgow Rangers haben im Halbfinale den unbeliebten Kommerzclub Rasenballsport Leipzig ausgeschaltet und allen traditionsbewussten Fußballfans damit ein wirklich wertvolles Finale beschert. Es scheint, als sei der Wettbewerb in diesem Jahr enorm aufgewertet worden.

Sowohl Eintracht Frankfurt, wie auch die Glasgow Rangers verkörpern derzeit einen beeindruckenden Kanon ideeller Werte, die im Kommerzfußball während der zurückliegenden Jahren mehr und mehr an den Rand gedrängt wurden. Im Schatten der Champions-League-Reform, des finanziellen Gigantismus der Investorenclubs und der Serienmeisterschaften des FC Bayern tut es der allgemeinen Fanseele schlichtweg gut, wenn ein gewachsener Fußballverein sowohl fußballerisch wie auch hinsichtlich seiner mitreißenden Fankultur überzeugen kann.

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