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Götze fragt nach: Wie viel Boykott steckt in der WM?

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Von: Johannes Götze

Demonstration gegen Fußball-WM in Katar
Wie viel Boykott steckt in dieser WM? Autor Johannes Götze hat sich in den Redaktionsräumen umgehört © Roberto Pfeil/dpa

An dieser Stelle wirft Torgranate-Redakteur Johannes Götze täglich seinen ganz persönlichen Blick auf die WM in seiner Kolumne „Mach ihn! Er macht ihn!“.

Wie viel Boykott steckt wirklich in dieser WM? Dieser Frage habe ich mich gestern in einer nicht-repräsentativen Umfrage gewidmet. Und zwar in unseren Redaktionsräumen. 

Götze fragt nach: Wie viel Boykott steckt in der WM?

Und siehe da: Gleich meine ersten fünf „Opfer“ schauten bislang weg. Aus unterschiedlichen Gründen. Zwei Kolleginnen gaben an, dass sie sich grundsätzlich nicht für Fußball interessieren und schon vor vier Jahren kein Spiel sahen. Eine andere interessiere sich nur am Rande und wolle durch das Nicht-Einschalten ihre kritische Haltung über die Vergabe nach Katar unterstreichen. Und zwei weitere Kolleginnen meinten, dass sie Public Viewing reize, die Gemeinschaft. Da dies nun fehle, könne keine WM-Stimmung aufkommen. 

Zwischenergebnis: Drei von fünf Fans hat die FIFA durch die Vergabe in den Winter und nach Katar in den ersten zwei Büros verloren. Ob das die FIFA interessiert? Repräsentativ ist das nicht, aber ein Fingerzeig. Vor vier Jahren schauten im Schnitt 25 Millionen Menschen den Deutschen in den Gruppenspielen zu, gegen Spanien waren es rund 32 Prozent weniger. 

Torgranate-Redaktuer Johannes Götze.
Torgranate-Redaktuer Johannes Götze. © Max Dellemann / Heldenzeit

Aber es muss doch jemand Fußball geschaut haben! Dementsprechend führte mich der Weg in die Sportredaktion – und dort war keine Spur von Boykott. Alle hatten gegen Spanien den Fernseher an. Die meisten schauen alles, was in ihren (Arbeits-)Tag passt. Der Sportler und der Wettkampf zähle.

Schnell ein paar vermeintliche Fachgespräche über Aufstellung, Probleme und Aussichten – und schon kam mir der Chefredakteur auf dem Weg in die Lokalredaktion vor die Flinte gelaufen. Er sorge sich weiterhin um die Abwehrreihe. Kein Wunder, der Mann ist Bayern-Fan, da ist er stabilere Gebilde und weniger Gegentore gewohnt. Nun gut, ein Boykottler ist er nicht.

Und die Kollegen im Lokalen? Die erste winkt ab, die zweite hingegen ist noch immer vom ihrer Meinung nach starken Spiel begeistert, und unser Redakteur mit Doktortitel schaue diesmal deutlich weniger, bislang nur die deutschen Spiele. Früher habe er mehr Partien geguckt. 

Das Ergebnis meiner Studie: WM-Stimmung kann im Schatten der Weihnachtsmärkte kaum aufkommen und kostet die FIFA viele Eventzuschauer. Das schmerzt sogar den Weltverband – und freut mich.

Der Autor:

Johannes Götze ist verliebt. In den Fußball. Schon immer. Seit 2014 trägt er seinen Nachnamen mit noch mehr Stolz. Er schaut Spiele am liebsten allein und scheut Public Viewing. Wäre diesmal auch kälter als sonst. Seit 2014 ist er Redakteur bei torgranate.de und kümmert sich sonst vornehmlich um Amateurfußball, den er mehr liebt als den Kommerz ein paar Ligen weiter oben. Die FIFA mag er nicht. Einen Wettbewerb mit den besten Fußballern der Welt schon. Habt ihr Gedanken, die ihr mit dem Autor teilen wollt, schreibt ihm doch. Bei Facebook. Bei Instagram. Oder per Mail. johannes.goetze@torgranate.de.

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