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Egos sind bei den Halbfinalisten fehl am Platz

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Von: Johannes Götze

Bruno Petkovic
Egos sind bei den Kroaten fehl am Platz: Bruno Petkovic (2.vl) jubelt nach seinem Tor zum 1-1 im Viertelfinale gegen Brasilien. © Manu Fernandez/AP/dpa

An dieser Stelle wirft Torgranate-Redakteur Johannes Götze täglich seinen ganz persönlichen Blick auf die WM in seiner Kolumne „Mach ihn! Er macht ihn!“.

Fußball als Spiegelbild der Gesellschaft. Mal mehr, mal weniger. Die deutsche Nationalelf präsentierte sich bei der WM als solches. Satt, selbstgerecht, sich nicht auf das Wesentliche konzentrierend. Ein Team? Schon vor dem ersten Spiel nicht mehr. Der Bindenstreit führte zur Spaltung. Schulterschluss mit den Fans? In weiter Ferne. Das Sommermärchen? Längst ausgeträumt!

WM in Katar: Egos sind bei den Halbfinalisten fehl am Platz

Bei den Halbfinalisten dieser Weltmeisterschaft ist das anders. Ganz anders. Mit welchem Selbstverständnis der marokkanische Torwart die wiederholte Auszeichnung zum Spieler des Spiels an den Siegtorschützen gegen Portugal weiterreichte. Wie ein Spieler mit seiner Mutter auf dem Platz vor den Fans tanzte. Wie der Trainer dem Team in nur wenigen Monaten Amtszeit eine Spielidee und vor allem eine Identität einimpfte. Wie er Hierarchien entwickelte. Wie er verschiedenste kulturelle Einflüsse der in halb Europa zur Welt gekommenen Nationalspieler zu einer Symbiose schuf. Einmalig.

Torgranate-Redaktuer Johannes Götze.
Torgranate-Redakteur Johannes Götze. © Max Dellemann / Heldenzeit

Und wenn doch einer aus der Reihe tanzt, wie Benjamin Parvard bei den Franzosen, dann braucht’s einen Nationaltrainer im Format eines Didier Deschamps, der versteht, riesige Egos einzufangen und auf Erfolg zu trimmen. Auch hieraus wächst Energie, echter Teamgeist.

Die stolzen Kroaten müssen sich mit derlei Animositäten nicht herumplagen. Ein Land mit vier Millionen Einwohnern zählt gleich in mehreren Teamsportarten zur Weltspitze. Das kommt nicht von ungefähr. Wer rot-weiß-karierte Trikots trägt, hat sich verdammt noch mal aufzuopfern. Egos sind fehl am Platz.

Daran nimmt sich schlussendlich Argentiniens Lionel Messi ein Beispiel. Der Spieler von einem anderen Stern, gesegnet mit so viel Talent, dass sich mancher fragt: Wie konnte der Fußballgott nur so ungerecht aufteilen? Doch Messi hat verstanden, dass er die Last eines ganzen Landes auf seinen Schultern zu tragen hat. Er isoliert sich nicht wie Cristiano Ronaldo, er spaltet nicht wie Kevin de Bruyne. Er stellt sich in den Dienst der Kameraden, ist einer der ihren. Das verdient Respekt!

Der Autor

Johannes Götze ist verliebt. In den Fußball. Schon immer. Seit 2014 trägt er seinen Nachnamen mit noch mehr Stolz. Er schaut Spiele am liebsten allein und scheut Public Viewing. Wäre diesmal auch kälter als sonst. Seit 2014 ist er Redakteur bei torgranate.de und kümmert sich sonst vornehmlich um Amateurfußball, den er mehr liebt als den Kommerz ein paar Ligen weiter oben. Die FIFA mag er nicht. Einen Wettbewerb mit den besten Fußballern der Welt schon. Habt ihr Gedanken, die ihr mit dem Autor teilen wollt, schreibt ihm doch. Bei Facebook. Bei Instagram. Oder per Mail. johannes.goetze@torgranate.de.

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