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Keine WM-Fan-Meile in Berlin – Wer freut sich eigentlich auf die Fußball-Weltmeisterschaft?

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Fanmeile Berlin Brandenburger Tor
Die Fanmeile in Berlin am Brandenburger Tor ist zu jeder Weltmeisterschaft ein Highlight. Zur WM 2022 wird es kein gemeinsames Mitfiebern geben. © dpa/Marcel Mettelsiefen

Nur noch 67 Tage bis zum Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar am 20. November 2022. Gefühlsmäßig liegt die WM in weiter Ferne und alles deutet darauf hin, dass dieses umstrittene Turnier ein Flop werden wird. Wenn das Gastgeberland das umstrittene Turnier mit einem Spiel gegen Ecuador eröffnet, dann dürfte das hierzulande kaum interessieren. Die Fernseher bleiben entweder ausgeschaltet oder es laufen andere Unterhaltungsformate. Fans werden ihre Zeit wahrscheinlich auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Geschenke-Shopping verbringen.

Trübe Aussichten für diejenigen, die mit solchen Fußball-Events Geld verdienen wollen. Deshalb wissen wir auch seit Ende vergangener Woche, dass es zu dieser WM – erstmals seit 18 Jahren – keine Fan-Meile am Brandenburger Tor in Berlin geben wird. Der private Veranstalter hatte seinen Antrag auf Ausrichtung dieses inzwischen weltweit bekannten Fanfestes zurückgezogen. Neben dem Wetter, der Konkurrenz durch Weihnachtsmärkte, Corona und der Energiekrise dürfte auch das zu erwartende Desinteresse ausschlaggebend gewesen sein. Der Rückzug ist ein markantes Ereignis, denn damit belegt das Sportbusiness den Werteverlust, den diese umstrittene WM im Wüstenstaat mit sich bringt.  

Mit anderen Worten: Der FIFA-WM-Fußball ist in Deutschland in mehrerlei Hinsicht weniger wert. Wer freut sich auf diese WM? Wer wird die Nationalmannschaft als Fan begleiten? Wer wird die Spiele am Fernseher live verfolgen? Wer wird WM-Stimmung aufbauen und gemeinsam mit Freunden und anderen Fans feiern? Bei einer repräsentativen Studie zu Beginn des Jahres die Vorfreude auf das Turnier abgefragt. Dabei kamen ernüchternde Ergebnisse zustande.

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Bereits im Frühjahr deuteten die Zahlen an, das es sich nicht lohnen wird, Public Viewing einzurichten, denn knapp 90 Prozent der befragten Fußballfans gaben an, kein Interesse an solchen Unterhaltungsformaten im Zusammenhang mit der Winter-WM zu haben. Die Fußballfans erwarten sowohl vor Ort in Katar wie auch zuhause in Deutschland einen vergleichsweise nüchternen WM-Monat. Stimmung, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, wird wohl nicht aufkommen.  

Mit Blick auf die abgefragte Vorfreude gaben 82,4 Prozent der Befragten an, dass sie keine oder nur sehr geringe Vorfreude auf das Event verspüren. Mit Blick auf das WM-Erlebnis der zurückliegenden Jahre sagten sogar 84 Prozent der Befragten, dass sie weniger Vorfreude auf die WM 2022 verspüren als bei vorangegangenen Weltmeisterschaften.

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Wir werden zwar keine Geisterspiel-WM erleben, aber 60,9 Prozent der 4190 Umfrageteilnehmer wollen die Weltmeisterschaft gar nicht live verfolgen. Das sind harte Zahlen und ernüchternde Aussichten für TV-Sender und Sponsoren, die sich auch in diese umstrittene WM eingekauft haben. Sollten sich die Zahlen bewahrheiten steht fest, dass Geldverdienen anders geht.

Prof. Dr. Harald Lange äußerst sich in einem Gast-Beitrag zur xxx. Foto: privat
Prof. Dr. Harald Lange äußert sich zur Weltmeisterschaft 2022. © privat

Ich meine: Das war auch so abzusehen. Die Kritikpunkte an dieser WM sind lange bekannt und weder der DFB, noch die FIFA waren in der Lage sich konstruktiv mit den Fehlern auseinanderzusetzen. Genau das wäre wichtig gewesen, denn die prekäre Menschenrechtslage in Katar hatte vor allem für die Schwächsten verheerende Konsequenzen: „Amnesty International“ zufolge sind zwischen 2010 und 2019 mindestens 15.000 Bauarbeiter auf den Baustellen verstorben. Wer hat angesichts solcher Zahlen und Missstände Lust auf Fußballspiele, die in diesen Stadien stattfinden sollen?

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