Fußball 2021-2022/Hessenliga Gr.A 2021-2022/SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (weiss/rot) - 1. FC Erlensee (blau) 3:1
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Schiedsrichter Boris Reisert verwarnt hier Barockstadts Trainer Sedat Gören im letzten Spiel vor der Winterpause gegen Erlensee.

„Kein schlechtes Mittel“

Einblicke durch Fairnesstabelle: Sünderkartei nun auch für Trainer

Seit Jahren gibt es bei fussball.de die Möglichkeit, die Fairnesstabelle in einzelnen Ligen einzusehen. Seit dieser Saison sieht man aber nicht nur, wie sich die Spieler verhalten haben – es gibt nun auch eine Sünderkartei für Trainer.

Welcher Verein hat die meisten Gelben Karten erhalten? Welche Mannschaft musste die meisten Hinausstellungen hinnehmen? Fragen wie diese werden durch die Fairnesstabelle beantwortet. Seit dieser Saison kann aber auch beantwortet werden, wie sich die Trainer verhalten. Unter der Rubrik Offizielle werden die Karten gegen alle Verantwortlichen außerhalb des Spielfelds aufgeführt.

In der Hessenliga ist die SG Barockstadt mit sechs Gelben Karten gegen Offizielle klarer „Spitzenreiter“. Coach Sedat Gören, der als emotionaler Typ gilt, bekam einige Verwarnungen ausgesprochen. „Ich bin nicht der Trainer, der 90 Minuten ruhig auf der Bank sitzt und nichts sagt. Emotionen gehören dazu, und wir kämpfen um die Meisterschaft. Es ist doch normal, bei spielentscheidenden Situationen auch mal was zu sagen“, betont Gören. Eine Sperre oder einen Platzverweis musste der 50-Jährige jedenfalls noch nicht hinnehmen.

Genau wie Michael Jäger, Trainer des Gruppenligisten SG Oberzell/Züntersbach, fragt sich Gören, ab wann eine Gelbe Karte angebracht ist. Beide wünschen sich klarere Festlegungen: „Wenn man einmal was sagt, kann der Schiedsrichter auch zu dir kommen und Klartext sprechen. Dafür braucht es keine Gelbe Karte“, unterstreicht Jäger, dessen Verein ebenfalls schon sechs Gelbe Karten gegen Offizielle kassierte. Drei davon sah Jäger, drei sein Obmann, Ex-Spieler Johannes Statt. „Jede Karte konnte man wahrscheinlich geben, musste man aber nicht. Es wurde leicht gemeckert, ohne persönlich zu werden. Über Sinn oder Unsinn dieser Regel sollen andere entscheiden“, sagt Jäger.

Meinhardt erkennt Vorteile

Zum Beispiel die Schiedsrichter selbst. Regionalliga-Referee Dennis Meinhardt erkennt einige Vorteile: „Gerade für junge Schiedsrichter ist die Gelbe Karte gegen Trainer kein schlechtes Mittel. In meiner Anfangszeit ist es mir doch recht schwer gefallen, einen erfahrenen Trainer zu ermahnen“, so der Unparteiische des SV Flieden. Zudem könne eine unmittelbare Strafe Signalwirkung haben: „Wenn ein Trainer extrem lautstark ist und daraus negative Auswirkungen für das Spiel entstehen könnten, ist so eine Wirkung nach außen wichtig. Wobei es wohl der Königsweg ist, erst zu kommunizieren und dann bei weiteren Verstößen zu verwarnen.“

Dass die Fairnesstabelle nun erweitert wurde und für jeden einsehbar ist, könne den Schiedsrichtern jedenfalls im Vorfeld eines Spiels helfen. Wenn die Sünderkartei aussagt, dass es gegen Offizielle beider Teams schon mehrere Verwarnungen gab, können die Sinne entsprechend geschärft werden. Allerdings erkennt Meinhardt dabei auch einen schmalen Grat zwischen Vorbereitung und Vorverurteilung.

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