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Play-offs: Da scheiden sich die Geister

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Prof. Dr. Harald Lange äußerst sich in einem Gast-Beitrag zur Idee, die Play-offs in der Bundesliga durchzuführen
Prof. Dr. Harald Lange äußerst sich in einem Gast-Beitrag zur Idee, die Play-offs in der Bundesliga durchzuführen. © privat

Play-offs in der Bundesliga? Darüber schreibt unser Gast-Autor Prof. Dr. Harald Lange (53), der sich in unregelmäßigen Abständen in der Reihe „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ mit Themen rund um den Fußball beschäftigt. Lange ist Leiter des Instituts für Sportwissenschaft an der Justus-Maximilians-Universität Würzburg sowie Autor mehrerer Bücher.

Im Fußball werden allzuoft Themen diskutiert, die keine Kompromisse zulassen. Entweder-oder! Nirgends sonst „scheiden sich die Geister“ derart kompromisslos wie bei den wirklich wichtigen Fragen unserer Fußball- und Fankultur. Da lohnt es sich doch einmal genauer hinzuschauen und auch dieses Mal danach zu fragen, ob das wirklich stimmt und was wir aus den zahllosen Konfrontationen der in diesem Sinne „geschiedenen Geister“ lernen können.

Wenn wir Dank des ersten breit gestreuten Medienauftritts der neuen DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen derzeit wieder über Play-offs sprechen, geht es in Wirklichkeit um nichts anderes als um den Kern der fußballbezogenen Unterhaltung: Die Spannung, Dramatik und Faszination des Wettkampfes. Und Oliver Bierhoff, der Vordenker in der DFB-Leistungssportabteilung findet die Play-offs sinnvoll, wie er bei „Sky“ feststellt: „In den Play-offs ist immer alles möglich, sie haben sich in vielen Sportarten durchgesetzt. Das sehen wir im American Football und im Basketball. Man muss alles diskutieren.“

Aber genügt das? Denn wir alle wissen, im Fußball geht es um weitaus mehr. Deshalb bringt Uli Hoeneß im Talk bei „Servus TV“ die Gegenposition unmissverständlich auf den Punkt: „Ich finde das lächerlich. In der Bundesliga soll der Meister werden, der nach 34 Spieltagen der Beste ist und der durch dick und dünn gegangen ist mit seinem Team. Das ist doch nur ein Gesetz gegen Bayern München! Das hat doch nichts mit Spannung zu tun.“

Harald Lange über Play-offs in der Bundesliga: Was ist richtig, was ist falsch?

Zeit für ein Zwischenfazit: Eine dieser beiden Meinungen ist falsch, möglicherweise auch schrecklich, geschmacks- und haltlos, wahrscheinlich sogar absolut untragbar. Welche das ist, ist jedem klar, der bereit ist, sich eine der beiden Positionen anzuschließen. Wer noch nicht so weit ist, kann sich später entscheiden: Die Spannung des K.o.-Wettbewerbs oder die Tradition eines gewachsenen Wettbewerbs, bei dem alle durch „dick und dünn gehen“.

Die Debatte um Play-offs wird spätestens in der Schlussphase der aktuellen Meisterschaft zurückkehren und uns eindrücklich demonstrieren, wo und wie sich die Geister unserer Fußballexperten weiterhin scheiden werden. Dabei geht es im Kern dieser Meinungsverschiedenheit um die Frage nach den zentralen Werten im Fußball.

Im vorliegenden Fall: „spannende Unterhaltung“ oder „die Tradition des gewachsenen Ligabetriebs“. Neben den genannten wird der Fußball aber vor allem durch zahlreiche weitere Wertvorstellungen mit Leben gefüllt: Fairplay, Solidarität, Ehrlichkeit, Freundschaft, Teamgeist, usw. Werte wie diese leiten unser Denken, Fühlen und Handeln. Nicht nur im Fußball. Sie bestimmen die Nadel unseres moralischen Kompasses, so dass wir in jeder – noch so komplizierten Situation – ganz genau wissen, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Ich kann mir nichts Praktischeres vorstellen als diese Werte. Idealerweise derart geronnen und geordnet, so dass sie bei jedem von uns in der Lage sind, diesen besagten moralischen Kompass so zu steuern das wir selbst, aber auch alle um uns herum etwas davon haben.

Der moralische Kompass

Wir müssen lediglich die Frage beantworten, um welche Werte es dabei gehen soll und wie genau sie zueinander stehen. Welcher Wert steht im Zentrum und bedingt die Anordnung aller anderen Werte? Möglicherweise wird diese zentrale Position in der Fußballphilosophie Oliver Bierhoffs durch einen anderen Wert (Unterhaltung/Spannung) besetzt als dies bei Uli Hoeneß der Fall ist (Tradition).

Zumindest in Hinblick auf die Play-off-Debatte. In allen anderen Debatten gilt es zu prüfen. welche Wertvorstellungen uns leiten. Als Referenz bietet sich erneut das Fußballspiel in seiner ursprünglichen Form an. Donata Hopfen und alle anderen Entscheider im Management des großen Fußballs wären gut beraten, sich das Spiel genau anzuschauen, um herauszufinden, an welchen Werten wir uns in allen sportbezogenen Entscheidungen orientieren sollten.

Wer von Euch mag ihnen dabei behilflich sein und Vorschläge unterbreiten? Worum geht es in diesem Spiel? Was sind eure wertvollen Erfahrungen aus dem Fußball?

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