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Assistenten im Stau – überqualifizierte Kollegen springen ein

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Von: Johannes Götze

Felix Berger (Bildmitte) ist ein findiger Schiedsrichter: Kurzerhand organisierte er sich mit Markus Bengelsdorff (links) und Joshua Herbert neue Assistenten.
Felix Berger (Bildmitte) ist ein findiger Schiedsrichter: Kurzerhand organisierte er sich mit Markus Bengelsdorff (links) und Joshua Herbert neue Assistenten. © privat

Beinahe hätte das Hessenliga-Spiel zwischen dem FC Gießen und dem SV Neuhof am Samstag abgesagt werden müssen, weil die Schiedsrichter-Assistenten im Stau standen. Doch Schiedsrichter Felix Berger (TSV Herleshausen) ließ nichts unversucht und durfte das Spiel mit einem Gespann leiten, das die Hessenliga so noch nicht gesehen hat.

Berger hatte das Spiel recht kurzfristig zugeteilt bekommen, weil der ursprünglich vorgesehene Schiedsrichter passen musste. Nicht umbesetzt wurden allerdings die Assistenten aus der Region Wiesbaden. Und da Berger im Kreis Hersfeld/Rotenburg wohnt, fuhr Berger in einem und die beiden Assistenten in einem anderen Auto Richtung Gießen. Doch während Berger pünktlich im Waldstation ankam, meldete das andere Auto „Vollsperrung und Stau.“

Assistenten im Stau – überqualifizierte Kollegen springen ein

Eigentlich kein Problem, nur verfügt das Gießener Waldstadion nicht über Flutlicht, weswegen die Zeit drängte. Berger, gut vernetzt, erinnerte sich, dass der letztjährige Drittliga-Assistent Joshua Herbert (FSV Schwarzbach/Region Fulda) zu Besuch bei Hessenliga-Schiedsrichter Markus Bengelsdorff (TSV Eintracht Stadtallendorf) ist. Berger rief kurzerhand bei Bengelsdorff an, sprang ins Auto und holte die beiden „um die Ecke“ ab. Bengelsdorff kramte einen Satz schon in die Tage gekommener Trikots aus, Berger lieh Herbert Fußballschuhe. Auf Funkfahnen und Headset musste das Trio verzichten. Es leitete den 6:1-Sieg des FC Gießen quasi aus der „kalten Hose“ bei eisigen Temperaturen und nur zehn Minuten Verspätung.

Mit Herbert und Berger, beide freiwillige Regionalliga-Absteiger im Sommer, sowie Hessenliga-Aufsteiger Bengelsdorff bekam das Spiel das wahrscheinlich überqualifizierteste Schiedsrichter-Gespann in der diesjährigen Hessenliga-Saison dargeboten. Viel zu tun hatte es bei deutlichem Spielverlauf nicht, Berger kam ohne Platzverweis und nur drei Gelben Karten aus.

Und was wäre gewesen, wenn Herbert und Bengelsdorff nicht eingesprungen wären? Die beiden Trainer wollten unbedingt spielen, Berger hätte das Spiel absagen oder allein leiten müssen. Auch das wäre außergewöhnlich geworden. Die beiden Assistenten? Stehen nicht mehr im Stau, sondern konnten gar noch die zweite Halbzeit in Gießen schauen. Von außen.

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