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Über Fußball sprechen – Was sind gute Fußballfragen?

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Petersbergs Trainer Jürgen Krawczyk im Gespräch mit Torgranate Volontär Leon Weiser
Das Interview mit dem Trainer nach dem Spiel. Sportredakteure tun dies an jedem Arbeitstag. © Charlie Rolff

Weshalb sprechen wir so gern über Fußball? Was sind gute Fußballfragen und weshalb ist es gerade im Fußball so, dass wir ein und dasselbe Spiel zuweilen unterschiedlich wahrnehmen und bewerten? Hierzu liefert Harald Lange in seiner Gastkolumne „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ ein aktuelles Beispiel vom Champions League-Finale.

Toni Kroos brach sein Interview mit dem ZDF Spielfeldreporter Nils Kaben mit einem krassen Kommentar ab: „Du hattest 90 Minuten, um dir vernünftige Fragen zu überlegen, und dann stellst du mir zwei so Scheißfragen“. Der Ex-Weltmeister wandte sich dann zunächst ab und setzte kurz danach im Vorbeigehen noch einen drauf: „Ganz schlimm, ganz schlimm“.

Durch diesen Konflikt hat der Finaltag ein weiteres Thema hinzubekommen. Ein eindrückliches Beispiel der Sportkommunikation, das uns deutlich macht, dass es im Fußball längst nicht nur um Sport geht. Der neu entstandene Gesprächsstoff wurde dann auch in fast allen deutschsprachigen Fachmedien während der zurückliegenden Tage ebenso ausgiebig diskutiert, wie unterschiedlich bewertet. Ich meine, es ist erstaunlich, wie viel Gesprächsstoff so eine Randerscheinung im Fußball bringen kann.

Nils Kaben und Toni Kroos: Bewertung hängt von der Perspektive ab

Uns bleibt in diesem Zusammenhang die Einsicht, dass diese Szene unterschiedlich bewertet werden kann. Gleichzeitig interessieren mich hier aber drei Fragen: Erstens: „Was sind Scheißfragen?“ Zweitens: „Was sind gute Fragen?“, und schließlich drittens: „Weshalb gehen die Meinungen darüber gerade im Fußball so weit auseinander?“

Jeder Spieler, Trainer und Zuschauer entwickelt seine Perspektive auf das Spiel. Selbstverständlich gibt es in der Analyse mitunter große Schnittmengen, aber viele Spiele, Szenen und Themen eines Spiels werden von uns unterschiedlich gesehen und erlebt. Das führt zu verschiedenen Standpunkten, Auswertungen und Meinungen. Mitunter auch zu handfesten Konflikten, wie wir am Beispiel des missglückten Interviews zwischen Toni Kroos und Nils Kaben nachvollziehen konnten.

Ob Nils Kaben nun eine „gute“ oder eine „Scheißfrage“ gestellt hat, bleibt also weiterhin offen. Die Bewertung hängt von der Perspektive ab. Deshalb ist es schade, dass sich aus dieser Interviewsituation kein wirkliches Gespräch ergeben hat. Schließlich wären zwei unterschiedliche Wahrnehmungen zum Kern dieses Spiels eine überaus fruchtbare Basis für ein spannendes Gespräch gewesen.

Harald Lange.
Harald Lange. © privat

Würden alle gleich wahrnehmen, einordnen und bewerten, dann wäre auch der Fußball langweilig, und die Gespräche über ihn wären wenig unterhaltsam. Die Herausforderung liegt deshalb darin, diese Unterschiede zuzulassen und – wenn sie uns nicht passen – auch mal auszuhalten. Selbstverständlich nicht, um die Meinung des anderen einfach nur zu übernehmen.

Journalisten tun dies an jedem Arbeitstag. Ihnen kommt hier eine Doppelfunktion zu, denn sie sprechen schließlich nicht nur aus persönlichem Interesse mit den Spielern, Trainern, Fans und anderen Experten über Fußball. Ihre Aufgabe gleicht oftmals der von Regisseuren oder Moderatoren, denn sie tragen mit ihren Fragen, Recherchen und Hintergrundberichten ganz maßgeblich dazu bei, dass die Themen, die der Fußball zu liefern vermag, auch erzählt werden.

Mit Blick auf das Champions League Finale gibt es deshalb auch mindestens tausend Geschichten, die erzählen können, dass Liverpool die bessere Mannschaft war. Vielleicht aber auch genauso viele, die das Gegenteil belegen. Unterm Strich sind es diese Gegensätze, die den Fußball zu so einem genialen Thema für Gespräche und Unterhaltung machen!

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