1. torgranate
  2. Granatenstark
  3. Meinung

Jamal Musiala: Was uns sein geniales Tor über den Fußball und dessen Faszination verrät

Erstellt:

Jamal Musiala FC Bayern München Ridle Baku VfL Wolfsburg
Jamal Musiala verzaubert Fußball-Deutschland. © dpa/Sven Hoppe

Es wurde erwartet: Die Bayern gewinnen und wir haben tatsächlich gleich am zweiten Spieltag neue Themen, über die wir gern ins Gespräch kommen und die Langeweile in der Meisterschaft kompensieren.

Jamal Musiala ist das Talent der Stunde. Er hat am Samstag einen neuen Rekord aufgestellt: Kein Teenager hat bislang mehr Tore für den FC Bayern München geschossen. Musiala hat inzwischen 14 Tore erzielt und mit seinem Treffer gegen den VfL Wolfsburg den legendären Uli Hoeneß von Platz eins dieser Statistik verdrängt.

Nach dem zweiten Spieltag überschlagen sich die Experten mit Lobeshymnen. So einen hat der deutsche Fußball gebraucht. Er spielt unkonventionell, erfrischend, mutig und dribbelt wie kein Zweiter in der Bundesliga. Inzwischen liegen unzählige Analysen und Expertenmeinungen zu seinem Spiel und Talent vor. Durchaus lesenswert und enorm aufschlussreich. Aber die Genialität dieses Spielers lässt sich bislang noch nicht auf den Punkt bringen, in eine Formel übersetzen oder in einer detaillierten Analyse abbilden.

Dafür bleibt uns der Genuss beim Zuschauen und Bewundern. Genau das macht den Reiz für Fans und Zuschauer aus. Aus diesem Grund gehen die Menschen ins Stadion und erfreuen sich an Spielszenen und Toren, die manchmal gar nicht möglich scheinen und dennoch passieren. Beispielsweise das 1:0 gegen Wolfsburg in der 33. Minute.

Jamal Musiala: Eleganz und Leichtigkeit beim FC Bayern

Mit einer faszinierenden Eleganz und Leichtigkeit setzte sich Musiala im Fallen gegen zwei Wolfsburger Abwehrspieler durch. Er nimmt ihnen den Vorteil, indem er erst gar nicht vollends hinfällt, den Ball immer kontrolliert, sich aufrappelt und schließlich aus 17 Metern ins linke Eck schießt. So eine Szene findet man in keinem Lehrbuch und sie lässt sich wohl auch in keiner Trainingseinheit exakt vorbereiten. Und dennoch gibt es immer wieder Spieler, die sowas "einfach" machen. Sie tragen mit derartig unkonventionellen und frechen Aktionen ganz maßgeblich dazu bei, die Faszination des Spiels zu befeuern. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn genau aus diesem Grund brennen Zuschauer und Fans, aber auch Mit- und Gegenspieler, für Spieler dieser Güte.

Wo lernt man sowas? Beim osthessischen Fußballclub TSV Lehnerz, wo die Fußballaufbahn des Jamal Musiala einst begonnen hat? Oder irgendwo auf seinen weiteren Stationen im Profifußball? In den britischen Proficlubs und den englischen U- Nationalmannschaften? Beim FC Bayern? In der deutschen A-Nationalmannschaft? In irgendeinem Nachwuchsleistungszentrum oder dort, wo es die meisten Experten vermuten: auf der Straße?

Jamal Musiala ist die Unberechenbarkeit in Person

Im Grunde ist die Antwort vollkommen egal. Viel wichtiger ist es Kinder und Jugendliche zu ermuntern, so oft sie wollen "einfach drauf los" zu spielen und Freude daran zu haben. Nur so kommt man in die Nähe der besonderen Faszination, die dieses (und viele andere) Spiele ausmacht: Die Unberechenbarkeit der eigenen Aktionen, das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Gewissheit, dass der selbstbestimmte Rhythmus und Spielfluss durch keinen Abwehrspieler dieser Welt unterbrochen wird.

Prof. Dr. Harald Lange äußerst sich in einem Gast-Beitrag zur xxx. Foto: privat
Prof. Dr. Harald Lange schreibt über Jamal Musiala. © privat

Was immer auch in dieser Woche und am nächsten Spieltag geschehen wird: Da wir nun alle wissen, dass Jamal Musiala so etwas kann, werden unsere Augen auf ihn gerichtet sein. Er führt uns gegenwärtig die Faszination des Fußballs vor und wird seine Mit- und Gegenspieler inspirieren. So wie Thomas Müller vom FC Bayern, der genau diese Perspektive in der Leistung Musialas nach Spielschluss gegen Wolfsburg auf den Punkt gebracht hat: "Manchmal kommt bei seinem Passspiel was Wildes raus, aber das war heute sehr gut."

Meine Inspiration, die mir die Auseinandersetzung mit diesem jungen Fußballspieler bislang gebracht hat, lässt sich mit einem Zitat, das Astrid Lindgren, der literarischen Mutter Pippi Langstrumpfs, zugesprochen wird, auf den Punkt bringen: "Lass Dich nicht unterkriegen; sei frech und wild und wunderbar“.

Auch interessant