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Streiken die Schiedsrichter am Sonntag?

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Von: Tobias Konrad

Streikende Schiedsrichter, wie hier Carsten Dücker (von links), Joshua Herbert und Leonard Putz, gibt es am Sonntag in Hessen nicht.
Streikende Schiedsrichter, wie hier Carsten Dücker (von links), Joshua Herbert und Leonard Putz, gibt es am Sonntag in Hessen nicht. © Charlie Rolff

Steht der Amateur-Fußball am Sonntag vor einem Problem? Zumindest fordert die Interessengemeinschaft (IG) Schiedsrichter zum Streik der Amateur-Schiedsrichter auf.

In einer Pressemitteilung auf der Homepage der „IG Schiedsrichter“ heißt es, „dass es absolut an der Zeit ist, dass sich Schiedsrichter gegen Gewalt zur Wehr setzen und für einen Tag die Pfeife ruhen zu lassen.“ Es brauche demnach grundlegende Reformen zum Schutz der Schiedsrichter, Rechtsschutz und Unfallversicherung für ehrenamtliche Schiedsrichter, Kostenübernahme der Verbände im Schadensfall, Stellung eines Rechtsanwalts und adäquate faire Aufwandsentschädigungen.

Von derartigen Problemen ist der hessische Fußball am Wochenende nicht betroffen. Wie Gerd Schugard, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses mitteilt, beteiligt sich der Hessische Fußball-Verband (HFV) nicht am geplanten Streik. Dennoch stellt Schugard klar, „dass der Forderungskatalog in einigen Punkten zum Nachdenken zu gebrauchen ist, vor allem in versicherungsrechtlichen Dingen. Andere Punkte hingegen sind längst im Gange, wie Kampagnen gegen Gewalt und für Respekt.“

Dass, wie die „IG Schiedsrichter“ weiter mitteilt, Spiele beim Fernbleiben eines Schiedsrichters für fachkundigen Personen wie einem Mannschaftsleiter geleitet werden müssen, ist hingegen keine neue Information. „Eine Autopanne oder sonstige unerwartete Geschehnisse können immer auftreten. Entsprechend springt ein für die betroffenen Teams Unbeteiligter ein“, sagt Schugard. (Lest hier: Erste Verwarnung nach fünf Spielen und kaum erkennbare Linien)

Forderungskatalog der IG Schiedsrichter

– Respekt PR-Kampagne vom DFB und den Verbänden 
– Keine Gewalt gegen Schiedsrichter 
– Änderung der Rechts-/ Verfahrensordnung aller DFB-Landesverbände (einheitliches Strafmaß bei Körperverletzung von Schiedsrichtern). Körperliche Angriffe auf Schiedsrichter sind (Schlagen, Spucken, Treten), müssen mit einem Mindeststrafmaß von fünf Jahren Sperre bestraft werden 
– Schiedsrichtern wird nach körperlichen Angriffen ein Rechtsanwalt für den Strafantrag bzw. zivilrechtliche Ansprüche vom Landesverband gestellt 
– Schiedsrichtern wird eine adäquate Rechtsvertretung und Betreuung beim Sportrechtsverfahren gestellt 
– beschuldigte Spieler werden so lange nicht vom Verein abgemeldet bis das Sportrechtsverfahren abgeschlossen ist, gleiches gilt für vereinsangehörige Zuschauer 
– Schiedsrichtern wird im Falle eines Strafantrages / Zivilrechtliche Ansprüche gegen den Schiedsrichter (Präzedenzfall Pierre Hackler – zu lauter Pfiff) ein Rechtsanwalt vom jeweiligen Verband gestellt 
– etwaige strafrechtlichen / zivilrechtliche Schadenersatzforderungen aus dem vom Schiedsrichter gepfiffenen Spiel übernimmt der DFB, 
– Aufnahme in die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) 
– ehrenamtliche Unfallversicherung des Schiedsrichters, derzeit 4,70 Euro, p.a. übernimmt der Verband 
– bei unverschuldetem Diebstahl von Schiedsrichter-Ausrüstungen (Trikot, Tasche, etc.) zahlt der Verband die Wiederbeschaffungskosten, Regressansprüche des Verbandes gegen die Vereine bleiben davon unberührt 
– Start Schulung und Deeskalations-Training für Schiedsrichter sofort bis zum Saisonende 2021/2022, spätestens zum Saisonbeginn 2022/2023 
– sofortige Anpassung der Aufwandsentschädigungen der Schiedsrichter für Saison 2021/2022 durch die jeweiligen Verbände, eine Mindestaufwandsentschädigung für die Kreisligen sollte beschlossen werden, bis 20 km Fahrtstrecke (einfache Fahrt) = 40,00 Euro pauschal. Bei > 20 km zusätzlich gemäß steuerlicher Regelung je 20 Kilometer übersteigenden km = 0,35 Euro / km. Ab Saison 2022/2023 = 45 Euro pauschale Aufwandsentschädigung, km Entschädigung > 20 Kilometer wie Saison 2021/2022.

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