1. torgranate
  2. Granatenstark
  3. Meinung

Infantino macht, was er will, denn er hat keinen Gegenspieler

Erstellt:

Arabisches Gewand
Schien selbst wenig begeistert von der Aktion: Argentiniens Kapitän Lionel Messi im Bischt. © Tom Weller/dpa

Die WM in Katar war sicherlich nicht die beste WM aller Zeiten, aber sie zeigte uns unmissverständlich auf, in welche Richtung sich der Fußball der Zukunft in den Händen des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino entwickeln wird, sagt Sportwissenschaftler und Kolumnist Harald Lange.

Für Geld machen die alles. Sie verkaufen alle Symbole und Werte des Fußballs und niemand wird sie in den kommenden Jahren aufhalten. Wer sollte das auch tun? Die UEFA, aber auch nationale Verbände wie der DFB können sich in der Bewertung der Fans und Vereinsmitglieder nicht positiv von der FIFA abheben. Nirgends existiert eine wertebasierte Vision zur Zukunft des Weltfußballs, keine Alternative zum FIFA-Modell und deshalb auch kein ernstzunehmender Gegenspieler für Gianni Infantino.

Harald Lange: Infantino macht, was er will, denn er hat keinen Gegenspieler

Stattdessen wissen wir, dass die Kommerzialisierung nach dieser umstrittenen WM nochmals richtig Fahrt aufnehmen wird. Die nächste WM 2026 wird auf 48 teilnehmende Nationen aufgebläht und ein Jahr zuvor soll eine Club-WM mit 32 Mannschaften noch mehr Geld in die Kassen der Fußballbosse spülen. Wahrscheinlich wird Saudi-Arabien 2030 die nächste Wüsten-WM ausrichten und Katar wird 2036 Olympische Spiele veranstalten. Herzlichen Glückwunsch!

Die internationale Fußballfamilie wird ihren Präsidenten ohne Zweifel bis 2031 im Amt halten und jeder wird versuchen, ein möglichst großes Stück dieses Geldsegens abzubekommen. Dafür werden die Symbole, Werte und Helden des Sports bereitwillig verkauft. Alles ist nur eine Frage des Geldes. Nichts ist heilig.

Einen vielsagenden Vorgeschmack auf diese Zukunft lieferte das wichtigste Foto dieser WM. Es zeigt den Moment, in dem Lionel Messi im Kreis seiner Mannschaftskameraden den Weltpokal in den Abendhimmel von Doha hebt. Dieses Foto wird für immer im kollektiven Gedächtnis des Fußballs bleiben und an ein episches Finale erinnern. Wir kennen solche Bilder und sind diesmal dennoch irritiert. Ein schwarzes Gewand, der arabische Bisht, setzt einen auffallenden Akzent in der Kleiderordnung des WM-Jubels. Er wurde vom Emir des Wüstenstaates dem herausragenden Spieler dieses Turniers übergezogen. 

„Wer soll solche Bilder in Zukunft verhindern?“

Wohl wissend, dass damit eine bleibende Botschaft in den Fußballgeschichtsbüchern festgehalten wird. Katar hat sich diese WM gekauft und jeder andere Staat, der demnächst genügend Geld auf den Tisch legen kann, wird vergleichbare Botschaften in die Welt senden dürfen. Ein genialer Schachzug der WM-Organisatoren und ein weiteres Beispiel, das uns zeigt, wie der Sport bereitwillig zum Spielball des internationalen Sportwashing gemacht wird.

Harald Lange
Harald Lange. © privat

Ehemalige Weltklassespieler wie Bastian Schweinsteiger oder Gary Lineker hatten spontan reagiert. Sie wissen um die Bedeutung solcher genialen Momente des Sports und zeigten sich dementsprechend entsetzt. „Da nimmt man dem Spieler einen ganz großen Moment“, sagte Schweinsteiger in der ARD und Englands Fußball-Legende Gary Lineker bringt die peinliche Schlussszene dieser WM folgendermaßen auf den Punkt: „In gewisser Weise ist es beschämend, dass sie Messi in seinem argentinischen Trikot verdeckt haben.“

Ich meine, wir werden uns an solche Bilder gewöhnen müssen. Wer sollte das verhindern? Spieler wie Lionel Messi werden sich auch in Zukunft nicht verweigern können, denn sie verdienen ihr Geld in und mit diesem System. Messi hätte es sich nicht leisten können, den schwarzen Umhang gleich wieder abzulegen. Schließlich bekommt er bei seinem Verein Paris Saint-Germain das Geld aus Katar und nebenberuflich arbeitet er als Tourismus-Botschafter für Saudi-Arabien. So gesehen passt der schwarze, arabische Bisht ganz hervorragend ins Bild. Der Mantel des Geldes verdeckt die eigentlichen Symbole dieses Sports.

Auch interessant