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„Nicht eine Quote bekommt dieser korrupte Laden“

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Von: Johannes Götze, Steffen Kollmann

Christopher Schaus, Gianni Leonangeli und Mike Gaul WM Umfrage
Christopher Schaus, Gianni Leonangeli und Mike Gaul (von links) äußern sich zur Vergabe der WM nach Katar, Boykott-Gedanken und den Favoriten. © Charlie Rolff (2), Ralf Hofacker

Nie hat eine Fußball-Weltmeisterschaft die Massen so gespalten wie vor dem anstehenden Turnier in Katar. Wir haben uns bei Persönlichkeiten aus der Region umgehört, wie sie zur umstrittenen WM stehen. In Teil zwei kommen Christopher Schaus, Mike Gaul sowie Gianni Leonangeli zu Wort.

Christopher Schaus, Eintracht-Fan

„Nicht eine Einschaltquote bekommt dieser korrupte Laden der FIFA während der WM von mir“, sagt Christopher Schaus, der die Ergebnisse maximal in der Zeitung verfolgen wird und die für ihn fußballfreie Zeit mit seiner Familie verbringen möchte. Der 42-jährige Eintracht-Fan und Chef des Fuldaer Fanshops führt für seinen Boykott-Entschluss alle möglichen Gründe an: „Fußball steht für Vielfalt und Offenheit. Werte, die in Katar mit Füßen getreten werden. Ich weiß gar nicht, ob Frauen dort überhaupt Rechte haben. Und über Themen wie Energie, Auf- und Rückbau der Stadien und den zahlreichen Toten brauchen wir gar nicht zu sprechen.“

Schaus wünsche sich für zukünftige Weltmeisterschaften ausschließlich Länder, die einerseits Fußballaffinität in sich tragen und andererseits über entsprechende Infrastruktur verfügen. Den Titel wünscht er Deutschland, „weil dort mit Mario Götze und Kevin Trapp zwei Frankfurter vertreten sind. Für die Spieler tut es mir leid, dass sie dort und nicht an einem vernünftigen Ort spielen.“

Mike Gaul, Trainer SG Schlüchtern

Der Trainer von Gruppenligist SG Schlüchtern freut sich auf die Weltmeisterschaft: „Für mich zählt der Sport, das Drumherum blende ich in den 90 Minuten aus“, sagt Mike Gaul, für den ein Boykott einer Nation oder einzelner Spieler zu spät käme: „Für die Spieler ist es ein mega Erlebnis, auf das sie vier Jahre hinarbeiten. Das Kind der Vergabe ist schon vor vielen Jahren in den Brunnen gefallen.“ Der 55-Jährige glaubt, dass die deutsche Mannschaft gute Chancen hat: „Unter die letzten vier könnten wir kommen. Und wenn man im Halbfinale steht, kann alles passieren.“

Gianni Leonangeli, Vorstandsmitglied TSV Pilgerzell

Entspannter als normalerweise wird Gianni Leonangeli die Weltmeisterschaft in Katar verfolgen. Was aber weniger mit dem Gastgeberland, sondern dem Fehlen der italienischen Mannschaft zu tun hat. „Dass Italien nicht dabei ist, ist eine riesige Enttäuschung. Zumal es unsere zweite WM hintereinander ist, die wir verpassen und ich uns relativ hoch eingeschätzt hätte“, sagt der Deutsch-Italiener, der dem amtierenden Europameister trotz der verpassten Qualifikation eine gute Entwicklung bescheinigt.

Verfolgen wird das Pilgerzeller Vorstandsmitglied die WM trotzdem – und besonders auf Deutschland blicken: „Die Mannschaft muss nach der letzten Weltmeisterschaft etwas gutmachen“, weiß Leonangeli, der Argentinien, Brasilien und Spanien als Favoriten auf dem Zettel hat. Den großen Hype um mögliche Boykotte versteht Leonangeli derweil nicht: „Dafür ist es jetzt eh zu spät. Aber dass man hier Energie sparen muss und dort die Stadien runtergekühlt werden – das passt nicht in diese Welt.“

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