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Joshua Kimmich ist einer der Leader im deutschen Fußball. Ist er geeignet, um künftig einen Posten im DFB einzunehmen?

Die Wahrheit liegt auf dem Platz (21)

Leadership im Fußball: Wo sonst lerne ich so viel über Führung?

Immer dann, wenn Führungspositionen im Sport zu vergeben sind, stellt sich die Frage, woher die in Rede stehenden Kandidaten eigentlich kommen. Mit Recht, denn nirgends sonst werden so viele Führungsspieler und Leadership-Talente entwickelt wie im Fußball. Bedauerlicherweise werden die Leader, mit den besten Voraussetzungen für die Aufgabe, viel zu selten entdeckt. Der Grund ist einfach: Das System hat kein Interesse daran und setzt stattdessen lieber auf Machterhalt. Ohne Qualifikation, ohne Bewerbung, ohne Bestenauslese oder Wahlkampf. Einfach nur aus der Tiefe des Hinterzimmers heraus direkt in die lukrativen Chefsessel des Ehrenamts.

Das Thema „Führung im Fußball“ hat zwei Seiten: Einerseits brauchen wir im Fußball, seiner Organisation und im Ehrenamt „Führung“. Andererseits hilft der Fußball ganz maßgeblich dabei, Führungsqualitäten zu entwickeln. Nicht nur beim Spielführer, sondern bei jedem, der während des Spiels Verantwortung für das Gewinnen (und Verlieren) übernimmt. Diese einschlägigen Führungskompetenzen werden erschlossen, sobald Kinder begreifen, dass sie nicht allein auf dem Spielfeld stehen und nur gemeinsam mit den anderen gewinnen oder verlieren. Im Laufe der Spiele und Jahre wächst deshalb auch der einschlägige Erfahrungsschatz an Führungsqualitäten. Wir können sowohl aus gelungenen wie aus nicht gelungenen Aktionen lernen und manche Fußballer reifen auf diese Weise auf dem Platz zu regelrechten Führungsspielern heran.

Fußballverbände verfügen demnach über eine überaus wertvolle Ressource: Führungspersonal. Und wenn es gelingen sollte, die auf dem Spielfeld erworbenen und vertieften Führungsqualitäten in andere Felder zu übertragen, dann hätten die Verbände auf allen Ebenen und für alle Aufgabenfeder top ausgebildetes Personal.

All diejenigen, die nach der aktiven Laufbahn nur noch am Spielfeldrand stehen und zuschauen wollen, sich aber nicht mehr aktiv im Ehrenamt beteiligen möchten, nehmen natürlich die erworbenen Führungsqualitäten mit in das Berufsleben und alle anderen Felder, in denen sie Verantwortung übernehmen. Der Fußball ist deshalb auch eine beachtliche Ressource für die Gesellschaft: Ein Motor für die Entwicklung von Leadership.

Fußball ist eine beachtliche Ressource für die Gesellschaft

Problematisch sind allein die Wege, die sich den in dieser Hinsicht ausgebildeten Fußballspielerinnen und Fußballspielern eröffnen. Vieles hängt vom Zufall ab und deshalb bleibt so manches Talent nach der aktiven Zeit auf der Strecke. Es findet keinen Weg, das im Spiel erworbene bestmöglich auf andere Aufgaben zu übertragen und erfolgreich umzusetzen. Andererseits treffen wir in allen Berufen auf Persönlichkeiten, die uns glaubhaft versichern können, dass sie vieles von dem, was sie unter Leadership verstehen und können, im Sport gelernt haben.

Harald Lange.

Ich meine, es würde sich lohnen im Fußball Jahr für Jahr nach Talenten für Führungsaufgaben im Ehrenamt Ausschau zu halten. Dafür müsste das System entsprechend durchlässig werden. Schließlich erlernt man Leadership nur in realen Situationen. Deshalb wäre es wichtig, dass auf allen Ebenen in überschaubaren Abständen neues Personal integriert wird. Nur so bekommen die Führungstalente ihre Chancen, sich zu beweisen und das System bekommt Gelegenheit, sich von gewachsenen Seilschaften und Abhängigkeiten frei zu machen. Wir sollten deshalb skeptisch sein, wenn im DFB und den Landesverbänden vorwiegend diejenigen in die Chefsessel gesetzt werden sollen, die in den zurückliegenden 20 oder 30 Jahre nichts anderes getan haben, als diese Ochsentour im Funktionärswesen auf sich zu nehmen. Der längst überfällige Fall des unbeliebten Strippenziehers und ehemaligen DFB-Vize Rainer Koch ist ein gutes Beispiel für den frischen Wind, der nach dem Abgang solcher Machtmenschen möglich wird.

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