Fußball 2021-2022/A-Junioren Hessenliga 2021-2022/SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (weiss/rot) - SV Wehen Wiesbaden U19 (schwarz) 1:6
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Je mehr Spiele Dominic Dylka bald für die SG Kiebitzgrund pfeift, desto besser ist es für seinen Club.

Ab der Saison 2022/23

Große Reform im Schiedsrichterwesen: Pflichtsoll wird grundlegend verändert

Geldstrafen und Punktabzüge aufgrund der Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls: ein großes Thema für viele Vereine in jeder Saison. Ab der Saison 2022/23 tritt allerdings ein neuer Pflichtsoll in Kraft. Eine Übersicht.

Wie war es bislang?

Für jede Senioren- und Frauenmannschaft sowie Jugendabteilung musste ein Verein einen Schiedsrichter stellen. Jeder dieser Schiedsrichter musste in einer Saison mindestens zwölf Spiele leiten sowie fünf Pflichtlehrveranstaltungen besuchen. Bei Nichterfüllung drohten Geldstrafen (500 Euro in der Hessenliga, 250 Euro in der Gruppenliga) sowie ein Punktabzug bei erneutem Vorstoß im kommenden Jahr – in diesem Fall werden zudem die Geldstrafen verdoppelt. Für die Spielzeiten 2020/21 sowie 2021/22 wurden die Bestrafungen pandemiebedingt ausgesetzt.


Was hat sich geändert?

Die Vereine müssen fortan nicht mehr für genügend Schiedsrichter, sondern ausreichend Spielleitungen garantieren. Bei Hessen- bis Gruppenligisten sind es 30 in einer Saison, bei unterklassigen Teams 15. Hinzu kommen 10 Leitungen bei A- bis D-Junioren beziehungsweise 20 bei A- bis C-Junioren-Hessenligisten. Frauen- und Juniorinnen-Teams müssen Hessenliga abwärts 10 Spielleitungen garantieren. Bei Spielgemeinschaften wird die Anzahl der zu erbringenden Leitungen je Mannschaft gleichmäßig auf die teilnehmenden Vereine verteilt. Es wird auf ganze Zahlen aufgerundet.


Warum wurde der Pflichtsoll angepasst?

Immer weniger Schiedsrichter bedeuten immer größere Anstrengungen der Ansetzer, in jedem Spiel für einen Unparteiischen zu garantieren. Deshalb hat der Verbandsschiedsrichterausschuss um den Vorsitzenden Gerd Schugard entschieden: „Die Vereine sollen den Bedarf an Spielleitungen abdecken, den sie in ihren Mannschaften und Klassen aufweisen“, erklärt der Schiedsrichter des FSV Germania Fulda.


Wann treten die Änderungen in Kraft?

Schon im April 2019 meldete torgranate.de exklusiv, dass das Schiedsrichter-Pflichtsoll revolutioniert werden soll. Ein endgültiges Ergebnis wurde über Jahre entwickelt und auf dem Verbandstag im vergangenen Jahr im Einvernehmen mit allen Kreisfußballwarten beschlossen. „Wir sind davon überzeugt, dass das System, was wir auf den Weg gebracht haben, besser ist als das in der Vergangenheit“, betont Schugard. Ab dem 1. Juli 2022 treten die Änderungen in Kraft, die Auswirkungen werden für die Vereine ab der Saison 2023/24 zu spüren sein.


Wer profitiert, wer verliert?

Vielpfeifer und wenig belastbare Schiedsrichter profitieren gleichermaßen. Mussten Unparteiische bislang zwölf Spiele leiten, um ihrem Verein in Sachen Pflichtsoll überhaupt helfen zu können, werden nun auch weniger geleitete Partien angerechnet. „Wir bemühen uns – so schwer es ist – neue Schiedsrichter-Kameraden zu finden. Vielleicht gibt es in den Vereinen ja jemanden, der alle vier Wochen mal ein Spiel pfeifen kann, da hätte sein Verein schon was davon“, sagt Schugard.

Auf der anderen Seite werden Vielpfeifer, die bei entsprechendem Einsatz bis zu 50 Spielleitungen abdecken können, ihrem Club viel mehr helfen als bislang. Nachteil: Um besagte Schiedsrichter könnte es ein größeres Geschachere geben als bislang. Schon jetzt wechseln einige Referees aus moralisch schwer nachvollziehbaren Gründen. Vereine, die nicht genügend Leitungen abdecken, könnten mit Geldversprechungen locken und engagierte Schiedsrichter versuchen abzuwerben.

Gerade höherklassige Vereine müssen nämlich für mehr Spielleitungen sorgen: „Das bisherige System war gegenüber unterklassigen Vereinen nicht sehr gerecht“, weiß Schugard. Zwischen Hessenligist und B-Ligist wurde nicht unterschieden, obwohl die Vereine ab der Gruppenliga drei Schiedsrichter pro Spieltag brauchen und die Clubs darunter einen. Im neuen Pflichtsoll wird der Schiri-Bedarf ansatzweise berücksichtigt, da höherklassige Vereine doppelt so viele Spielleitungen garantieren müssen.

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