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„Die Spieler können nichts für die Vergabe“

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Von: Johannes Götze, Tino Weingarten

Markus Pflanz, Francisco Martinez und Timo Lübeck WM-Umfrage
Markus Pflanz, Francisco Martinez und Timo Lübeck (von links) äußern sich zur Vergabe der WM nach Katar, Boykott-Gedanken und den Favoriten. © Charlie Rolff (2), Nadine Maaz

Nie hat eine Fußball-Weltmeisterschaft die Massen so gespalten wie vor dem anstehenden Turnier in Katar. Wir haben uns bei Persönlichkeiten aus der Region umgehört, wie sie zur umstrittenen WM stehen. Im ersten Teil mit Markus Pflanz, Francisco Martinez und Timo Lübeck.

Markus Pflanz, Co-Trainer VV St. Truiden

„Deutschland, weil ich es will“, gibt Markus Pflanz ganz „patriotisch“ seinen WM-Tipp ab und wird die Spiele schauen: „Der Fehler, die WM nach Katar zu vergeben, wurde vor zwölf Jahren begangen. Damals gab es nur einen kleinen Aufschrei, obwohl alle Probleme bekannt waren. Auch andere Vergaben waren wegen fehlender Nachhaltigkeit ein Witz. Dies darf aber nicht auf dem Rücken der Spieler ausgetragen werden, die sich Träume erfüllen. Außerdem sollte man einige Dinge relativieren, weil wir die mitteleuropäische Brille aufsetzen.“

Pflanz, Co-Trainer des belgischen Erstligisten St. Truiden, wird am Mittwoch genau hinschauen: Bei Deutschlands Auftakt gegen Japan könnte „sein“ Keeper Daniel Schmidt Japans Tor hüten: „Ich hoffe, dass er ein super Spiel macht und Deutschland gewinnt.“ Anschauen wird er sich das Spiel mit dem Trainerteam, Public Viewing vermisst er nicht. Den Belgiern traut der gebürtige Langenschwärzer nicht viel zu, „weil eine nationale Identität fehlt, unter anderem durch eine fehlende einheitliche Sprache“.

Francisco Martinez, Trainer SV Großenlüder

WM-Stimmung mag bei Francisco Martinez nicht aufkommen. „Eine WM stellt man sich anders vor. Aber die deutsche Gruppe mit Spanien werde ich mir anschauen. Alle Spiele nicht, dafür ist die Vorfreude nicht da“, sagt der Trainer des SV Großenlüder. Einen WM-Boykott von Spielern hätte Martinez für wenig zielführend empfunden: „Wenn das ein Schlotterbeck getan hätte, würde niemand mitmachen. Dann hätten es die Superstars wie Messi oder Ronaldo machen müssen. Aber den Spielern kann man keinen Vorwurf machen, da müssen die Verbände vorpreschen.“ Spanien zählt Martinez nicht zum Favoritenkreis.

Timo Lübeck, Bürgermeister in Haunetal

„Solche sportlichen Großereignisse sollten in Ländern stattfinden, in denen dann auch die ganze Welt tolerant und offen willkommen geheißen wird. Zuletzt Russland und jetzt Katar werden diesen Kriterien nicht gerecht“, betont Timo Lübeck, der Bürgermeister der Marktgemeinde Haunetal und im sportlichen Führungsteam der SG Haunetal ist. Protest an den Rahmenbedingungen dieser WM erwartet Lübeck aus der Politik und den Funktionären: „Ich finde es immer schwierig, wenn von den Athleten erwartet wird, dass sie sich deutlicher zu den Zuständen im Gastgeberland äußern sollen, als dies etwa die Bundesregierung tut. Die Jungs sollten sich auf den Sport konzentrieren dürfen.“

Lübeck wird sich die Spiele der DFB-Elf anschauen, WM-Stimmung reift aber noch nicht: „Ich habe Verständnis für jeden, der von dieser WM nichts wissen will. Umgekehrt sollte man aber auch den Fans, die sich darauf freuen, kein schlechtes Gewissen machen. Von ihnen hat sich niemand das Datum und schon gar nicht den Gastgeber ausgedacht.“

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