Eintracht Frankfurt Oliver Glasner Trainer
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Frankfurts Trainer Oliver Glasner ist der große Gewinner des Trainerkarrussels in der Bundesliga.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz (18)

Kann man exzellente Trainer kaufen?

Im Nachhinein betrachtet haben fast alle Beteiligten viel Geld ausgegeben und dennoch verloren: Sowohl die Clubs, die sich neue Trainer gekauft haben, als auch die Clubs, deren Trainer weggekauft wurden. Bis auf Eintracht Frankfurt und Oliver Glasner. Die haben alles richtig gemacht, und die Frankfurt-Fans beten, dass der Erfolgscoach noch lange gehalten werden kann.

Denn: Eintracht-Coach Oliver Glasner ist der uneingeschränkte Gewinner des Trainerkarussells der vergangenen Saison. Damals wurde der Eintracht übel mitgespielt. Sowohl Sportdirektor als auch Erfolgstrainer und Sympathieträger Adi Hütter wurden von finanzstarken Vereinen weggekauft. Die Hertha aus Berlin holte sich Fredi Bobic und kämpfte diese Saison bis zur letzten Minute gegen den Abstieg. Das Wegschnappen des Fußballmanagers hat also erst mal nichts gebracht.

Auch bei Borussia Mönchengladbach ging es mit dem neuen Trainer Adi Hüter abwärts. Mit dem Ex-Eintracht-Coach konnte die Erfolgsspur nicht gehalten werden, die Vorgänger Marco Rose eingeschlagen hatte. Der wiederum wurde von den Dortmundern aus seinem Vertrag herausgekauft. Und dieser Einkauf brachte damals – inmitten der Pandemie – dieses Trainerkarussell erst in Schwung. Aus Sicht der Dortmunder überflüssig, denn sie hatten zum Saisonende das Glück, mit Edin Terzic einen Rohdiamanten für ihr Traineramt in Verantwortung gebracht zu haben. Bedauerlich, dass sie sich nicht getraut hatten, ihn in dieser Position zu halten.

Mit Blick auf die zurückliegenden Jahre wäre bei einer Wiederholung des diesjährigen Erfolges ohne Zweifel zu befürchten, dass größere Clubs anklopfen werden und sich aus der Trainerschmiede Frankfurt bedienen. Wie einst Bayern München, das den in Frankfurt als Trainer groß gewordenen Nico Kovac abgeworben und wenige Monate später fallen gelassen hat.

Wert der Trainer hat sich verändert

Die Rolle und der Wert von Fußballtrainern haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Nicht nur die großen, erfahrenen Trainer wie Jürgen Klopp haben das Potenzial, in der modernen Fußballwelt Stars zu werden. Der Weg zu einem Top Trainer ist möglich, trotzdem gibt es kein Programm oder Rezept, das potenziellen Trainertalenten den Weg in diese exzellente Sphäre weisen kann. Aber es gibt einschlägige Erfahrungen in den Clubs und bei den Trainern. Darauf sollten wir schauen, und davon sollten wir lernen.

Wenn wir uns die Arbeit der Trainertypen in der Bundesliga anschauen, stellen wir fest, dass teure Spielereinkäufe und ein „professionelles Management“ nicht ausreichen. Die Mannschaften aus Mönchengladbach, Berlin, Dortmund und Wolfsburg waren gut besetzt, und trotzdem sind alle eingekauften Trainer gescheitert. Mit Blick auf ihre alten Arbeitgeber fehlte bei den neuen das, was wir „Atmosphäre“ oder „Umfeld“ nennen. Nicht in Gänze, aber in der Ausprägung, die zu den Trainertypen gepasst hätte.

Harald Lange äußert sich im Gastkommentar zur Trainerentwicklung.

Ich möchte daher raten, sich das Umfeld der Vereine anzuschauen, die es in den zurückliegenden Jahren geschafft haben, Trainer und Sportmanager aufzubauen und weiterzuentwickeln. Neben dem 1. FC Köln (Steffen Baumgart), Union Berlin (Urs Fischer) und vor allem dem SC Freiburg (Christian Streich) spielt in dieser Liga auch die Frankfurter Eintracht vorne mit. Hier wurden in den vergangenen Jahren aus „guten Trainern“ regelmäßig exzellente Trainer. Bedauerlicherweise haben Nico Kovac und auch Adi Hütter die in Frankfurt performte Exzellenz alsbald verloren.

Viele Trainertalente, die ihren Stil finden können

Es spricht vieles dafür, dass Kovac in Monaco in die Erfolgsspur zurückgefunden hat. Deshalb werden wir beobachten, wie es ihm ab der nächsten Saison in Wolfsburg ergeht, denn der VfL aus der VW-Stadt zählt zu den Clubs, die in der Vergangenheit eher Trainer verbraucht und nicht aufgebaut haben.

Der Aufbau und die Entwicklung guter und exzellenter Trainer ist eine gigantische Leistungsreserve für den deutschen Fußball. Wir haben viele Trainertalente und eine überaus heterogene Fußballlandschaft. Deshalb bieten sich engagierten und begabten Newcomern in der Trainerszene ausgezeichnete Gelegenheiten, ihren Stil zu finden und neue Maßstäbe in der Fußballphilosophie zu setzen.

Ich werde in der kommenden Saison vor allem auf die Trainerarbeit in Dortmund schauen. Die Verpflichtung von Edin Terzic ist ein deutliches Zeichen dafür, dass man auf Talente setzt, die in eine gewachsene Struktur hineinpassen und das Zeug haben, genau deshalb Exzellenz zu entwickeln.

Fazit: Exzellente Trainer kann man nicht kaufen! Man muss Sie entwickeln!

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