Symbolbild RB Leipzig Schriftzug Torwart
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Gemeinsam auf Fanartikeln mit RB Leipzig? Das schließt der SC Freiburg aus.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz (15)

SC Freiburg zeigt Kante und zieht eine Grenze zum „Konstrukt“ RB Leipzig

Die Säbel rasseln! Es sind zwar noch knapp drei Wochen bis zum Finale des DFB-Pokals am 21. Mai zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig, aber der Spannungsbogen wird seit Tagen eifrig gespannt. Darüber schreibt Prof. Dr. Harald Lange in seiner Gastkolumne.

Die Deutsche Presseagentur vermeldete es als erste: „Der SC Freiburg verbietet vor dem DFB-Pokalfinale die Verwendung seines Logos für gemeinsame Fanartikel mit Gegner RB Leipzig. Außerdem sei dem Gegner untersagt worden, das Wappen des Clubs zu nutzen.“ So schnörkellos diese Pressemitteilung daher kommt, so deutlich fällt sie hinsichtlich der zugrunde liegenden Bedeutung aus. Da wird Öl ins Feuer gegossen.

Das Duell der beiden Fußballmannschaften ist ohnehin hochbrisant. Im Endspiel um den altehrwürdigen DFB-Pokal treffen zwei grundverschiedene Modelle von Bundesliga-Fußball aufeinander: Auf der einen Seite mit dem SC Freiburg ein echter Verein mit circa 30.000 Mitgliedern und auf der anderen Seite - bei Rasenballsport Leipzig - das krasse Gegenteil: Die Sachsen haben nicht nur einen beinahe lächerlich anmutenden Vereinsnamen, sondern auch eine andere Konstruktionsidee. 

Im DFB-Pokal-Finale geht es um einen Kulturkampf im Fußball

Kritiker unterstellen dem Club nichts anderes als ein PR-Konstrukt eines Getränkeherstellers zu sein. Deshalb genügen den Leipzigern auch 21 Vereinsmitglieder, die fast alle mit dem Management des Getränkeherstellers verwoben sind. In dem anstehenden Finale wird also um mehr als um den Sieg im DFB-Pokal gespielt. Es geht um einen Kulturkampf. Um ein Endspiel, in dem sich zwei grundverschiedene Organisationsmodelle des Fußballs gegenüberstehen.

Leipzig hat zum zweiten Mal die Chance, einen (nationalen) Titel zu gewinnen und sich damit als erfolgreicher Fußballclub sichtbar zu etablieren. Das wäre ein enormer Reputationsgewinn für diesen „Verein“, den die aktive Fanszene (fast) aller anderen Fußballvereine nicht auf Augenhöhe sehen will und ihn deshalb despektierlich als „das Konstrukt“ bezeichnet.

Folglich versuchen die Leipziger nach außen hin so „normal“ wie möglich aufzutreten. Betonen in den Debatten strickt das Fußballerische und nicht die Tradition des Deutschen Vereinswesens. Spielen mit ihrer Leistungsfähigkeit und der daran gebundenen Chance, der Übermacht der Bayern etwas entgegen zu setzten. Außerdem kreieren sie sich selbst ein Image als Fußballmannschaft. Wollen für eine moderne Spielphilosophie stehen. Verweisen auch darüber auf die Fußballtradition Leipzigs, sehen sich sogar als Aushängeschild der Fußballregion Sachsen, ja sogar Ostdeutschlands. Deshalb tut es besonders weh, wenn die Freiburger vor dem Finale die fußballkulturelle Augenhöhe so rigoros verweigern.

Freiburger Fans gefällt Fanartikel-Boykott gegen RB Leipzig

Bislang war es auch in der Bundesliga guter Brauch, zu wichtigen Spielen sogenannte Begegnungsschals und andere Fanartikel zu produzieren. Dort werden neben den Daten zum Spiel auch die Wappen der Clubs abgedruckt. Solche Artikel sind bei Fans als Erinnerungsstücke sehr beliebt. Deshalb stimmen sich die Marketingabteilungen der Bundesligaclubs auch regelmäßig ab, um den Fans solche Angebote bieten zu können. Der Hamburger SV (Halbfinalgegner der Freiburger) hatte beispielsweise sein Einverständnis für die Verwendung des Wappens gegenüber den Leipzigern bereits zugesichert. Aber nun stehen ja die Freiburger im Finale und die wollen auf keinen Fall mit derartigen Kooperationen sichtbar werden. Den Freiburger Fans gefällt das. So vermeldet beispielsweise das Freiburger Onlinemagazin „Nordtribüne.org“ auf seiner Instagram-Seite: „Keine gemeinsame Sache mit dem Konstrukt“.

Prof. Dr. Harald Lange fragt sich in seiner Gastkolumne, welche Formen des Kommerz sich mit der Fußballtradition vertragen.

Außerhalb von Freiburg fallen die Reaktionen in den Fanszenen unterschiedlich aus. Bei denjenigen, die über die fehlende Vereinskultur der Leipziger hinwegsehen können, kommt die Freiburger Entscheidung nicht gut an. Sowas sei kleinkariert, albern, ja sogar unsympathisch und unsportlich. Demgegenüber befeuern die Freiburger den ohnehin schon existierenden Spannungsbogen zu diesem Finale nochmal neu.

Mit dem „Konstrukt“ Leipzig haben wir in der Tat ein Symbol eines nach wie vor ungeklärten Problemzusammenhangs im Profifußball: Welchen Fußball wollen wir? Wie viel Kommerz verträgt dieser traditionelle und gesellschaftlich verwurzelte Sport? Präziser: Welche Formen des Kommerz können sich mit der Fußballtradition vertragen? Wo liegen Grenzen zwischen einem PR-Club und der gewachsenen Fußballtradition? Wer hat eine Idee, diese Problemlage erfolgversprechend zu moderieren und irgendwann zu lösen? Ich bin jedenfalls noch nicht so weit und halte definitiv Freiburg die Daumen!

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