1. torgranate
  2. Granatenstark
  3. Meinung

Pele - der König des Fußballs

Erstellt:

Pelé gestorben
Die brasilianische Fußball-Legende Pelé ist im Alter von 82 Jahren gestorben. © -/AP/dpa

Pelé ist eine Ikone des Fußballs. Der Brasilianer gewann insgesamt drei Weltmeisterschaften und auf nationaler Ebene 27 Titel. Sportwissenschaftler und Kolumnist Harald Lange schreibt in seiner 50. Kolumne zum Tode Pelés.

Neben den Pokalsiegen und Meisterschaften, die er im Trikot des FC Santos in Brasilien erreichte, gewann er 1977 den Meistertitel mit Cosmos New York in den USA. Damals war er bereits Fußballrentner, denn in seiner besten Zeit als Spieler durfte er wegen eines Gesetzes der brasilianischen Regierung nichts ins Ausland wechseln. Pele wurde in Brasilien als „Nationales Gut“ eingestuft und war deshalb unverkäuflich.

Harald Lange über den Tod des brasilianischen Fußballs Pelé

Auch aus diesem Grund hat die brasilianische Regierung nach dem Bekanntwerden seines Todes eine drei Tage andauernde Staatstrauer angeordnet. Ihm wird damit eine Ehre zuteil, die auch im weltweiten Vergleich als außergewöhnlich und bedeutsam einzuordnen ist. In Europa gab es zuletzt wegen des Todes von Queen Elizabeth II eine Staatstrauer. Für Sportler war seit dem Tod des Portugiesischen Fußballers Eusébio (1942-2014) so eine besondere Anteilnahme nicht mehr vorgesehen.

Wir können Pelé deshalb aus Sicht der brasilianischen Nation getrost als König des Fußballs einordnen. So einen Titel bekommen nur wahrhafte Helden. Fußballkönige werden nicht als solche geboren. Sie entfalten ihr außergewöhnliches Talent und stellen ihre Fußballkunst in den Dienst der gesamten Nation. Sie lenken mit ihren Toren von den Problemen der Menschen ab. Aber sie zeigen auch, wie man auf der Grundlage harter, aufopferungsvoller Arbeit Großartiges erreichen kann. Sie verkörpern Werte wie Loyalität, Mut, Kreativität und Ideenreichtum und werden von den Fans und Zuschauern genau deshalb als Vorbilder wahrgenommen. Das, was diese Helden auf dem Fußballplatz darbieten, hat Transfersubstanz. In manchen Fällen geht danach ein Ruck durch die Wirtschaft und Gesellschaft eines Landes.

In Deutschland sind solche Vorbilder selten. Wir haben in den zurückliegenden Jahrzehnten viele begnadete Fußballer hervorgebracht und bewundert. Aber wirklichen Heldenstatus lassen wir nur bedingt zu. Vielleicht war aber die Zeit noch nicht reif für nationale Helden, die aus dem Sport kommen und dem Land und unserer Haltung etwas Nachhaltiges bringen. Im Moment der WM-Pokalübergabe waren Fritz Walter, Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus oder Philipp Lahm als Kapitäne ebenso Helden wie die meisten ihrer Teamkollegen. Torschützen wie Mario Götze, Andreas Brehme, Gert Müller oder Helmut Rahn konnten sich für alle Zeiten in den Geschichtsbüchern und den Herzen der ihnen zu jubelnden Fans verewigen. Mehr ging im Deutschen Fußball bislang nicht.

Harald Lange: Pelé führte den brasilianischen Fußball aus einer Depression

Mit Blick auf die euphorische Fußballstimmung in Argentinien wird uns gegenwärtig vorgeführt, was der Fußball für eine Nation zu leisten vermag. Die Mannschaft um Lionel Messi hat sich den derzeit gefeierten Heldenstatus redlich erarbeitet und wahrhaft verdient. Darüber hinaus scheint die Vergabe des Heldenstatus an weitere Bedingungen gebunden zu sein. Neben einer betrübten gesellschaftliche Stimmungslage braucht es eine längere sportliche Durststrecke. Argentinien musste lange warten. Die „La Albiceleste“ (Weißen und Himmelblauen) hatten seit dem letzten Titel 1986 zweimal im Finale gegen Deutschland verloren und trotz herausragender Spielerpersönlichkeiten lange auf diesen Titel warten müssen.

Harald Lange
Harald Lange © privat

Bei Pelé war es damals ähnlich. Er führte den brasilianischen Fußball aus einer Depression heraus direkt in die Phase der Euphorie. 1950 hatten die Brasilianer das Finale bei ihrer ersten Heim-WM gegen den Erzrivalen aus Uruguay im mit 200.000 (!) Zuschauern im ausverkauften Maracanã-Stadion mit 2:1 verloren. Erst mit Pelé und den unter seiner Führung errungenen WM Titel 1958, 1962 und 1970 kam der sportliche Erfolg und damit auch der Nationalstolz wieder zurück ins Land.

Mit Blick auf die in 17 Monaten beginnende Heim-EM in Deutschland sind die Voraussetzungen für die Auferstehung deutscher Fußballhelden jedenfalls so gut wie selten zuvor. Die sportliche Durstrecke dauert bereits viel zu lange an, die Niederlagen waren schmerzvoll genug und die gesellschaftliche Stimmungslage ist nach Corona, den Kriegswirkungen, der Energie- und Wirtschaftskrise ebenfalls am Boden. Schauen wir mal, ob die besten Fußballer des Landes daraus etwas machen können. Wer jedoch nicht an diese Idee glauben will, der mag seinen Blick auf die WM der Frauen 2023 in Australien und Neuseeland richten. Dort hat das DFB-Frauen-Team die Chance, Heldinnen hervorzubringen. Ich meine, genau das ist ein Zukunftsthema für unsere deutsche „Hall of Fame“.

Auch interessant