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Investoreneinstieg: Scheitert die Idee auf der Zielgeraden?

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Von: Harald Lange

Zum Beispiel Dortmund: BVB-Chef Aki Watzke ist für Liga-Investoren, die Fans im Stadion sind dagegen.
Widerstand gegen die DFL: Viele Fans - wie hier in Dortmund - halten nichts vom Einstieg von Inveestoren. © dpa

In der Chefetage der DFL hatte irgendjemand Geld gewittert und die Idee eines Investoreneinstiegs ins Spiel gebracht. Am Mittwoch sollen die Vertreter der 36 Profiklubs erstmals am großen Tisch darüber diskutieren und abstimmen. Unser Kolumnist Harald Lange äußert sich zum Einstieg von Investoren.

Die Väter dieser Idee brauchen eine Zweidrittelmehrheit. Erst dann rollt der große Rubel. Genau das wird schwierig werden, denn in den letzten Tagen sind immer mehr Ungereimtheiten ans Licht gekommen. Fakt ist: So einfach wie Ligaboss Hans Joachim Watzke den Deal vor wenigen Wochen erklärt hat, ist er gar nicht. Die Informationspolitik der DFL-Oberen sah bislang rosarot aus. Es war lediglich von Milliardeneinnahmen und Investitionen in Infrastrukturprojekte die Rede. Die Digitalisierung und internationale Vermarktung des Deutschen Fußballs sollte vorangetrieben werden. 

Investoren-Deal der DFL: Scheitert die Idee auf der Zielgeraden?

Kostet sowas wirklich zwei bis drei Milliarden Euro? Ich bin da skeptisch und frage: Wie groß soll der Anteil des Kuchens sein, der direkt in den Etat der einzelnen Klubs und damit in die Taschen von Spielern, Beratern und anderen Managern fließt? Nach welchem Schlüssel werden die üppigen Summen verteilt? Stimmt es, dass zuallererst die vier bis acht reichsten Klubs der ersten Liga profitieren und deutlich mehr Geld bekommen werden als alle anderen?

Genau diese Sorge macht derzeit die Runde. Eine Handvoll Klubs der Bundesliga werden die Vorteile abschöpfen und sich in den kommenden Monaten und Jahren mit dem frischen Geld neue Spieler kaufen können. Dadurch würde deren Vorsprung vor dem Rest der Liga und ganz Fußballdeutschland nochmals vergrößert. Wenn die Kluft zwischen den großen und den kleinen Klubs der Liga mithilfe des Investorengeldes noch größer wird, dann erreichen die Fußballmanager genau das Gegenteil von dem, was sie geplant hatten. 

Investoren-Suche der DFL: Drittliga-Klubs fordern Beteiligung

Eine langweilige Liga wird in der internationalen Vermarktung keine Chance haben. Egal, wie viele Freundschaftsspiele der FC Bayern in Asien oder Amerika absolviert. Egal, ob Borussia Dortmund ein Büro in Asien unterhält. Egal, ob die Klubs der ersten und zweiten Liga vollends digitalisiert daherkommen.

Spannung entsteht vor allem durch einen fairen und ausgeglichenen Wettbewerb. Interesse wächst zu einem nicht unerheblichen Anteil aus Tradition, Verbundenheit, Geschichte und Leidenschaft. Da sehe ich das zu erschließende Potenzial im deutschen Fußball! Die DFL-Bosse wären gut beraten, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und das Rattenrennen um immer mehr Geld endlich zu beenden. Der Kommerzfußball muss wieder geerdet werden und sich zuallererst an den Werten des Sports orientieren. Wenn der Fußball nur in seiner Spitze wachsen soll und die breite Basis dabei vergessen wird, dann bewegt er sich geradewegs in eine Sackgasse.

Die 36 Plätze in den ersten beiden Ligen sind nur deshalb so attraktiv, weil knapp 25.000 Vereine ab der Kreisliga um Punkte und Aufstiege konkurrieren.

Harald Lange

Inzwischen hat sich auch eine Gruppe von Traditionsvereinen aus der dritten Liga zu Wort gemeldet und kritisiert, dass sie an den DFL-Plänen nicht beteiligt sind. Zu Recht, denn Klubs wie Dynamo Dresden, Rot Weiß Essen, der 1. FC Saarbrücken, der MSV Duisburg und viele andere haben in den zurückliegenden Jahrzehnten mit dazu beigetragen, dass die Bundesliga so gut dasteht. Die 36 Plätze in den ersten beiden Ligen sind nur deshalb so attraktiv, weil knapp 25.000 Vereine ab der Kreisliga um Punkte und Aufstiege in die höheren Spielklassen konkurrieren. Genau dort sehe ich ein beachtliches Potenzial, dass sich für die Wertsteigerung des (Profi-)Fußballs heben ließe.

Deshalb wäre es klug, auf die Milliarden der Investoren zu verzichten und stattdessen eine Reform der Strukturen des Deutschen Fußballs auf den Weg zu bringen. Welchen Fußball wollen wir? Holt bei der Diskussion und Beantwortung dieser Frage die Fans und vor allem die kleinen Vereine des Deutschen Fußballs mit ins Boot! Denn dort spielt und atmet auch die Basis des großen Bundesligafußballs. Dort entsteht Begeisterung für den Sport. Dort investieren Eltern Zeit und Geld in das Training und Fußballspiel ihrer Kinder und dort entstehen letztlich die Einschaltquoten.

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