1. torgranate
  2. Granatenstark
  3. Meinung

Flitzer Mario Ferri: Der beste Italiener bei dieser WM

Erstellt:

Flitzer
Flitzer Mario Ferri sorgte bei Portugal gegen Uruguay für Aufsehen. © Tom Weller/dpa

Die Mannschaft des amtierenden Europameisters Italien hatte sich zwar nicht für diese Weltmeisterschaft qualifiziert, das Land stellt aber trotzdem für mindestens ein Spiel den „Man of the Match“. Das erklärt der renommierte Sportwissenschaftler Harald Lange in seiner 45. Gastkolumne für torgranate.de.

Mario Ferri, selbst Fußballer im halbprofessionellen Bereich, schaffte es in der Partie zwischen Portugal und Uruguay als Flitzer durch eine Kombination aus Geschick, Schnelligkeit und Raffinesse das Spielfeld einmal zu überqueren. Sein mutiger Lauf in der 51. Spielminute beeindruckte gleich zu Beginn durch ein geschicktes Ausweichmanöver, mit dem er einen Ordner ins Leere laufen ließ und dauerte circa 30 Sekunden, bis er durch einen harten Bodycheck eines Security-Mitarbeiters aus dem Spiel genommen wurde.

Flitzer Mario Ferri: Der beste Italiener bei dieser WM

Zuvor hatte Ferri eine Sicherheitslücke im Flitzer-Abwehrsystem der Fifa entdeckt. Das Spielfeld wird bei dieser WM von mindestens 100 Ordnern bewacht, die während der gesamten Spielzeit dem Feld ihren Rücken zuwenden und die Zuschauer beobachten. Ferri machte die Trainerbank als Schwachstelle aus und gelangte mit einem mutigen Sprung über das Dach dieser Bank ins Spiel.

Auf seinem blauen T-Shirt mit dem Superman Logo sendete der Italiener, der zu Beginn dieser Saison noch für den Fußballclub Tre Fiori aus San Marino in der Qualifikation zur Europa Conference League spielte, zwei weltpolitische Botschaften: „Safe Ukraine“ und „Respect for Iranien Woman“. Außerdem führte er eine Regenbogenflagge mit sich, die er während seines Laufes geschickt neben dem Schiedsrichter fallen ließ. Das war klug, denn der Unparteiische Alireza Faghani aus dem Iran nahm die Fahne in die Hand, um sie vom Spielfeld zu entfernen. Damit lieferte der Schiedsrichter ein weiteres bedeutungsschweres Motiv für die zahlreichen Fotografen, die die Botschaften des italienischen Flitzers in Sekundenschnelle in aller Welt verbreiteten.  

Harald Lange
Harald Lange © privat

Inzwischen hat sich der Flitzer über Instagram zu Wort gemeldet. Er wurde aus dem Arrest entlassen, ist wohlauf und deutet an, dass er mit diesem Auftritt im Lusail Stadion seine Karriere als Flitzer beenden möchte. Nach Auftritten bei der WM 2010 in Südafrika, im Halbfinale zwischen Spanien und Deutschland, der WM in Brasilien, in der Champions League und vielen weiteren Sportevents tritt er ehrenvoll ab. Wahrscheinlich mit dem größten Coup, den ein Flitzer jemals erreichen konnte.

Deshalb sollte er sich aus meiner Sicht auch mit einem Zitat, dass er am 29. November auf Instagram veröffentlichte, in allen Tagebüchern, Bilanzen und Rückblicken auf diese Fußball-Weltmeisterschaft verewigen: „Die Regeln zu brechen, wenn es für einen guten Zweck getan wird, ist niemals ein Verbrechen“

Flitzer Mario Ferri: Der beste Italiener bei dieser WM

Mario Ferri ist der Star unter den Flitzern dieser Welt! Keinem anderen ist es bis heute besser gelungen, treffende Botschaften zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu senden. Herzlichen Glückwunsch.

„Il Falco“, wie er in Italien unter Kennern der Szene respektvoll genannt wird, hält mit seiner Aktion nicht nur die Fifa zum Narren, sondern zeigt auch den Spielern, Funktionären und Politikern, wie man gegen Regeln verstößt und sich bei allen Beobachtern Anerkennung verschafft. In gewisser Hinsicht hält seine Aktion aber auch all denjenigen einen Spiegel vor, die von den Fußballprofis dieser Welt auf Knopfdruck wertbasierte Statements zu den Idealen des menschlichen Miteinanders erwarten.

Auch interessant