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Was bedeutet der Bundesliga-Zuschauerrekord im Frauenfußball?

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Würfel Eintracht Frankfurt Zuschauer
Der Würfel im Frankfurter Stadion sagt es: 23.200 Zuschauer wohnten dem Auftaktspiel in der Frauen-Bundesliga bei. © dpa/Sebastian Gollnow

23.200 Zuschauer beim Eröffnungsspiel der Frauen-Bundesliga markieren in der Partie zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern München einen neuen Rekord. Damit wird das Event quasi aus dem Stand heraus auf das Niveau des Männer-Bundesligafußballs katapultiert. Am Tag zuvor verfolgten nämlich ähnlich viele Zuschauer das Spiel zwischen Mainz und Hertha BSC (25.300).

Der Rekordversuch wurde früh angekündigt und durch engagierte Arbeit im Hintergrund professionell vorbereitet. Trotz des schlechten Wetters gelang es den Machern dieses Rekords, die alte Bestmarke aus dem Jahr 2014 beinahe zu verdoppelten. Damals spielte der Vorgängerverein der Eintracht, der FFC Frankfurt, gegen den VfL Wolfsburg vor 12.464 Zuschauern.

In den übrigen Begegnungen des ersten Spieltags pendelten sich die Zuschauerzahlen in etwa auf das Niveau der letzten Saison ein. Der Durchschnitt lag im vergangenen Jahr bei 811 Zuschauer pro Spiel und erinnert an das Interesse, das dem regionalen Männerfußball entgegengebracht wird. In Köln waren es am vergangenen Wochenende 1200 Zuschauer, in Meppen 1025, in Bremen 578 und in Duisburg lediglich 424.

Sog nach Europameisterschaft bleibt aus

Allerdings gab es beim Spiel zwischen Titelverteidiger VfL Wolfsburg und der SGS Essen einen weiteren sichtbaren Anstieg der Zuschauerzahlen gegenüber dem Vorjahr, denn hier zählte man beachtliche 3217 Zuschauer. Und wenn die Wolfsburgerinnen am kommenden Wochenende in Hoffenheim spielen, dann steht ihnen neben dem „Männerstadion“ in Sinsheim, einer TV-Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auch noch ein kleinwenig Rückenwind durch weitere spezielle PR-Aktionen zur Seite. Es wird erneut eine größere Kulisse erwartet. Angeblich sind bereits 5000 Karten verkauft worden.

Was bringt also der neue Zuschauerrekord dem Frauenfußball im DFB und den einzelnen Landesverbänden? Vom erwarteten Sog der erfolgreichen Europameisterschaft in England war jedenfalls außerhalb von Frankfurt nicht viel zu spüren. Im Gegenteil: Wie so oft nach sportlichen Großereignissen pendelt sich das Interesse im Anschluss erstaunlich schnell wieder auf altem Niveau ein.

Werbeeffekte verpuffen bei Frauen und Männern gleichermaßen

Plumpe Werbeeffekte verpuffen also im Frauenfußball genauso schnell wie im Männerfußball und in anderen Sportarten auch. Deshalb sind nachhaltig wirksame Maßnahmen, Ideen und Konzeptionen gefragt. Der Rekord in Frankfurt vom vergangenen Wochenende zeigt uns unmissverständlich auf, dass Frauenfußball auch Interesse binden kann.  

Ähnlich wie das Spiel der Männer und Jungen. Aber auch mit neuen Akzenten und anderen Qualitäten. Wenn das Spiel der Frauen die Chefetagen des deutschen Fußballs wirklich erreicht und von dort aus kluge Kampagnen, Konzepte, Events und andere Maßnahmen professionell vorbereitet und langfristig orchestriert werden, dann wird auch im Frauenfußball vieles möglich sein.

Harald Lange
Prof. Dr. Harald Lange äußert sich zu den Zuschauerzahlen beim Frauenfußball. © privat

Von allein wird sich ebenso wenig ändern wie auf der Basis von gutgemeinten Feiertagsreden. Wir müssen daher fragen ob wir es wirklich wollen, dass Mädchen in unserem Fußballsystem die gleichen Möglichkeiten haben sollen wie die Jungen. Mehr noch: Mit Blick auf die männlich dominierte Kultur unseres Fußballs müssen wir fragen ob das System, so wie es derzeit aufgestellt ist, in der Lage ist, Änderungen auf den Weg zu bringen.

Wer den Status quo schön findet, der mag einfach für das „weiter so“ plädieren. Alle anderen haben die Verpflichtung nach neuen Wegen, zeitgemäßen Organisationsformen und eben „gleichen Chancen“ zu suchen. Ich meine: Das kann dem Fußball und seinen Führungsetagen nur gut tun.

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